Für fast 70000 Euro hat die Stadt Schönebeck vor Jahren das Grundstück Markt 2 gekauft. Doch seitdem hat sich nicht viel getan, das Projekt führt ein Schattendasein. Darum fragt die Volksstimme heute: Was ist geworden aus dem Vorhaben?

Schönebeck l Es ist das Filetstück. Die Adresse Markt 2 in Schönebeck - direkt neben dem alterehrwürdigen Rathaus gelegen und am Marktplatz, der früher einmal der wohl wichtigste Ort der Stadt war - kann zu einer Vorzeigeadresse werden. Doch seit Jahren fristet das Haus ein kümmerliches Dasein. Es zerfällt. Vom Hof her gewinnt der Betrachter den Eindruck, als würde es sich um Magdeburg-Buckau Mitte der 1980er Jahre handeln. Auch von der Marktseite aus sind die Emotionen, die sich beim Anblick zeigen, nicht besser. Und wenn der Markt in den nächsten Jahren ansehnlich umgestaltet ist, dann wird das unbewohnte Haus als Schandfleck eben noch mehr herausstechen.

Marktumgestaltung ist das Schlüsselprojekt

Dass der Markt 2 eine wichtige Adresse ist, haben die Stadtverwaltung und der Stadtrat von Schönebeck schon vor Jahren mehrheitlich erkannt. In einer Beschlussvorlage vom Dezember 2011, unterschrieben vom damaligen Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase, kommt die Stadt zu folgendem Schluss: "Im Rahmen der städtebaulichen Sanierung wäre diese Entwicklung als das Schlüsselprojekt zur Revitalisierung der Schönebecker Altstadt respektive Innenstadt zu sehen."

Und heute? "Auch heute noch ist das Haus Markt 2 die wichtigste Adresse nach dem Rathaus", sagt im Gespräch mit der Volksstimme Baudezernent Guido Schmidt, der gemeinsam mit seinem Stadtplaner Michael Gremmes über die Fortentwicklung der Innenstadt berichtet. Vor Jahren gab der Stadtrat mehrheitlich grünes Licht und kaufte das Grundstück für knapp 70000 Euro. Doch seitdem halten Haus und Grundstück Dornröschenschlaf.

Um im märchenhaften Bild zu bleiben: Es kommen im Laufe der Zeit einige Prinzen vorbei, um die Schönheit vor dem Marktbrunnen wachzuküssen. Die wohl stärkste Idee, die seitdem in den Köpfen ist, ist das Rathausquartier. Touristische Potenziale aufgrund der Elbnähe sollten an dieser Stelle mit einem zukünftigen Einkaufs- und Dienstleistungsbereich verknüpft werden - Verweilen und Einkaufen im niveauvollen Ambiente. Dabei sollte die Einbeziehung vorhandener kleinteiliger Einzelhandelsstrukturen eine wesentliche Rolle für die Ausprägung dieses "Handelsmagneten" sein.

139 Investoren angefragt, keiner kann sich erwärmen

Untätig sind Guido Schmidt und Michael Gremmes seitdem nicht geblieben, wenngleich kein zählbares Resultat in den vergangenen Jahren herauskam. "Insgesamt haben wir 139 Investoren angeschrieben und das Rathausquartier vorgestellt. Es kam auch zu einigen Folgegesprächen. Aber einen Durchbruch konnten wir nicht erzielen", resümiert Guido Schmidt.

Warum das so ist, darüber kann der Baudezernent nur spekulieren. Fakt ist aber, dass die Nähe zur Stadt Magdeburg nicht nur ein Segen sein kann, sondern auch ein Fluch. "Wir werden nach der Landeshauptstadt kein zweites Allee-Center bekommen", meint Guido Schmidt.

Für einen Investor zählt grundsätzlich, was unter dem Strich herauskommt. Er möchte in einer bestimmten Zeit seine Investitionen amortisieren und danach auch Gewinn abschöpfen.

So ganz hat sich die Stadt von der Idee eines Rathausquartieres noch nicht verabschiedet - aus mehreren Gründen: Nach wie vor denkt die Verwaltung über eine Verwaltungskonzentration nach. Das Grundstück Markt 2 würde eine ideale Verbindung zum bestehenden Rathaus herstellen. Außerdem hat der bestehende Verwaltungssitz keinen behindertengerechten Zugang. Auch in dieser Hinsicht sieht sich die Stadt 26 Jahre nach der politischen Wende nun endlich in der Pflicht zu reagieren. Und es gibt einen dritten Grund für die Revitalisierung des Hauses Markt 2: Die Verwaltung sollte auch Vorbild sein.

Stadt möchte nun eine Projektidee entwickeln

Konkrete Ideen stellt Baudezernent Guido Schmidt für frühestens Mitte des Jahres in Aussicht. Im Hintergrund ebnet die Stadt die Bedingungen, um zu einer Projektidee zu kommen. Wie die am Ende aussehen kann, ist ungewiss. Fest steht allerdings, dass nach wie vor die Schwerpunkte Handel und Dienstleistung sowie Verwaltung und Wohnen integriert werden sollen. Es wird also doch noch einen Prinz geben, der das Grundstück Markt 2 wachküssen möchte?

Gute Grundbedingungen werden ab diesem Jahr noch geschaffen. Nicht nur, dass die schaurige Geschwister-Scholl-Straße grundhaft ausgebaut wird, auch der Markt selbst wird umgestaltet. Damit ist ein weiterer Schritt in Richtung Belebung der Altstadt getan.

 

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