Das Gelände am Elbpark soll mit Einfamilienhäusern bebaut werden. Das sieht der Plan eines Investors vor. Das Vorhaben ist gestern im Bauausschuss diskutiert worden.

Schönebeck l Da ist doch noch was in der Schublade ... Frei nach diese Motto hat die Stadtverwaltung dem Bauausschuss des Stadtrates gestern Abend einen Bebauungsplan aus der Mitte der 1990er Jahre vorgelegt. Beziehungsweise hat genau das nicht getan, was zu Kritik führte. Aber der Reihe nach:

Schon seit langer Zeit, nämlich seit 1996, benötigt die Firma ITB Ingenieurbau GmbH (ITB) Lagerflächen nicht mehr, die sich im Viereck Wächterhäuser, Amtsbreite, Streckenweg und Elbebrücke befinden. Schon damals sollte hier ein Wohngebiet entwickelt werden. Doch die Entwicklung blieb stecken. Warum? "Es ist kein Satzungsrecht und damit kein Baurecht geschaffen worden", führte Baudezernent Guido Schmidt in der gestrigen Sitzung im Rathaus aus. Schmidt war damals noch lange nicht in Amt und Würden. Dafür aber Stadtrat Christian Jung (FDP/Rettet die Altstadt). "Die Sanierung der Altstadt ist zugunsten von Bad Salzelmen abgeblasen worden", nannte er den Grund für das Aus. Hinzu kam auch noch das vom Stadtrat mehrheitlich abgesegnete Ende der Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) - und das Projekt löste sich in Luft auf.

Nun aber scheint sich ein Vorhabensträger gefunden zu haben, der die Fläche als das erkannt hat, was sie zweifellos ist: höchst attraktiv. Nahe an der Elbe ist es seit knapp drei Jahren in Magdeburg auf dem ehemaligen Elbbahnhof zu einem regelrechten Bauboom gekommen. Da werden Wohnungen verkauft zu "ganz verrückten Preisen", wie Christian Jung anmerkte. Der Bereich, um den es hier geht, liegt ebenfalls sehr elbnah. Jung ist überzeugt: "Attraktiver geht es in Schönebeck kaum noch." Der Stadtrat ist grundsätzlich für die städtebauliche Entwicklung der öden Fläche. Er kritisierte die Verwaltung aber dafür, dass dem neuen Plan der alte nicht beigefügt wurde. Der hätte doch Grundlage für neue Überlegungen sein müssen.

"Hätten wir machen können. Sehen Sie es uns nach", entschuldigte sich Baudezernent Schmidt. Mit der Beschlussvorlage Bebauungsplan "Am Elbepark" sollen die alten Beschlüsse aufgehoben werden, um der neuen Planung Platz zu schaffen. "Wie weit können wir Einfluss nehmen auf die Bebauung", wollte Ausschussvorsitzender Michael Schulz (CDU wissen. "Mit ihrem Votum können Sie die Bauziele vorgeben", lautete die Antwort des Baudezernenten.

Aber was ist mit der Hochwasser, warf Stadtrat Udo Simon (Fraktion Die Linke) einen Aspekt ein. Christian Jung, der im Berufsleben Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft ist, konnte diesbezüglich zweifach beruhigen. "Von einer Überflutung gehen wir nicht aus, dafür verstärken wir ja jetzt den Schutz. Außerdem war das Gelände auch bei der Flut 2013 nicht betroffen."

Die Ausschussmitglieder votierten bei einer Gegenstimme mehrheitlich für das Aufheben der alten Beschlüsse.

Auf der Tagesordnung stand nachfolgend die Aufstellung des Bebauungsplanes Nummer 29 "Am Elbepark". Das Gelände, vom den hier die Rede ist, befindet sich laut Guido Schmidt zu einem Viertel in kommunaler und zu drei Viertel in privater Hand. Hier sollen Einfamilienhäuser entstehen. "Der Investor, mit dem wir Gespräche führen, hat eine kleinteilige Entwicklung vor."

Kleinteilig? Bei Christian Jung läuteten die Alarmglocken. Damit würde ein dörflicher Charakter entstehen, unpassend für diesen innerstädtischen Bereich, winkte er ab. Das könne man in Sohlen und Beyendorf so machen, aber nicht hier.

"Wir stehen am Anfang der Entwicklung und Vermarktung des Gebietes", versuchte Dezernent Schmidt zu beruhigen. "Wenn es dieser Entwicklungsträger nicht ist, ist es vielleicht ein anderer. Wir nehmen Ihre Anregungen mit", führte er weiter aus. Die Stadträte stimmten der Vorlage mehrheitlich zu.