Wenn "Am Stadtfeld" die Cowboy-Hüte ausgepackt werden, ist Trainingszeit bei den "Country Boots". Seit fünf Jahren tanzt die Schönebecker Formation zu Country- und Popmusik - und beweist, dass die Volkssolidarität nicht nur Senioren unterhalten kann. Jetzt soll eine zweite Gruppe gegründet werden.

Schönebeck. Füße kreuzen, drehen, rechtes Bein in die Luft - ein Laie würde dabei wohl ganz fix mit verknoteten Beinen umkippen. Aber die "Country Boots" stehen immernoch. Das, was sie da machen, sieht sogar richtig lässig aus. Line Dance heißt dieser Stil; dabei wird - wie der Name sagt, in Reihen getanzt. Seit fünf Jahren perfektioniert ihn die Schönebecker Truppe Woche für Woche.

Immer mittwochs bringen die Tänzer Leben in die Begegnungsstätte "Am Stadtfeld". Rauf auf den Kopf mit dem Cowboy-Hut - ein Muss beim Line Dance -, Musik an und los gehts. "Das ist ein toller Sport", schwärmt Angela Herzog von der Volkssolidarität, die die Gruppe ins Leben gerufen hat. "Er trainiert alle Muskeln, fördert die Konzentrations- und die Koordinationsfähigkeit."

Die Idee zu den "Country Boots" kam ihr auf der Suche nach einem neuen Angebot. "Es sollte etwas sein, was auch das mittlere Alter anspricht", erklärt die 49-Jährige. Beim Grübeln schoss damals eine Erinnerung in ihr hoch: Kurz nach der Wende war sie doch mal bei diesem Countryfest im Magdeburger Rothehornpark. "Schon damals hab\' ich mir gesagt: So eine Gruppe müsste man auch gründen", erzählt sie.

Warum nicht bei der Volkssolidarität? In einem Volksstimme-Artikel rief Herzog zum Mitmachen auf. Prompt meldeten sich 30 Interessierte. "Damit hätte ich nie gerechnet", sagt sie rückblickend. Über einen Saloon in Magdeburg - ein Treffpunkt für Line Dance Fans - fand sie einen Tanzlehrer. Besser gesagt einen "Instructor" - so bezeichnet sich Axel Arandt, der die "Country Boots" unter seine Fittiche genommen hat. Denn, so erklärt er, das klingt einfach viel lockerer. "Schließlich geht es nicht darum, Theorie zu pauken."

Im Februar 2006 brachte er der Gruppe ihre ersten Schritte bei. Seitdem trainieren die "Country Boots" einmal pro Woche, je drei Stunden lang. Das Repertoire ist mittlerweile auf eine beträchtliche Summe angewachsen: 180 Tänze beherrscht die Formation. Was das Wichtigste beim Line Dance ist? Arandt bringt es auf den Punkt: "Man muss bis acht zählen können, fleißig üben und - ganz wichtig - immer lächeln!"

16 Tänzer gehören heute zum Team - ein reiner "Weiberhaufen". "Dabei könnten wir so gut Männer im Team gebrauchen", sagt Herzog. "Beim Line Dance gibt es nämlich auch Paartänze." Wenn schon nicht beim Geschlecht, dann sind die "Country Boots" zumindest beim Alter gut durchmischt: Die Jüngste ist 46, die Älteste 70. "Aber den Unterschied", sagt Herzog, "merkt man überhaupt nicht - weder beim Tanzen noch in der Gemeinschaft."

Gemeinschaft - das ist neben der coolen Kopfbedeckung und den schwungvollen Schritten noch etwas, das bei den "Country Boots" auffällt. Wer zum Training der Line Dancer geht, bekommt zur Begrüßung erstmal ein Küsschen auf die Wange gedrückt. Dann geht es zu wie in der Schulpause: Es wird munter drauf los geplaudert und laut gelacht. "Wir kommen extra immer eine halbe Stunde eher", erklärt Angela Herzog. "Es geht eben nicht nur ums Tanzen." Innerhalb der Gruppe haben sich Freundschaften entwickelt. Man fährt zu Country Festivals und feiert zusammen Silvester.

Bei Auftritten stecken die "Country Boots" an. "Oft stellen sich Zuschauer neben uns und versuchen mitzutanzen", erklärt Herzog. Und immer wieder wird die Gruppe angesprochen: "Kann ich bei euch mitmachen?" "Leider geht das nicht so einfach, weil die Tänze aufeinander aufbauen." Aber: "Wir würden gern einen zweiten Kurs anbieten, für Einsteiger."

Lust auf Line Dance bekommen? Anmeldungen nimmt Angela Herzog unter folgender Telefonnummer entgegen: (0 39 28) 6 87 45.