Nach "Zens im 19. Jahrhundert" ist nun der nächste Teil der Chronik über das Dorf erschienen. Matthias Wiese hat sein Werk "Zens in den Stürmen der Zeit" vor zahlreichen interessierten Einwohnern und Gästen vorgestellt.

Zens l "Ich wünsche Ihnen viel Spaß. Ich kenne die Chronik schon, mir hat es sehr viel Spaß gemacht, darin zu lesen." Mit diesen Worten machte Kerstin Seiler, Vorsitzende der Heimatfreunde Zicken-Zens, Besucher neugierig auf den neuen Teil der Chronik über ihr aller Zens. Und sie wurden nicht enttäuscht.

Matthias Wiese hat sich in diesem zweiten der insgesamt fünf geplanten Teile der Chronik Zens (bereits erschienen: 19. Jahrhundert; noch geplant: Werden und Wachsen, In der DDR, Chronik in Bildern) den Stürmen der Zeit in Zens gewidmet. Erster und Zweiter Weltkrieg, Inflation, Novemberrevolution ...

1905 kommt der erste Personenkraftwagen nach Zens (Gutsbesitzer Wilhelm Braune) und auch der erste Traktor. 1906 wird in Zens der erste Telefonanschluss verlegt, 1911 kommt die Elektrizität in den Ort, 1928 der erste Rundfunkempfänger. Gustav Presse ist einer der acht im Ersten Weltkrieg Gefallenen aus Zens. "Ich habe ihn als Beispiel hier genommen, weil sein Sohn im Zweiten Weltkrieg gefallen ist", erklärt Matthias Wiese, dessen Worte von einer Diashow bildlich begleitet werden, die sein Sohn Andreas aufbereitet hat. Der 3. Oktober sei vor 88 Jahren für Zens ein besonderer Tag gewesen. Der Ort habe seine zweite Glocke wiederbekommen. Doch das Duett währte nicht lange. Denn im Zweiten Weltkrieg musste wieder eine aus der Kirche gehen - sie wurde eingeschmolzen. Und Wiese führte einen Beleg für das erste Ringreiten im Ort an: eine Einladung zum sportlichen und kulturellen Ereignis am 22. Mai 1921. Nach dieser Veranstaltung gab es eine Pause von zehn Jahren, dann überdauerte das Ringreiten aber sämtliche Wirren. Heute ist es eine nicht mehr wegzudenkende Tradition.

"Wieder ist ein Abschnitt der Chronik geschafft", freut sich Matthias Wiese - und mit ihm die Zenser. Seine und die Familie seiner Frau Dagmar seien seit dem Dreißigjährigen Krieg hier ansässig. Die Familien haben mit dem Ort gelebt sowie Höhen und Tiefen erlebt. "Ich bin kein Historiker, aber an der Historie sehr interessiert", sagt der 65-Jährige. Und er wisse auch noch genau, warum: "1958. Mein Opa Walter Wiese hat im Winter im Sessel am Kachelofen gesessen und Geschichten erzählt. Vor ihm saß ein kleiner Junge und hat gespannt zugehört - ich. Ich habe ihn gebeten, alles aufzuschreiben. Das hat er gemacht, und das ist nun die Grundlage für die Chronik."

Doch Matthias Wiese betont, dass dieses Zeitzeugnis keineswegs eine Einzelleistung sei. Ohne die Unterstützung vieler Zenser sei das nicht möglich gewesen. Er hob besonders Paul Schröder hervor. Er ist bereits verstorben, doch er habe ihm viel Material überlassen, da er auch sehr interessiert an einer Chronik über den Ort gewesen sei.

Kerstin Seiler sagte auch im Namen der Heimatfreunde Zicken-Zens Danke. Und zwar Archiven, Kirchgemeinden und allen, die zugearbeitet haben. Besonders die älteren Zenser Helga Bethge, Ilse Stein und Hanni Czech hätten sehr viel erzählen können. Den größten Dank sprach sie aber Matthias Wiese. 1500 Stunden hätte er wohl für diesen Chronikteil gebraucht. "Ich bin kein Matheprofi, aber ich denke, das reicht nicht", so Kerstin Seiler. Sie wünsche ihm Kraft und Ausdauer für den nächsten Teil.

   

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