Lutz Schmidt hat im vergangenen Jahr die Idee von einem "Hof der Vereine" aus der Taufe gehoben. Aus einer Industriebrache im historischen Stadtzentrum soll ein Treffpunkt für Calbes Vereine und Bürger aller Altersgruppen entstehen. In das ehrgeizige Vorhaben kommt jetzt Bewegung.

Calbe l Der Wind bläst eisig ins Gesicht. Der Himmel ist grau und einzelne Schneeflocken wirbeln auf das mannshohe Unkraut. Eine kleine Gruppe bahnt sich an Fahrzeugresten und einem großen Backsteingebäude entlang den Weg. An der mehrgeschossigen Ruine fehlen die Fenster und an den mächtigen Krananlagen nagt der Rost. "Das wäre eine gute Filmkulisse für Häuserkampfszenen bei einem Kriegsfilm", hört man leise aus der Gruppe tuscheln. Lutz Schmidt quittiert die Aussage mit einem Lächeln. Denn: Der Polsterer, der das alte Industrieareal von seiner Werkstatt in der Bernburger Straße quasi bis zur Breite kaufte, weiß schon allein von Berufs wegen, wie aus unansehnlichen Dingen mit guter Handwerksarbeit wahre Schmuckstücke entstehen können. Dass seine Idee einen langen Atem benötigt, ist Lutz Schmidt genauso bewusst wie die Tatsache, dass er dies finanziell und kräftemäßig nicht allein über einen Verein stemmen kann. "Wir haben viel Platz und stellen uns vor, auch andere Vereine anzusprechen, die Räumlichkeiten ganz oder zeitweise für Ausstellungen, Veranstaltungen und weiteres nutzen möchten", sagt Schmidt.

Vorreiter sind auch in diesem Fall wieder die Ehrenamtlichen des Calbenser Verschönerungsvereins. Sie richteten sich bereits einen kleinen Raum im Erdgeschoss her, ganz in der Nähe ihrer Prestige-Projekte wie Storchplatz und Saalemauer. Ehrenamtliche legten am Areal bereits kräftig Hand an. Auf dem Außengelände beseitigten sie Unkraut und Wildwuchs, sicherten und entkernten die Immobilie, entsorgten Müll und putzten Mauersteine per Hand ab, um sie später wieder zu nutzen. Alte Pflastersteine der sanierten Ritterstraße liegen schon bereit. "Damit wollen wir bald eine Zufahrt pflastern", erklärt Lutz Schmidt bei einem Rundgang. Auch eine Abrissgenehmigung für einen riesigen Industrieschornstein hat der Calbenser eingeholt.

"Die Lage ist einfach ideal", schwärmt auch Britta Duschek von der BQI - Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft Schönebeck mbH - und Leiterin der Saale-Akademie in Calbe. Sie kann sich eine Einbeziehung von Jugendlichen gut vorstellen. Lutz Schmidt ist daher auch im Sozialen Netzwerk Calbe vertreten. Dreh- und Angelpunkt bleibt die Finanzierung. Tino Sorge kündigt an, Möglichkeiten einer Drittmittelfinanzierung der Europäischen Union, vielleicht auch über den Bund, auszuloten. Auf Landesebene abwärts sieht der Christdemokrat dagegen weniger Chancen. Empfehlenswert sei es, das Vorhaben gut in Einzelprojekte zu strukturieren.

Bürgermeister Sven Hause (parteilos) setzt seine Hoffnungen in die neue Förderphase des Leader-Programms. Er lud Lutz Schmidt am Mittwochabend mit weiteren Calbenser Akteuren zur Ideenkonferenz der Lokalen Leader-Aktionsgruppe "Elbe-Saale" ein. Darüber wird in der morgigen Ausgabe berichtet.