Calbe l Die Nachricht vom Tod von Erhard Schacke hat vielerorts für Trauer, Betroffenheit und Anteilnahme gesorgt. Nach schwerer Krankheit ist der Calbenser kürzlich im Alter von 79 Jahren gestorben.

"Mit ihm verlieren wir einen Menschen, der sich für die Stadt Calbe und ihre Bürger engagierte und zahlreiche Aktivitäten ins Leben rief", sagt der amtierende Bürgermeister Sven Hause. Durch sein Wirken habe Erhard Schacke wesentlich zur Entwicklung seiner Heimatstadt beigetragen.

"Er ist für seine Mitarbeiter stets durchs Feuer gegangen."

Isolde Schulze, Sekretärin

"Seine gradlinige und auf sachlichen Ausgleich bedachte Haltung prägten sein Wesen", sagt Hause, 1999 in der Kommunalpolitik noch als Einzelkandidat im Stadtrat aktiv. "Wir werden ihn in größter Wertschätzung und Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie."

Isolde Schulze arbeitete als Sekretärin viele Jahre mit Erhard Schacke zusammen und hat nur gute Erinnerungen an diese Zeit im Rathaus. "Er war ein Vorzeige-Chef", sagt die Brumbyerin gegenüber der Volksstimme. Er sei fair und menschlich gewesen und für seine Mitarbeiter stets durchs Feuer gegangen. "Er war der Chef, der mir in den zehn Jahren seiner Amtszeit sein vollstes Vertrauen schenkte", erinnert sich Schulze zurück. Jeder habe sich hundertprozentig auf ihn verlassen können. "Kollektivität, diesen Begriff gibt es heute nicht mehr, wurde damals noch gelebt", meint Schulze. "Ich bedaure sehr, dass er in den zurückliegenden Jahren seine Träume nicht verwirklichen konnte. Er wollte noch viel reisen."

Erhard Schacke gehörte als Nachwendebürgermeister zu den Politikern der "ersten Stunde". Bei den freien Wahlen im Juni 1990 wurde die (Demokratischer Aufbruch-) CDU auch in Calbe stärkste Partei. Damals wurde der Bürgermeister nicht von den Bürgern sondern noch von der Stadtverordnetenversammlung gewählt.

"Ich kann mich gut an diese Zeit erinnern, da ich damals Erhard Schacke mit 16 zu 24 Stimmen unterlag", sagt Dr. Georg Hamm, Ehrenvorsitzender des Stadtrats. Obwohl es damals in der kommunalpolitischen Arbeit immer wieder Differenzen zwischen beiden gab, schätzte Hamm stets "seine charakterfeste, bodenständige und sehr korrekte Art". Es sei damals in den Nachwendewirren für alle Mandatsträger eine schwierige Zeit gewesen, blickt Hamm zurück. Damals seien von Stadtverwaltung und Stadtrat gemeinsam auch viele falsche Entscheidungen getroffen worden.

"Erhard Schacke ist es in allen seinen Entscheidungen immer um das Wohl seiner Heimatstadt gegangen."

Dr. Georg Hamm, Ehrenratsvorsitzender

Ein oft genanntes Beispiel sei der Bau des überdimensionierten Klärwerks am nördlichen Stadtrand gewesen, mit dessen Folgen Calbe noch heute zu kämpfen habe. "Aus jetziger Sicht ist man immer schlauer, damals haben wir auf redegewandte Berater gehört", sagt Hamm. Doch eines könne er mit Gewissheit sagen: "Erhard Schacke ist es in allen seinen Entscheidungen immer um das Wohl seiner Heimatstadt gegangen."

Brigitte Hamm bestätigt das. Sie leitete nach der Wende den Ortsverband der Christdemokraten. "Mit Erhard Schacke konnte man sachlich diskutieren, stets mit Respekt und Anstand voreinander", erklärt sie gegenüber der Volksstimme. Calbe habe nicht einfach eine Person verloren sondern eine wahre Persönlichkeit.

Wie viele andere kam auch der ausgebildete Lehrer Ehrhard Schacke als unerfahrener Quereinsteiger in die Kommunalpolitik. Und das in einer Zeit des Umbruchs, in der das niedersächsische Burgdorf bei der Umstrukturierung des Verwaltungswesens half. Nachdem die Kirchgemeinden die ersten Beziehungen zwischen den Kommunen aufnahmen, fuhr Erhard Schacke am 17. November 1990 mit Vertretern der Stadtverordnetenversammlung nach Burgdorf zur Unterzeichnung des Städtepartnerschaftsvertrages.

Die Belebung der Städtepartnerschaft, die nunmehr ihr 25-jähriges Jubiläum begeht, sei einer der großen Verdienste des damaligen Bürgermeisters, meint Rudolf Kramer, damals Stadtratsvorsitzender. "Ich hatte Erhard Schacke selbst als Geografie- und Sportlehrer an der Karl-Marx-Oberschule", sagt der spätere Lehrer gegenüber der Volksstimme. Mitte der 1960er Jahre wechselte Schacke an die Heine-Schule und habe sich als leidenschaftlicher Handballer für die Verbesserung der Sportbedingungen eingesetzt.

Morgen wird Erhard Schacke im engen Familienkreis auf Calbes Friedhof beigesetzt.