Die Jäger des Hegering Barby montierten zusammen mit Grundschülern 22 Nistkästen im Schlosspark und dessen Umgebung in den Bäumen. Unterstützt wurde der Vormittag von der rollenden Waldschule des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt.

Barby l Das haben die Viertklässler der "Grundschule am Prinzeßchen" auch noch nicht erlebt: Wenn sie sonst von der Pausenklingel harsch zum Unterricht gerufen werden, sind es nun zwei melodische Jagdhörner. Tobias Wostry und Uwe Kornut stehen am Stummeldamm und blasen sinnigerweise zum "Sammeln" und zur "Begrüßung". So jedenfalls heißen zwei Jagdsignale, die auf dem Fürst-Pless-Horn geblasen werden und die Aufgabe haben, eine Information zu vermitteln. Jedenfalls vor oder nach einer Jagd. In diesem Fall ist es eine nette Einlage der Waidmänner, die den Nachwuchs wieder mehr an die Natur heran führen möchten.

Drei 4. Klassen kommen

"Wie ein Elefant aussieht, weiß jedes Kind, was jedoch der Unterschied zwischen Uhu und Eule ist und wie borstig das Fell des Wildschweins sein kann, bleibt oft ein Rätsel", sagt Hegeringleiter Tobias Wostry. Deshalb lud er den Landesjagdverband Sachsen-Anhalt ein, mit seiner rollenden Waldschule nach Barby zu kommen. Ines Schuchardt und Markus Gottschild erklären nun, welche Tiere direkt vor unserer Tür leben.

Vieles, was bei Kindern und Erwachsenen in Vergessenheit geraten ist, lässt sich dabei am Tierpräparat erläutern. Wissenswertes zur Biologie, zu Lebensräumen, aktuellen Problemen und zur Jagd wird so begreifbar. Tastbretter mit Baumrinden- und Fellproben, die ebenso zum Waldschulen-Inventar gehören, machen deutlich, wie schwer es ist, selbst häufig vorkommende Baumarten richtig zu ermitteln und zuzuordnen.

Gleiches gilt für Tierfelle. Wer kennt schon den Unterschied zwischen den Fellen von Reh, Rotwild oder Damwild? Die Felltastbretter der rollenden Waldschule verschaffen hier schnell die nötige Klarheit.

Insgesamt besuchten alle drei vierten Klassen die rollende Waldschule. Neben Tobias Wostry und Uwe Kornut beobachten deren Waidkollegen Hartwig Dostal und Werner Schröder das quirlige Treiben der Zehnjährigen vergnügt im Hintergrund.

Die Herren, die sich in ihrer konsequent oliv-melangen Kleidung als Jäger zu erkennen geben, haben aber noch etwas Praktisches vor. "Die Mitglieder des Hegerings bauten Nistkästen", deutet Tobias Wostry auf eine kleine Galerie von "Vogelhäuschen", die auf der Schlossparkmauer steht. Die unterschiedlichen Formen bieten sich als Quartiere für Halbhöhlenbrüter wie Gartenrotschwanz oder Bachstelze sowie Höhlenbrüter wie Meise oder Sperling an. "Wer handwerklich nicht so geschickt war, hat Kästen gekauft", lächelt Wostry. Dazu gehören beispielsweise solche, deren Einflugloch durch eine Edelstahlblende geschützt wird. Da auch manche Vögel sich gern an der Brut ihrer Artgenossen vergreifen, können sie so nicht das Loch vergrößern und räubern.

Althergebracht versiegelt

"Bei Nisthilfen verzichtet man besser auf Holzschutzmittel, um die Gesundheit der Vögel nicht zu gefährden", hebt Hartwig Dostal einen seiner Kästen hoch. Er gehört zu jenen Jägern, die ihn selbst gebaut haben. "Ich habe ihn mit Baumwachs versiegelt", deutet der ehemalige Mitarbeiter des städtischen Bauamtes auf seine Konstruktion, die sich mit einem Handgriff öffnen und sich so gut reinigen lässt. Das soll geschehen, nachdem im September auch der letzte Vogelnachwuchs den Nistkasten verlassen hat. Dann gilt es, alte Nester mitsamt den darin lebenden Parasiten wie Vogelflöhen, Milben und Zecken zu entfernen, damit die Vogelbrut im kommenden Jahr nicht übermäßig befallen wird.

"Meinen ersten Nistkasten habe ich gebaut, als ich 14 Jahre alt war", lächelt Hartwig Dostal (75). "Vielleicht trägt unsere Aktion dazu bei, dass heutige Kinder auch auf diese Idee kommen."

 

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