Heute ist der Welttag der Meteorologie, der Weltwettertag. Der Welsleber Mario Brych arbeitet beim Deutschen Wetterdienst. Der Volksstimme berichtet der 43-Jährige, wie er zu seinem Beruf gekommen ist, was seine Arbeit ausmacht und dass die zunehmende Technisierung Jobs in Wetterbeobachtungsstellen kostet.

Welsleben l Ein vielfach zitiertes Bild: Kinder malen im Winter mit ihren kleinen, warmen Fingern Striche und Figuren an die vereisten oder beschlagenen Fensterscheiben. Diesen Anblick gab es auch in den Wintern der 1970er Jahre im Haus der Familie Brych in Welsleben. Sohnemann Mario stand am Fenster und drückte sich die Nase platt. Die Eisblumen an den Scheiben interessierten den neugierigen Kleinen nicht, vielmehr der Schnee. "Die Schneeflocken haben ganz unterschiedliche Konsistenzen und Formen, man kann daraus viel ableiten", sagt Mario Brych heute als Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes in Magdeburg und mit dem Wissen des Experten. Die "faszinierenden Bilder", die Mario Brych als Kind erlebt hat und die bis heute seine Erinnerung prägen, sind richtungsweisend für seine Berufswahl geworden. "Ich habe mich immer für die Natur interessiert. Als Kind vom Land hat man viel mit Haustieren zu tun. Aber ich fand auch alles, was mit Sonne, Regen, Wind und Wolken zu tun hat, spannend", sagt der Welsleber. Bereits frühzeitig sei ihm deshalb klar gewesen, so der 43-Jährige, dass er Tierarzt oder "Wetterfrosch" werden wolle. Die Begeisterung für die Wetterberichte im damaligen "West-Fernsehen" taten ihr Übriges. Die Meteorologen dort wurden zu Vorbildern, ihre Arbeit für Mario Brych nacheifernswert.

Dafür, dass die Jobwahl doch recht extravagant ist, verlief Mario Brychs berufliche Entwicklung sehr gradlinig und im Nachhinein betrachtet fast mühelos. Wenn der Welsleber zum Beispiel berichtet, dass er sich beim Meteorologischen Dienst der DDR in Potsdam in einem Fachgespräch - Schwerpunkte Wetterphysik und Geografie - vorgestellt hat, um dann aus 70 Bewerbern einer von 26 zu werden, die anfangen durften. Hier lernte Mario Brych von 1988 bis 1990. Die theoretische Ausbildung passierte in Potsdam. "Wir lebten alle in einem Wohnheim an der Michendorfer Chaussee. Das war eine sehr schöne Zeit. Man fühlte sich getragen durch die sehr familiäre Atmosphäre." Für die Praxiserfahrung wurden die angehenden Wetterspezialisten durch die gesamte Republik geschickt. Stationen waren die Radiosondeaufstiegsstelle in Meiningen, das Amt für Klimaauskünfte und -auswertung in Leipzig und die Meteorologische Hauptstation in Seehausen.

An diesen Stationen hat Mario Brych eine Eigenschaft geschärft, die für das Wetterlesen unerlässlich ist: Ein sehr guter Beobachtungssinn. Denn das Beobachten, als traditionelle Wettererkundung, macht heute den Großteil seiner Arbeit aus. Alle Erkenntnisse werden genau dokumentiert.

"Wir schauen wie der Bedeckungsgrad des Himmels ist oder welche Niederschläge es gab."

Mario Brych arbeitet als Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes in der Wetterwarte in der Magdeburger Aßmannstraße auf der Friedenshöhe. An einem der höchsten Punkte der Landeshauptstadt habe man mit dem bloßen Auge eine Rundsicht von bis zu 14 Kilometern. Zusammen mit fünf Kollegen arbeitet der Welsleber im Zweischichtsystem - in der Zeit von 5 bis 21 Uhr sammeln die Mitarbeiter die Daten, nachts übernehmen das Automaten. "Wir schauen zum Beispiel, wie der Bedeckungsgrad des Himmels ist, die Wolkenbeobachtung, oder welche Niederschläge wo und wie gefallen sind", berichtet Mario Brych von seinen Aufgaben. Hinzu kommt die Datenerhebung aus einem Messfeld unmittelbar neben dem Haus und von den Automaten, die bestimmte Parameter messen. Die Mitarbeiter fügen alles zu einem einheitlichen Bild zusammen, werten Beobachtungen und Gemessenes Bezug nehmend aufeinander aus. Halbstündlich wird eine Meldung in Form eines Wetterschlüssels - eine standardisierte Angabe - nach Potsdam abgegeben, dann weiter in die Hauptzentrale des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Von diesen Informationen zehrt die Öffentlichkeit über die Nachrichten oder das Internet.

Für Mario Brych ist die Arbeit immer Berufung geblieben und niemals Routine geworden - "dafür sind die Wetterphänomene zu vielseitig."

Doch, um im Bild zu bleiben, dunkle Wolken ziehen am Horizont auf, geht es um die Wetterbeobachtung in der jetzigen Form in Magdeburg. 1990 wurde der Meteorologische Dienst der DDR vom Deutschen Wetterdienst übernommen. Das öffentliche Unternehmen ist dem Bundesverkehrsministerium angegliedert. An der Struktur im Osten hat sich zunächst nur wenig geändert. Die Mitarbeiter wurden noch auf Speziallehrgänge geschickt, um ihr Wissen zu vertiefen.

Doch die zunehmende Technisierung stellt Wetterwarten und den Beruf der Wetterdienstmitarbeiter in Frage. Nach und nach wurden die Stationen geschlossen: Ummendorf (Börde), Gardelegen (Altmark), Artern/Unstrut, Genthin. Bislang gab es in Magdeburg sogar noch die Rund-um-die-Uhr-Wetterbeobachtung, inzwischen übernehmen die Automaten nachts. Und sollen den Menschen, geht es nach den Plänen des Deutschen Wetterdienstes, bis 2019 komplett ersetzt haben. Für Marion Brych ist das die falsche Entwicklung, auch wenn die Technik durchaus weit sei. "Die Datenerhebung ist an vielen Stellen nicht präzise genug. Denn die Daten werden aus einem Messfeld mit einer bestimmten Größe gezogen. Dort kann, bedingt durch wenige Einflüsse, im Kleinen alles anders sein, als im Großen drumherum. Die Automaten können nicht alles zuverlässig erkennen. Es fehlt die menschliche Beobachtung und die Bewertung der einzelnen Phänomene."

"Die Messnetzstrategie sieht die Ausdünnung der Wetterbeobachtungsstationen vor."

Doch der Stellenabbau sei gemachte Sache. Allen würden neue Jobs angeboten, doch nicht hier in der Region, macht Mario Brych deutlich. Gerhard Lux von der Pressestelle des Deutschen Wetterdienstes bestätigte bereits vor Monaten der Magdeburger Volksstimme: "Die Messnetzstrategie sieht generell die Ausdünnung der Wetterbeobachtungsstationen vor. Grund sind die geforderten finanziellen Einsparungen, wobei die Personalkosten der größte Faktor sind."

Der Welttag der Meteorologie ist für Mario Brych kein besonderer Anlass, und vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen eher ein trauriger. "Mit Blick auf die Unsicherheit in der Zukunft gibt es für mich nichts zu feiern."