Vor genau einem Jahr besuchten 17 Schüler des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums Schönebeck Judy Urman in Denver. Sie ist die letzte noch lebende Schönebecker Jüdin, die den Holocaust überlebt hat. Mit dabei war Fotograf Stefan Schmidt, der das Treffen in bewegenden Bildern auf Fotos und Video dokumentiert hat.

Schönebeck l "Das, was wir hier gesehen haben, die Begegnung mit einem Menschen, mit einem Schicksal, das, was uns Judy Urman vorlebt, sollte uns allen ein Beispiel sein. Sie lebt uns vor, dass am Ende Versöhnung und Verständigung stehen sollten. Das sollten wir alle in unseren Herzen tragen", waren die Worte einer sichtlich ergriffenen Romina Altenburg nach der Premiere des Filmes "Judy Urman - Eine Zeitreise", die am Montag in der Aula des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums gegen 18 Uhr stattfand.

Vor ziemlich genau einem Jahr, vom 15. bis 23. März, besuchten 17 Schüler des Gymnasiums für eine Studienreise Judy Urman, die in Denver/Colorado lebt. Judy Urman, geboren Jutta Lübschütz, ist die letzte noch lebende Schönebecker Jüdin, die den Holocaust überlebt hat.

Schon seit Jahren hatten sich die Schüler in verschiedenen Geschichtsprojekten mit dem Schicksal des damals jungen Mädchens zu Zeiten des Naziregimes in Schönebeck beschäftigt. So entstand beispielsweise im Jahr 2012 ein Kurzfilm, in dem die Schüler Szenen ihres Lebens szenisch nachstellten. Kurz darauf begann Lehrerin Romina Altenburg mit den Planungen zum Besuch in Denver.

"Ich habe Frau Altenburg für ihre Naivität bewundert, ein solches Projekt stemmen zu wollen", bemerkte Schulleiter Dr. Ulrich Plaga mit einem Augenzwinkern vor der Premiere des in Denver entstandenen Dokumentarfilmes. "Doch es hat tatsächlich geklappt!" Dank der Beharrlichkeit Romina Altenburgs und der Sponsoren Stadtwerke Schönebeck, Erdgas Mittelsachsen GmbH und Verein Rückenwind.

Dass sich dieser Aufwand gelohnt hat, davon konnten sich nun alle überzeugen, die nicht an dieser Studienreise teilnehmen konnten. Der Fotograf Stefan Schmidt begleitete die Schüler und hat das Treffen auf Fotos und Video gebannt. Die Fotos waren schon in diversen Ausstellungen in Schönebeck zu bewundern. Nunmehr hängen sie in der ersten Etage des Gymnasiums.

Die Fertigstellung des Filmes hat jedoch etwas länger gedauert. Fast ein Jahr. Entstanden ist ein beeindruckendes Zeitdokument einer beeindruckenden, herzlichen Frau, die verziehen hat, jedoch nicht vergessen. Eindrückliche Momente halten fest, wie sie den Schülern über ihre Erlebnisse in der Zeit des Nationalsozialismus berichtet. "Ihr seid heute die dritte oder vierte Generation seit dieser Zeit, ihr seid nicht verantwortlich für das, was vorgefallen ist", sind da zum Beispiel versöhnliche Worte von ihr zu hören.

"Wir waren damals sehr aufgeregt vor dem Treffen mit Judy, ich konnte die Nacht davor nicht schlafen", erinnert sich die Gymnasiastin Lisa-Marie Deichmann nach der Filmpremiere. "Und genau diese Gefühle kamen eben beim Schauen wieder hoch. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, nicht zu weinen", ist sie vom Film beeindruckt.

Ähnlich geht es Josephine Spreeschneider. Auch sie war vor einem Jahr dabei. "Ich hatte schon so viel vergessen. Nun ist alles wieder da. Der Film hat die Gefühle und Erinnerungen zurück geholt. Die Reise und das Treffen waren so perfekt, das würde man gern noch einmal erleben, aber das wird wohl nicht möglich sein."

Wer den Film kaufen möchte, kann sich unter (0 39 28) 7 08 30 an das Gymnasium wenden.

Bilder