Die Außenlandung eines Segelflugzeuges aus Celle sorgte Ende vergangener Woche zwischen Breitenhagen und Groß Rosenburg für Aufsehen. Der Pilot hatte den größten Teil des 606 Kilometer langen Wertungsfluges bereits hinter sich, als die Thermik versagte.

Breitenhagen l "Schreiben Sie jetzt bloß nichts von einer Notlandung", winkt Leif Eichhorn verächtlich ab. Die Medien würden dazu gerne neigen, wenn ein Fluggerät außerhalb der üblichen Landebahn aufsetzt. Vielmehr handele es sich um eine "Außenlandung", die bei Segelfliegern normal sei. Denn eine Notlandung ist bei einer Notlage der Fall und die war es ja nicht.

"Ich habe schon 20 Außenlandungen hinter mir." Pilot Leif Eichhorn (20)

Als Außenlandungen bezeichnet man all jene, die außerhalb eines Flugplatzes stattfinden. "Ich habe schon 20 hinter mir", gesteht der 20-jährige Student für Wirtschaftsingenieurwesen der Uni Magdeburg. Auf einem Wertungsflug reichte bei ihm die Thermik nicht mehr aus, um das 220 Kilogramm leichte Segelflugzeug am Himmel zu halten. Die Nadel seines Variometers (Steigmesser) war auf 300 Meter gefallen. "Als ich auf weniger als 600 Meter absackte, stellte ich mich bereits auf eine Außenlandung ein", sagt Leif Eichhorn. Da gucke man sich nach einem geeigneten Landeplatz um. Und weil offizielle Sportflugplätze nicht in der Nähe waren, musste es auch ein Acker tun. Ein Gott sei Dank abgeernteter.

Wo sich im Winter Graugänse und Singschwäne tummeln, ging der 20-Jährige mit seinem Flieger der Marke "LS 4" nieder.

Er war um 11.15 Uhr in Celle per Winde gestartet, um mit weiteren Seglern auf große Tour zu gehen. Die führte nach Osten, dann bis zur Mecklenburger Seenplatte, wo ein Wendepunkt war. Von dort aus segelte der Trupp wieder südwärts. Bei Dessau stand dann erneut ein Wendepunkt auf der Karte.

Bis dahin hatte die Vierergruppe gute Thermik. Danach wurde es kritisch. Während Leifs Sportfreunde doch noch irgendwie aufsteigende Luft erwischten, hörte sein kontinuierlicher Sinkflug nicht auf.

Die "große Kunst" des Piloten bestehe darin, aufsteigende "Warmluftblasen" aufzuspüren, um sich mit deren Hilfe in die Höhe tragen zu lassen. "Man hält nach hellen Flächen Ausschau oder beobachtet kreisende Vögel", weiß Leif Eichhorn. Und er fügt hinzu, dass Vögel "einen Instinkt dafür haben, den der Mensch nie entwickeln wird".

Doch all das nützte nichts. Als die "absolute Schmerzgrenze" bei 200 Metern erreicht war, blieb nur noch die "Außenlandung".

Vor einem Jahr hätte der junge Flieger aus Celle auf diesem Acker zwischen Breitenhagen und Groß Rosenburg ein Problem bekommen. Da standen noch die Wasser des Deichbruchs darauf. "Ach, hier ist das", hebt der 20-Jährige erstaunt die Augenbrauen. Als Student in Magdeburg hatte er im Juni 2013 von der Katastrophe gehört.

Für den Rücktransport forderte Leif Eichhorn seinen Vater in Celle telefonisch an. "Bevor man so einen langen Flug macht, spricht man sich mit jemanden ab, der einen abholen kann", so der junge Niedersachse. In solchem Fall werden die Tragflächen und das Höhenleitwerk abgeschraubt und der Segler dann komplett in einem Spezialanhänger verstaut.

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