Schönebeck l "Die Kunst des Strickens" heißt die Ausstellung der gebürtigen Russin Maria Lipkina. Die Vernissage beginnt am heutigen Mittwoch, um 14 Uhr in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität, Am Stadtfeld 38.

Die Künstlerin hat um die 15 Strickwerke, drei Bilder und mehrere Broschen ausgestellt, wie sie im Gespräch mit der Volksstimme sagt. Bei Ausstellungen in den vergangenen Jahren zeigte sie bereits im Verbund mit anderen Künstlern ihre Werke (etwa im Soleturm), doch diese Exposition ist ihre erste eigene.

Zu den Funden in einer Pyramide gehörten gestrickte Schuhe.

Im Jahr 2004 habe sie auch schon bei zweisprachigen Veranstaltungen mitgewirkt und dort viele Geschichten über Strickkünste vorgestellt, wie etwa "Die Geschichte des Gürtelbaumes", erzählt die 65-Jährige. Sie ist 1994 nach Deutschland gekommen und wohnt seitdem in Schönebeck. "In Russland habe ich als Mathematiklehrerin gearbeitet, wie mein Vater. Meine Liebe zu Kunst und Kultur habe ich von meiner Mutter vermittelt bekommen", berichtet die Integrationsmitarbeiterin.

Selbst recherchierte Maria Lipkina über die ersten bekannten "Wollwerke" der Menschheit und stieß dabei auf einen gestrickten Schuh in einer Pyramide, einen farbig gestrickten Gürtel mit Vogelbild bei den Majas oder auf Kunstwerke von deutschen und italienischen Malern, die die Jungfrau Maria strickend zeigen. Außerdem habe sie herausgefunden, dass das Stricken anfangs reine Männerarbeit gewesen sei.

Die kreative Handarbeitsliebhaberin hat keine Kinder und wünscht sich, dass die Kunst des Strickens an nachkommende Generationen weitergegeben wird. "Ich fände es bedauerlich, wenn die Strickerei aussterben und durch maschinell erzeugte Massenwaren ersetzt würde", gibt Maria Lipkina auf den Weg.

Auf der roten Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten gibt es schließlich zahlreiche Eintragungen. Geraten Handarbeiten wie das Stricken, Häkeln, Sticken und ähnliches mehr in Vergessenheit, so werde das in der Öffentlichkeit allenfalls als uninteressant wahrgenommen. Es würden aber Fähigkeiten verloren gehen, die zum Kulturerbe der Menschheit gehören.

"Ich brauche keine Staffelei und die Wollreste kann ich gleich wieder in neue Werke integrieren."

Mit ihren Werken drücke sie ihre Meinung und vor allem Gefühle und Stimmungen aus. Bei einem Frühlingsbild als Beispiel denke sie an ein Hoffnungsbild mit weicher grüner und gelber, roter und blauer Wolle. Insgesamt betrachtet sie die Kunst des Strickens im Gegensatz zur Malerei als eine platzsparende Variante. "Ich brauche keine Staffelei und die Wollreste kann ich gleich wieder in neue Werke integrieren."

Großes Augenmerk legt die 65-Jährige auf die Qualität der von ihr verwendeten Materialien, wie sie betont.

Maria Lipkina möchte sich bei den Musikern Natalia Oreschkow, Vivian Anastasiu und dem Maler und einstigen Lehrer Dieter Schüler für die intensive Unterstützung bei der Vorbereitung der Ausstellung und der Ausgestaltung der Vernissage bedanken.