Bei einem Besuch des Städtischen Museums Halberstadt waren Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Barby von einem Zinnfiguren-Diorama zum 500-jährigen Reformationsjubiläum so angetan, dass sie die Ausstellung an die Elbe holen werden.

Barby l Dioramen gehen auf Fotografie-Erinder Louis Daguerre zurück, der im 19. Jahrhundert eine abgedunkelte Schaubühne mit halbdurchsichtigem, beidseitig unterschiedlich bemaltem Prospekt baute. Gemeinhin bringt man Dioramen mit naturkundlichen Museen in Verbindung. Durch die richtige Veränderung des Maßstabs vom Vorder- zum Hintergrund entsteht scheinbar ein nahtloser Übergang von plastischen Landschaftselementen in den gemalten Hintergrund. Oder man kennt sie, wenn historische Schlachtgetümmel durch hunderte Zinnfiguren nachgestellt werden.

Doch in diesen Fall geht es um etwas Friedliches: Was am 29. März in der Barbyer Marienkirche eröffnet wird, widmet sich Martin Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517, der sich in zwei Jahren zu 500. Mal jährt.

22 Schautafeln erklären die Ausstellung

Das Städtische Museum Halberstadt hat die Ausstellung auf 27 Tafeln mit Text, Bild und Zinnfigurendioramen zusammengestellt, die anschaulich das Leben Martin Luthers, die Geschehnisse jener Zeit und die Hintergründe der Reformation beleuchten.

Wobei man auf den Fleiß eines leidenschaftlichen Sammlers zurückgreift: Zusammengetragen hatte die rund 12 500 Handschriften, Skulpturen oder Bücher Oberdomprediger Christian Friedrich Bernhard Augustin ab 1824. Er sammelte "alles, was mit Luther zu tun hat", wie wir heute sagen würden. Nach dessen Tod erbte die reformatorische Ballung der ältesten Sohn Augustins. Dieser verkaufte die Stücke für 3000 Taler an das preußische Königshaus, das sie 1860 dem Lutherhaus in Wittenberg schenkte. Hier bildete die Augustinische Sammlung den wichtigsten Grundstock für das Luthermuseum. Dieses wurde anlässlich des 400. Geburtstages des Reformators im ehemaligen Wittenberger Augustinerkloster - Luthers zeitlebens wichtigste Wirkungsstätte - 1883 eröffnet.

In Verantwortung des Städtischen Museums Halberstadt und mit Unterstützung einer Projektgruppe des Halberstädter Gymnasiums Martineum schuf der Güntersberger Arnfried Müller 750 Miniaturen. Zu den Dioramen zählen "Luthers Hochzeit", "Der Ablasshandel" und der "Thesenanschlag". Der Wahl-Güntersberger trug die Idee zu einer solchen Ausstellung seit Jahren in sich, bis er 2008 mit Vertretern des Halberstädter Museums ins Gespräch kam.

Von der Reformation bis zur Roten Armee

Arnfried Müller widmete sich nicht nur so großen Themen wie der Reformation. In seinem kleinen Haus am Güntersberger Waldrand schuf er auch typische Harz-Figuren, solche der Friderizianischen Epoche, der napoleonischen Befreiungskriege oder zinngewordene Abbilder von Soldaten der Roten Armee und NVA.

Die Dioramen, die in Barby zu sehen sein werden, sind 2,30 Meter hoch, bis zu einen Meter breit und maximal fünf Zentimeter tief. Die räumliche Darstellung wird durch eine geschickte malerische Gestaltung erreicht.

Man darf gespannt sein.

Marienkirche, 29. März bis 19. April, Montag bis Freitag: 16 bis 18 Uhr, Wochenenden und Feiertage: 14 bis 18 Uhr. Gruppen außerhalb dieser Zeiten nach Vereinbarung (039298) 33 16

Bilder