Die Bürgerinitiative Gnadau hatte Vertreter des Ministeriums sowie der umliegenden Städte und Gemeinden zu einer Gesprächsrunde zum Thema Grundwasser eingeladen. Mit Interesse wurden die Aussagen von Dr. Ekkehard Wallbaum vom Umweltministerium erwartet.

Gnadau. "Wir haben keine Kraft mehr", fasste Angela Hinzelmann zusammen, nachdem sie ihre Kellerräume gezeigt hatte. Überall quietscht das Wasser unter den Bodenplatten ihres neu erbauten Hauses im Mühlenweg, schimmeln die Wände. Alle drei Minuten springen die Pumpen an, sonst würde das Wasser hüfthoch steigen.

Ihr Nachbar Volker Zepke zieht die Wathose an, um im Keller nach dem rechten zu sehen. An die Tür schwappt das Wasser bis zu einem Bleistiftstrich. "Wir halten mit den Pumpen den Pegel bis in Schlüssellochhöhe. Würden wir das nicht machen, steigt das Wasser bis 1,30 Meter und in der Elektrohauptverteilung gibt es einen Kurzschluss."

"In 14 Prozent aller Gnadauer Keller steht kein Wasser"

Im Pfarrhaus sieht es ähnlich aus. Im Treppenhaus hängen Fotos, die Kinder in einem Schlauchboot zeigen. Sie paddeln munter durch den Keller. Ein Junge badet sogar im kalten Wasser. Ein harscher Kontrast zum Ungemach, das der hohe Grundwasserstand den Gnadauern aufbürdet. Für 20 000 Euro musste im Pfarrhaus der Heizkessel umverlegt werden, dessen Kredit noch nicht mal getilgt war.

Diese drei Beispiele wurden am Dienstagabend Teilnehmern gezeigt, die zu einem "Grundwasser-Erfahrungsaustausch" zusammen kamen. Darunter Dr. Ekkehard Wallbaum, Referatsleiter Grundwasser im Umweltministerium, Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase, Barbys Bürgermeister Strube, Hydrogeologe Dr. Manfred Sichtig, Landtagsabgeordneter Gunnar Schellenberger und verschiedene Ortsbürgermeister.

"Wir haben das mal ermittelt: In 14 Prozent aller Gnadauer Keller steht kein Wasser", leitete Christian Bartels von der Bürgerinitiative die Gesprächsrunde ein.

In deren Verlauf wurden bekannte Dinge wiederholt: So sprach Oberbürgermeister Haase von einem "altbekannten Bündel von Dingen, die zur jetzigen Situation beitragen" und von "Ungereimtheiten bei Fließgewohnheiten von Gräben, deren Pflege machmal zu wünschen übrig lässt". Die Schönebecker Arbeitsgruppe "Grundwasser" würde jetzt konkrete Maßnahmen abstimmen, die im Frühjahr anlaufen sollen.

Dass deren Arbeit sich nur auf die Stadt Schönebeck begrenzt, begründete Hans-Jürgen Haase mit einem "haushaltsrechtlichen Aspekt".

Moderator Christian Bartels: "Ich sehe vor allem eine Notwendigkeit, dass wir mit Schönebeck eng zusammen arbeiten müssen." Schließlich fließe das Grundwasser aus Richtung Barby und Gnadau auf Schönebeck zu. Was im Umkehrschluss heißt: Wasser, das dort nicht weg kann, staut sich zurück bis Gnadau, Wespen, Barby und Tornitz.

Ekkehard Wallbaum wiederholte sinngemäß, was bereits sein Ministeriumskollege Jürgen Stadelmann Ende Januar in Gnadau gesagt hatte: "Wer jetzt schnelle Lösungen verspricht, sagt nicht die Wahrheit." Stadelmann gestand damals, dass das Land für diese Aufgabe aktuell "so gut wie keine Mittel" zur Verfügung habe, man Bundes- und EU-Mittel beantragen werde. Zudem seien genaue Untersuchungen nötig, damit Maßnahmen nicht in sinnlosem Aktionismus verpufften. Dieser Aussage ließ Wespens Ortsbürgermeisterin Gudrun Tulinski leidenschaftlich werden: "Wenn keine kurzfristige Hilfe möglich ist, gibt es Stellen, die auch langfristig verloren sind." Sie berichtete davon, wie ihre Gemeinde auf eingene Faust einen Graben geöffnet hatte, als Gefahr im Verzug war. "Von mir aus können Sie mich jetzt anzeigen", winkte Tulinski ab. Zudem forderte sie ein Umdenken, da Grund- und Hochwasserschutz politisch unterschiedlich bewertet würden.

"Die Kosten auf breite Schultern verteilen"

"Wir müssen uns über die erforderlichen Maßnahmen einen Überblick verschaffen, und dann werden wir sehen, wie wir sie finanzieren", betonte Ekkehard Wallbaum. Dabei schloss er "Mechanismen" nicht aus, die "Kosten auf breite Schultern zu verteilen". Das könne wie bei der Straßenausbaubeitragssatzung funktionieren, wo die Bürger beteiligt werden.

Holger Goldschmidt, Bauamtsleiter Barby, erinnerte an einen "lange schon vorliegenden Fördermittelantrag beim Amt für Flurneuordnung zu dieser Problematik". Damit machte man schon vor Jahren auf die Wassersitutation aufmerksam. Der Antrag wurde damals abgelehnt.

Auch der Hydrogeologe Dr. Manfred Sichting machte anhand von fachlichen Untersuchungen deutlich, dass es fatal wäre, das Problem nur aus Schönebecker Sicht anzugehen. Zudem erinnerte er an einen Aspekt, der bisher überhaupt noch nicht beleuchtet wurde: Im Grundgesetz, Artikel 14 und Artikel 34, hat der Staat eine sogenannte Gemeinwohlverpflichtung: "Er ist zur Wahrung gesunder und sicherer Wohn- und Arbeitsverhältnisse verpflichtet", zitierte Sichting.

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