Nicht nur älteren Volksstimme-Lesern der Region wird der Name Karl Böhm sicher noch in Erinnerung sein. Seit Beginn der 1960er Jahren erschienen seine Texte jahrzehntelang in der Volksstimme unter dem damals gebräuchlichen Namenskürzel "Vk. Böhm". "Vk" war die Abkürzung für Volkskorrespondent. Seine Texte bringen nun Licht in die jüngere Vergangenheit des Dorfes.

Kleinmühlingen. Karl Böhm berichtete in Wort und Bild vom alltäglichen Leben, aber auch von besonderen Ereignissen auf dem Land für die Tageszeitung.

Das Hobby des heute 83-Jährigen war das Fotografieren. Er hielt unzählige Ereignisse in den Dörfern mit seiner Kamera fest und machte sie einem großen Lesepublikum zugänglich.

"Selbst Reporter der NBI sind damals für ein Interview gekommen"

"Es hat mir wirklich Spaß gemacht", blickt Karl Böhm auf seine Nebentätigkeit zurück. Selbst die in der DDR wöchentlich erscheinende und auflagenstarke Zeitschrift "Neue Berliner Illustrierte" (NBI) zeigte früh Interesse und führte ein Interview mit Karl Böhm.

Das Schreiben lag ihm von Berufswegen. In Kleinmühlingen und Zens unterrichtete er als Grundschullehrer viele Schülergenerationen. Sein Themenspektrum war breit gefächert. Von einer Fortsetzungsreihe über die Kleinmühlinger Kunstradfahrer über die Produktionsbedingungen in der Calbenser Zwiebelhalle bis hin zu Straßenbauarbeiten reichte Karl Böhms Schaffen.

Im Gegensatz zum heutigen Internetzeitalter war es ein beschwerlicherer Weg, den seine Texte zurücklegen mussten, bevor sie in der Zeitung erschienen. "Ich habe sie mit der Schreibmaschine auf Papier und Durchschlagpapier gebracht", erinnert sich Karl Böhm. Ein Exemplar brachte er, manchmal mit dem Fahrrad, persönlich in die Schönebecker Redaktion. Die veröffentlichten Artikel schnitt er aus und hob sie nach Datum sortiert in Mappen auf.

"Für uns ist seine Sammlung eine gute Quelle der Information"

"Ich hätte nicht geglaubt, dass diese Texte jetzt noch einmal von Interesse sein könnten", war Karl Böhm erstaunt, als Anfragen des Kleinmühlinger Kirchbauvereins "Sankt Salvator" an ihn herangetragen wurden.

Seine gesammelten Werke bilden einen Teil des damaligen Lebens in Kleinmühlingen ab. "Für uns ist diese Sammlung eine gute Quelle der Information", sagt Vereinsmitglied Helga Sebon. "Sie erspart langwierige Recherche, denn wer weiß noch genau, wann die Wasserleitung gebaut oder die Hochspannungsmasten in Kleinmühlingen gesetzt wurden?"

Nach dem jüngsten Erscheinen der Chronik des Dorfschullehrers Gustav Berg sind die Mitglieder an einer Fortführung der Dorfchronik interessiert, die das 20. Jahrhundert bis zur Zeit der Wiedervereinigung beleuchtet. "Wir wären dankbar, wenn uns auch weitere Kleinmühlinger Material zur Verfügung stellten oder über ihre Erinnerungen sprechen würden", sagt Helga Sebon.

"Zur Erarbeitung der Chronik treffen wir uns mittwochs in der Kirche"

Die Mitglieder des Kirchbauvereins kommen zur weiteren Arbeit an der Dorfchronik jeden Mittwoch in der Kirche "St. Salvator" zusammen. Gäste sind willkommen.