Die Katholische Gemeinde trifft sich mit Flüchtlingsfamilien und lebt die christliche Nächstenliebe bei einem gemeinsamen Picknick vor.

Schönebeck l Wenn am Ende eines Spaziergangs Eintracht und Zusammenkunft herrschen, denkt vielleicht so manch bibelfester Christ umgehend an die Emmausgeschichte. In diesem kurzen Abschnitt des Lukasevangeliums begeben sich zwei Anhänger Christi auf einen Fußmarsch und brechen an dessen Ende das Brot mit dem auferstandenen Jesus, von dessen Wiederkehr sie nun wissen.

Am vergangenen Sonntag treffen sich Mitglieder der Pfarrei St. Marien und Norbert Schönebeck/Calbe mit sechs Flüchtlingsfamilien. Zuvor versammeln sich die Katholiken an der Bühne im Kurpark in Bad Salzelmen. Von dort aus wandern sie zwar nicht in das Dorf Emmaus, dafür aber in den Tierpark auf dem Bierer Berg.

Sprachbarrieren sind kaum bemerkbar

Dort warten bereits die afghanischen Familien. Katholiken und Flüchtlinge kommen hier zu einem Picknick zusammen, Pfarrer Dr. Thomas Thorak war mit dabei. Dazu haben die Familien beider Gruppen Kuchen gebacken und allerlei Leckereien mit an die Freilichtbühne gebracht, an der das Zusammentreffen stattfindet.

Hierbei nehmen die Mitglieder der Gemeinde selbstverständlich Rücksicht auf die religiösen Bestimmungen der muslimischen Esskultur: "Wir haben darauf geachtet, kein Essen mit Schweinefleisch mitzubringen", erzählt Thomas Thorak. Dafür bringen die afghanischen Gäste zuckersüße Spezialitäten aus der Heimat mit.

Zwar bringen die sprachlichen Barrieren das ein oder andere Verständigungsproblem mit sich. Doch diese sollen an diesem Nachmittag nicht in den Mittelpunkt gestellt werden. "Es geht heute vor allem um das menschliche Dabeisein, nicht um sprachliche Hindernisse", erklärt Thorak.

Und: Längst nicht alle der Asylbewerber haben Probleme mit der deutschen Sprache. "Vor allem die Kinder sprechen akzentfrei Deutsch. Sie lernen die Sprache durch die anderen Kinder - und sind damit oftmals die Dolmetscher für ihre Eltern." Beispielhaft dafür ist die kleine Elaha. Die Fünfjährige ist das erste der Flüchtlingskinder, welches die katholische Kindertagesstätte "Marienheim" besucht. Mit der deutschen Sprache hat sie keine Probleme. Munter übersetzt Elaha hin und her, vom Persischen ins Deutsche und umgekehrt.

Nicht nur gegessen wird gemeinsam, sondern es geht auch um viel Bewegung und Spaß. Vor allem die Kinder stürzen sich gemeinsam in verschiedene Spiele. Betreut werden diese von Erzieherinnen der katholischen Kindertagesstätte "Marienheim".

Klassiker wie Eierlaufen und Sackhüpfen fehlen selbstverständlich nicht. Für farbenfrohe Abwechslung sorgt ein Spiel, bei dem Kinder und Erwachsene mit einer runden Plane Luftballons aufwirbeln. Zwischen all dem bunten Treiben schweben immer mal wieder einige Seifenblasen entlang.

Freude überstrahlt das schwere Schicksal

Wer den anwesenden Asylbewerbern beim unbeschwerten Spielen und Lachen zusieht, der könnte beinahe vergessen, dass hinter jedem von ihnen eine Leidensgeschichte steckt. "Viele haben Haus, Hof und auch Familienmitglieder verloren", weiß der Pfarrer Thomas Thorak.

Afghanistan befindet sich seit Jahrzehnten in einem kriegsähnlichen Zustand. 2001 wurde dort die Taliban-Regierung gestürzt. Seitdem werden in dem mittelöstlichen Land vor allem Zivilisten immer mehr zum Ziel terroristischer Anschläge. Viele Bürger fliehen deshalb - und einige von ihnen wohnen nun in Wohnungen in Schönebeck. "Diese Wohnungen hat der Landkreis angemietet", berichtet Sieglinde Menzel. Die Vorsitzende der Ortsgruppe Schönebeck des Vereins Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren (Kaleb) betreut die Flüchtlinge seit vielen Jahren.

Zwei der Familien nahm der Verein bereits im Dezember 2013 unter seine Fittiche. Bei Kaleb wird ihnen unter anderem Deutschunterricht angeboten. Sieglinde Menzel stellte den Kontakt zwischen der katholischen Pfarrei und den Asylbewerbern her. Daraufhin lud die Gemeinde sie zu ihrem Zusammentreffen ein.

Es ist nicht das erste Mal, dass die katholische Gemeinde die Familien unterstützt. Bereits zu Weihnachten gab es eine Aktion: Die Mitglieder der Kirche bekamen Zettel mit den Namen und Kleidergrößen der Flüchtlinge. Ganz im Zeichen gelebter Nächstenliebe zogen sie daraufhin los und besorgten passende Anziehsachen für die afghanischen Familien.

Am Sonntag beweist die Gemeinde nun einmal mehr Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.

"Mit diesem Zusammentreffen wollen wir die Willkommenskultur bestärken", erklärt Thorak. "Wir dürfen nicht vergessen, dass einige von uns zu Kriegszeiten auch Flüchtlinge gewesen sind - und denen wurde auch geholfen".

Der Weg zu gelungener Integration ist ein weiter und beschwerlicher. "Wir als kleine Gemeinde können keine großen Sprünge machen", sagt Thomas Thorak, "dafür aber die kleinen, zwischenmenschlichen Schritte."

 

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