Das Schützenfest mit Königsschießen in Barby wird vom 29. bis 31. August ausgetragen. Organisator ist die Bürger-Schützengilde "Herzog Heinrich". 1699 gründete der Monarch die Gilde und wurde 1717 selbst Schützenkönig.

Barby l Die Herzog-Heinrich-Gilde wurde mehrfach in ihrem 315-jährigen Bestehen reorganisiert. So war es vor Günter Zenker, der die Gilde nach der Wende reaktivierte, der damals 26-jährige Ludwig von Oppen. Nach napoleonischer Zeit und den Ereignissen des Wiener Kongresses trommelte er die Schützengemeinschaft 1815 wieder zusammen, die unter französischer Besatzungsmacht verboten war. Noch heute existiert ein frühes Lichtbild, das von Oppen als alten Mann sogar fotografisch zeigt. Was bemerkenswert ist, da das Bild Mitte des 19. Jahrhunderts aufgenommen sein muss, als die Fotokunst noch in den Kinderschuhen steckte. Oppen lehnt steif an einer Studio-Balustrade. Wer genau hinguckt, erkennt zwischen seinen Beinen jenes Gestell, das die Lichtbildner infolge der langen Belichtungszeiten (ein, zwei Minuten!) zwingend brauchten. Die Fotokunden wurden daran regelrecht festgeschraubt, um nicht zu (ver)wackeln.

Beim Königsschießen wird auch die neue Schützenkette wieder zu Ehren kommen, die bereits ein stattliches Gewicht hat. Sie stammt aus der Mitte der 1990er Jahre, da das Original aus Herzog Heinrichs und Oppens Zeiten sehr wertvoll ist und im Tresor der Salzland-sparkasse aufbewahrt wird.

Sie spiegelt allerdings den Zeitgeist wesentlich besser wider, als heutige Ordensprachten. So ist auf der Medaillenrückseite von Ernst Radespiel 1924 zu lesen: "Als ich die Königswürd` erring, das Seminar grad unterging ..." Damit war die Schließung des königlichen Lehrerseminars im Schloss gemeint.

Zwei Jahre später teilt uns Franz Höbold auf seinem Orden mit, was die Barbyer Bauern damals bewegte: "Als ich zum dritten Male die Königswürde erworben, ist die Ernte durch Überschwemmung verdorben."

Offensichtlich waren die Schwarzpulvermänner jener Jahre poetisch-historisch veranlagt. Das sollte sich bald ändern, als silberne Kreuze mit Haken an der Kette baumelten. Was allerdings von der Gesinnung des jeweiligen Königs abhing. Auch nach 1933 gab es ideologisch wertfreie Schützenorden.

"Als Schützenkönig ward mir nicht bang, als Barbys Bürgermeister Alte Kameraden sang ..."

Wenn die aktuellen Herzog-Heinrich-Herren ihrer Nachwelt etwas Gutes tun wollen, sollten sie über zeitgenössische Reime auf den Ordensrückseiten nochmal nachdenken. So hätte auf der 1997er Medaille stehen können: "Als Schützenkönig ward mir nicht bang, als Barbys Bürgermeister Alte Kameraden sang ..."

Doch Spaß beiseite.

Als Reorganisator der Neuzeit gilt Günter Zenker. Der wird heute ein bisschen melancholisch, wenn er an die Anfänge denkt. "Ich werde nie vergessen, wie Franz Krüger die Schützenkette an mich übergab." Der war der Sohn des letzten Königs, bevor der Zweite Weltkrieg jegliche Vereinsarbeit zum Erliegen brachte. Mit einem Schwur hatte der damalige Vorstand nach dem letzten Schützenfest 1938 vereinbart, dass erst "in normalen Zeiten" die Söhne oder Enkel der Schützen die Tradition in allen Rechten und Eigentumsformen wieder aufnehmen und fortsetzen sollen.

Dieser Schwur konnte erst am 19. Dezember 1991 eingelöst werden. Im Jahre 1995 fanden dann nach 56 Jahren wieder Schützenfest und Königsschießen in Barby statt. Dazu war die alte Mülldeponie an der Fährstraße zum Schützenplatz umgewandelt worden, wo auch in der kommenden Woche das Königsschießen ist.

www.buergerschuetzengilde-barby.de

 

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