Äußerlich erkennt man die Sanierungsarbeiten am Calbenser Rathaus an einer Baurüstung. Doch auch im Inneren des Verwaltungsgebäudes tut sich was. Hier wurden mehrere Brandschutztüren eingebaut.

Calbe l Katrin Müller vom Bauamt ist amüsiert: "Was? Sie haben die Türen überhaupt nicht wahrgenommen?" Ihre Reaktion klingt nicht wie ein Vorwurf. Vielmehr freut es die Fachfrau insgeheim, dass der hastige Rathausbesucher die neuen Brandschutztüren übersieht. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Soll heißen: Sie integrieren sich in das alte Gebäude, sind also keine "schreienden" Stilbrüche. Woran die Denkmalspflege im Vorfeld ihren Anteil hatte.

Die Einzelanfertigungen haben freilich ihren Preis: Pro Tür wird das Stadtsäckel zwischen 4000 und 23000 Euro belastet.

Derzeit sind die Zimmerleute dabei, das Uhrentürmchen mit seiner Wetterfahne und der Jahreszahl 1876 auf der Nordseite zu sanieren. Hier gefährdet der Hausschwamm dessen Standsicherheit. Auch auf dem Rathausboden wird gewerkelt. Zuvor galt es massenweise Akten zu schleppen und in den Keller zu verfrachten.

Am Turm müssen Balken komplett ausgetauscht oder marode Teile ausgewechselt, neue angeschuht werden. Auch an den beiden kleinen Ziertürmchen hat der Zahn der Zeit genagt. Dort müsse allerdings noch entschieden werden, ob oder wie die Sanierung fortgesetzt wird, teilt Katrin Müller mit. Die gesamten Kosten werden aus dem Altstadtsanierungsprogramm finanziert, das ein Auslaufmodell ist.

Doch die Bauarbeiten im Rathaus Calbe sind damit nicht abgeschlossen. Auch der Belegschaftsraum - die Bürger kennen ihn als Wahllokal - hat es nötig. Er wurde vom Hochwasser 2013 wie nie zuvor heimgesucht. Weil derartiges Ungemach immer wieder droht, müsse laut Katrin Müller dort vorausschauend saniert werden. Und zwar mit Materialien, die ein erneutes Hochwasser überstehen.

In den vergangenen Jahren gaben sich die Handwerker immer wieder die Klinke in die Hand. Ein besonderer Kraftakt war die Fenstersanierung, die jetzt abgeschlossen ist. Entsprechend der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung wurde ein Teil von ihnen aufgearbeitet, um originalgetreue Rathausfenster als bauhistorisches Dokument für die kommende Generation präsentieren zu können. Die brandschutztechnische Grundsicherung erfolgte durch Einbau von Trockenwänden für die Brandschutztüren, durch Einfräsen von Türdichtungen, durch Herrichten von Gebäudeverbindungen, Einbau von Sicherheitsbeleuchtungen und Schließen von Maueröffnungen.

Apropos, Brandschutz: Nachdem das mittelalterliche Rathaus am 23. Januar 1875 ein Raub der Flammen wurde, fand bereits am 22. April 1876 die Grundsteinlegung für das jetzige Rathaus statt. Begünstigend wirkte, dass durch Reparationszahlungen aus dem deutsch-französischen Krieg (1870/71) die Staatskasse gefüllt war.

Das heutige Rathaus zeigt ein Sammelsurium von Baustilen, wie sie im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert oft zu finden waren. Der typische Behördenbau übernimmt Elemente aus allen Stilepochen. Die Entwürfe stammen von dem königlichen Kreisbaumeister Fiebelkorn. Der Anfang 1878 bezogeneNeubau kostete 75000 Mark.

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