Über 100 Jahre ist der Beginn des Ersten Weltkriegs nun schon her. Im Salzlandmuseum wird nun in der Wanderausstellung "Heimat im Krieg 1914/18. Spurensuche in Sachsen-Anhalt" auf die damalige Zeit zurückgeblickt.

Schönebeck l Kaum ist die Ausstellung über Katharina Heise abgebaut, da wird der neu renovierte Saal im Salzlandmuseum für eine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg genutzt. Es handelt sich dabei um eine Wanderausstellung, die Exponate aus zahlreichen Museen des Landes zeigt.

So war sie im vergangenen Jahr bereits in vier anderen Museen zu sehen und wird in dieser Woche nun in Schönebeck eröffnet.

Die Idee dazu wurde im Jahr 2012 geboren. "Seitdem sind wir schon mit der Ausstellung beschäftigt", erklärt Museumsleiterin Petra Koch. Zuallererst musste das eigene Haus nach Materialien durchforstet werden.

Was hat das Museum selbst im Bestand, was für die Wanderausstellung interessant wäre? "Unter anderem ist von uns ein Reservistenknochen", erklärt Petra Koch: "Die anderen Museen haben deshalb über uns gestaunt, denn so etwas hatten sie selbst nicht im Bestand." Dabei handelt es sich um einen bemalten Tierknochen. Im Schönebecker Fall ist es ein Pferdeknochen, der mit Erinnerungen an die Kriegserlebnisse verziert wurde. "Derjenige", fügt Frank Löbig vom Salzlandmuseum hinzu, "der diesen bemalt hat, muss schon begabt gewesen sein." Immerhin sind mehrere, sehr detailgetreue Episoden und Geschehnisse aus dem Krieg auf Vorder- und Rückseite zu sehen.

Besonders stolz sind beide aber auch auf einen privaten Leihgeber. "Günter Hoffmann aus Welsleben hat uns noch einen anderen Reservistenknochen übergeben", verkündet Koch mit stolzer Stimme. Dieser sei noch etwas schöner, als jener, der überall zu sehen ist. "Damit haben wir eine Besonderheit und auch einen speziellen lokalen Bezug", klärt sie auf. Insgesamt hätten fünf Privatpersonen der Region etwas an das Museum gegeben, was sie auf ihren Dachböden und in den Kellern gefunden haben.

Calbenser Tagebuch vereint Freude und Schmerz

Als einen Höhepunkt haben die beiden Museumsmitarbeiter auch ein Tagebuch ausgemacht. Es stammt von einer Frau aus Calbe und in ihm ist die Geschichte eines jungen Ehepaares zu finden. Zuerst liest man von der Freude, von der Aufregung, ob denn der Traumprinz auch wirklich interessiert sei und etwas von ihr wissen wolle. Nach der Heirat 1913 muss der Ehemann allerdings in den Krieg ziehen. Er kommt schwer verwundet nach Schönebeck zurück. Die damals junge Ehefrau schreibt von den "schrecklichen" Veränderungen ihres Mannes und dass sie große Sorgen um den Fortbestand ihres Landgutes habe.

Einen weiteren regionalen Bezug stellt auch Katharina Heise her. Die Schönebecker Künstlerin fertigte zwei Druckgrafiken, die den Krieg stark kritisierten. "Zuerst konnte man aber auch Witze über den Gegner in ihrer Feldpost lesen", erläutert Löbig: "Doch nachdem ihr Verlobter gefallen war, wurde auch sie immer kritischer."

"Was auch sehr interessant ist", erklärt Löbig, "ist eine Studie über die Anzahl jüdischer Soldaten im 1. Weltkrieg." Diese durfte Anfang der 1920er Jahre nicht veröffentlicht werden, da sie belegte, dass auch sehr viele Juden für das deutsche Kaiserreich kämpften. "Das hätte den damals aufkommenden Antisemitismus nicht gerade unterstützt", weiß Löbig und muss schmunzeln.

 

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