Calbe/Plötzky l Es ist kurz vor 5 Uhr am Sonntagmorgen. Plötzlich zerreißt ein ohrenbetäubender Knall die Stille im Calbenser Wohngebiet der Neuen Wohnstadt. Viele Anwohner schrecken aus dem Schlaf. Ein unmittelbarer Nachbar (Name der Redaktion bekannt) der Sparkasse ist gerade aufgestanden. Er muss zur Arbeit, kocht sich seinen Kaffee. "Das war eine riesen Detonation. Nicht vergleichbar mit Silvesterböllern, sondern viel lauter", so der Mann. "Ich habe am Sonntag noch eine ganze Weile gebraucht, um den Schreck zu verdauen, das ging durch Mark und Bein", berichtet er gestern Nachmittag der Volksstimme.

Dennoch: Der Nachbar reagiert geistesgegenwärtig. "Ich habe sofort zum Handy gegriffen und die Polizei informiert." Dann eilt er wieder zum Fenster. Auf der Straße ist alles voll von Glassplittern. "Ich habe zunächst gedacht, es ist wieder irgendetwas mit dem Feuerteufel, aber dann war mir klar: Da wurde der Geldautomat der Sparkasse gesprengt", so der Nachbar. Bei seinem Blick aus dem Fenster sieht er sogar noch die Täter und ihr dunkles Auto. "Sie waren hektisch zu Gange, liefen hin und her." Ein anderer Nachbar kann sich das Kennzeichen notieren und so der Polizei später bei ihren Ermittlungen helfen.

"Es war unglaublich laut. Ich bin regelrecht zusammengezuckt und dachte, es ist irgendetwas Schlimmes in der Lessingschule passiert", sagt auch Calbes Bürgermeister Sven Hause, der in der Karl-Marx-Straße nur wenige Meter entfernt wohnt.

Die maskierten Männer, so die Polizei, haben mit einem eingeleiteten Gasgemisch den Geldautomaten zur Explosion gebracht, ohne aber an die Beute zu gelangen (Seite 2). Aber sie haben den gesamten Vorraum der Filiale zerstört, in dessen Decke nun ein Loch klafft. Es bietet sich ein Bild der Verwüstung. Die Explosion hat Glassplitter meterweit auf Fußweg, Parkplatz und Straße geschleudert. Die eingesetzten Polizeibeamten sperren das Gelände vor der Filiale ab. Mitarbeiter des Landeskriminalamts sichern Spuren.

Fluchtfahrzeug ist ein Leihwagen
Eine Streife der Polizei, so der Zeuge gegenüber der Volksstimme, sei schnell vor Ort gewesen. Doch den Tätern gelingt die Flucht. Bis Plötzky liefern sich Verbrecher und Beamte eine Verfolgungsjagd, dann verliert sich die Spur der Räuber. Nachdem sie das Auto in ein Gebüsch gesetzt haben, fliehen sie zu Fuß weiter und können ihren Polizeiverfolgern entkommen.

In den sozialen Netzwerken wie Facebook macht die Automatensprengung schnell die Runde. Fotos werden veröffentlicht, Zeugen berichten von ihren Eindrücken. Die Nutzer lassen aber in ihren Kommentaren auch Kritik laut werden, dass die Polizei nicht schnell genug war, die Täter zu fassen.

Das zum Teil sehr drastisch formulierte Unverständnis kommentiert Astrid Kuchta vom Polizeirevier in Bernburg nicht. Die Leitende Einsatzbeamtin vom Dienst sagt aber, dass die Polizei heiße Spuren verfolge. Aufgrund der laufenden Ermittlungen kann sie die Erkenntnisse der Polizei zunächst nur andeuten. Stichwort Täterwissen. "Das Auto war nicht gestohlen. Aber es war ein Leihwagen." Er wurde nicht in der Region ausgeliehen. Hier setzte die Polizeiarbeit an, so Astrid Kuchta.

Nach ersten Schätzungen sind rund 70 000 Euro Schaden entstanden. Ute Cziesla, Sprecherin der Salzlandsparkasse, sagt: "Es ist wie so oft in diesen Fällen von Automatensprengungen: Der materielle Schaden ist größer als die Beute. Doch die materiellen Schäden lassen sich ersetzen. Wir sind froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Das ist wichtig!"

Inwieweit die Wohnungen direkt über der Sparkasse in Mitleidenschaft gezogen wurden, will die Calbenser Wohnungsbaugesellschaft prüfen.

 

Bilder