Die Zeiten sind vorbei, als beim Röntgen noch konventionelle Filme belichtet oder entwickelt werden mussten. In Calbes Krankenhaus setzen jetzt digitale Detektoren die Röntgeninformationen in digitale Bilder um. Ärzte betrachten das Ergebnis nur Sekunden später auf einem Bildschirm.

Calbe l Wer kennt diese Szene nicht aus den unzähligen Krankenhaus- und Arztserien? Im Fernsehen macht es Dr. Stefan Frank ebenso wie Chefarzt Professor Brinkmann in der "Schwarzwaldklinik", der Landarzt oder der Bergdoktor. Irgendwann treten die Halbgötter in weiß vor einen Leuchtkasten an der Wand und klicken mit einem kräftigen Ruck ein waberndes Graustufenbild an dessen obere Leiste. Anschließend erstellen sie mit kritischen Blick auf Lunge, Herz, gebrochene Knochen oder Gehirn einen Befund. In der Saalestadt sind es Chefarzt Dr. Karl-Heinz Ulrich oder Chirurg Dr. Thomas Heinrich, die Röntgenbilder zu einem Befund heranziehen.

"Die Chemikalien zur Entwicklung unserer früheren Röntgenbilder kamen direkt aus Calbe."

Tatsächlich gibt ein Röntgenbild in der Medizin den ersten entscheidenden Hinweis auf eine Erkrankung.Die bereits im Jahr 1895 vom deutschen Physiker Wilhelm Conrad Röntgen entdeckten Strahlen "durchleuchten" den Körper und machen so bestimmte Erkrankungen sichtbar.

Seit vielen Jahrzehnten verfügt auch das altehrwürdige Krankenhaus in der Hospitalstraße über Röntgentechnik. "Früher mussten wir aufwändig nach dem eigentlichen Röntgenvorgang einen Fotofilm entwickeln", erklärt Heidrun Götze. "Die giftigen Chemikalien zur Entwicklung unserer früheren Röntgenbilder kamen direkt aus Calbe." Die medizinisch-technische Assistentin arbeitet seit 30 Jahren mit Leidenschaft als Röntgenschwester. Seit den 1990er Jahren sorgte eine Entwicklungsmaschine für Arbeitserleichterung. "Innerhalb von 90 Sekunden hatten wir einen fertigen Fotofilm in den Händen", erklärt die erfahrene Kollegin Heidemarie Szelag.

Seit Mitte April diesen Jahres hat die nächste Modernisierungsstufe Einzug gehalten. Nun braucht es 45 Sekunden, um ein Bild zu bekommen. Zum Einsatz kommen große Kassetten, die eine Speicherfolie beinhalten. Nach dem Röntgen werden die Kassetten in ein Lesegerät geschoben, das die Daten an einen Rechner überträgt. "Der Arzt kann das Röntgenbild gleich auf einem hochauflösenden Monitor betrachten", erklärt Heidrun Götze. Damit habe das klassische Röntgenbild und auch der dazugehörige Leuchtkasten an der Wand ausgedient.

"Die Strahlendosis für Patienten wird durch das neue Verfahren deutlich reduziert."

Die Vorteile des digitalen Röntgens bestehen darin, dass die Bilder - ähnlich wie bei gängiger Fotosoftware - elektronisch nachbearbeitet werden können. Dadurch werden Wiederholungsaufnahmen und auch Wartezeiten reduziert. Zudem benötigen digital angefertigte Röntgenbilder häufig eine deutlich geringere Strahlendosis für die Bilderstellung. "Das alles kommt dem Patienten zu Gute", sagt Heidemarie Szelag, die nun die Hintergrunddaten zum Bild nicht mehr per Schreibmaschine auf einen Papierstreifen schreiben sondern direkt in den Computer eingibt. Für eine Weiterbehandlung können Kopien der digitalen Röntgenbilder erstellt und auf CD gebrannt werden.

"In die neue Technik wurden rund 47 000 Euro investiert", sagt Angelika Heiden, Marketingleiterin der Awo Krankenhausbetriebsgesellschaft mbH, auf Nachfrage. "Das neue informationsverarbeitende System ist mit der bisherigen Röntgentechnik kompatibel."

Übrigens: Nach Angaben der Deutschen Röntgengesellschaft kommen auf rund 80 Millionen Deutsche pro Jahr weit über 100 Millionen Röntgenaufnahmen, dabei seien beachtliche rund 23 Millionen "Schnappschüsse" aus Zahnarztpraxen noch nicht mit eingerechnet.

 

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