Auf großes Interesse ist die Informationsveranstaltung zum geplanten Bau der Ortsumfahrung Calbe/Süd gestoßen. In teils lebhafter Diskussion brachten Anwohner ihre Hinweise und Bedenken zum Neubau vor, dessen Baustart im Frühjahr anvisiert ist.

Calbe l Von 2015 bis 2017 soll mit dem Bau der südlichen Ortsumfahrung von Calbe ein wahres Mammutprojekt von Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, Stadt Calbe und Abwasserzweckverband (AZV) Saalemündung gestemmt werden. Das 3,4 Millionen-Euro-Vorhaben soll den Kern der Saalestadt vom Durchgangsverkehr entlasten (Volksstimme berichtete). "Ab kommenden Frühjahr wollen wir dazu das Vergabeverfahren starten", erklärte Andreas Boehle von der Landesstraßenbaubehörde. Noch in diesem Jahr soll Calbes Stadtrat in seiner Sitzung am 11. Dezember mit dem Beschluss einer Ortsdurchfahrtsvereinbarung den Startschuss dafür geben, erläuterte Bürgermeister Sven Hause, der im Vorfeld zur öffentlichen Informationsveranstaltung mit Vertretern des Baulastträgers, der Stadtverwaltung und des Abwasserzweckverbandes einlud. Die Anwesenden wurden über zeitliche, inhaltliche und organisatorische Details umfangreich informiert.

Los geht es mit der grundhaften Sanierung der Brückenstraße in Richtung Schwarz. Der Verkehr wird dabei einseitig an der Baustelle vorbeigeleitet. Entlang der Brückenstraße - zwischen Saalebrücke und neuem Kreisverkehr - entsteht künftig neben einer neuen Stützmauer ein in beide Richtungen befahrbarer Radweg. Wesentlich komplizierter gestaltet sich anschließend die Bewältigung des innerstädtischen Verkehrsflusses, wenn der Kreisel gebaut und ein Teil der Nienburger Straße grundhaft ausgebaut wird. Dann sind Vollsperrungen unumgänglich.

Unmut äußerten vor allem Anwohner der Nienburger Straße. Grund dafür ist unter anderem ein geplanter Radweg auf der rechten Seite stadtauswärts. Einige Anwohner müssten schon jetzt rückwärts über oft schmale Ausfahrten ihre Grundstücke auf die stark befahrene und schlecht einsehbarte L 65 verlassen. Mit einem zusätzlichen Radweg vor ihren Grundstücken dauere dieser Vorgang nun noch länger und sei noch gefährlicher.

Anwohner Gerhard Apel beklagte, dass er kurz nach Durchfahren des neuen Kreisverkehrs auf der Nienburger Straße nicht mehr links auf sein Eckgrundstück abbiegen könne. "Sie müssen auf der Nienburger Straße weiterfahren, wenden und wieder zurückfahren. Anders geht es nicht", empfahl Andreas Boehle. "Nicht akzeptabel", entgegnete Apel kopfschüttelnd.

Die Aussicht, dass während des Baus und nach Fertigstellung nicht mehr an der ausgebauten Nienburger Straße geparkt werden darf, sorgte ebenso für Unmut wie die komplette Kostenübernahme der neuen Grundstückszufahrten durch die Eigentümer. "Als Bürger wird man ordentlich zur Kasse gebeten, hat aber kein Mitgestaltungsrecht", meinte Anwohner Harald Tandler, der auf die umgelegten Kosten des Straßenbaus und der neuen Hausanschlüsse für die Bürger verwies. "Keineswegs", entgegnete Bürgermeister Sven Hause und kündigte einen Vor-Ort-Termin speziell für Anwohner der Nienburger Straße noch in diesem Monat an. "Dort werden alle vorgetragenen Bedenken und Hinweise in Augenschein genommen und anschließend im Rathaus besprochen", sagte Hause. Diese und weitere Fragen werden die Bauverantwortlichen noch länger beschäftigen.

 

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