Heimlichkeit wird dieser Tage in Ranies groß geschrieben. Der traditionelle und nunmehr 57. Rosenmontagsumzug des Kultur- und Sportvereins steht vor der Tür. Die Vorbereitungen der 20 Bautrupps laufen längst auf Hochtouren. Wie in jedem Jahr wird auch 2011 erst am Veranstaltungstag selbst das Geheimnis gelüftet, zu welchem Thema die einzelnen Faschingswagen gestaltet worden sind.

Ranies. Hämmern, Segen, Tapezieren - in dem rund 300-Seelen-Ort Ranies wird derzeit reichlich handwerkliches Geschick an den Tag gelegt. Doch bewundern kann das dieser Tage noch keiner. Alles geschieht hinter verschlossenen Türen, besser gesagt Toren. Denn der inzwischen 57. Rosenmontagsumzug des Ranieser Kultur- und Sportvereins steht bevor. Und dabei lautet das höchste Gebot auch in diesem Jahr: Nichts wird verraten. Die Themen der einzelnen Faschingswagen werden erst am Veranstaltungstag, am Sonntag, dem 6. März, preisgegeben. Weil die Vorfreude aber auch die schönste ist, hat die Volksstimme einmal Mäuschen gespielt und in vier Ranieser Garagen gespäht.

Wie eine gemütliche Kaffeeklatschrunde wirkt es bei den sechs Damen Karina Frommhagen, Kerstin Lauth, Beate Schüßler, Susanne Schmid, Jana Sieber und Britt Deichmann. Sie legen eine Pause ein, Kuchen, Waffeln, Kaffee und ein gutes Tröpfchen Glühwein hat ihnen ihr "Vermieter" Günter Butz bereitsgestellt. Seit 1986 bilden die Mädels einen Bautrupp. Unterschlupf mit der gern genutzten Vollverpflegung während der Bauzeit finden sie seit einigen Jahren auf dem Butz´schen Hof. Und so kommen die Ladys schnell ins Plaudern. "Wir waren schon Dalmatiner, Zahnfeen und Törtchen", berichten die Frauen. An Ideen hat es ihnen bisher noch nicht gemangelt. "In diesem Jahr", so viel verraten sie, "machen wir etwas zum Thema Hochwasser." Mit dem scherzhaften Hinweis "Meerjungfrauen haben wir hier in Ranies nicht", setzen die Damen ihren Besucher schließlich wieder vor die Tür.

Lange allein bleibt man nicht in dem Schönebecker Ortsteil - da, wo die Welt noch in Ordnung zu sein scheint. Ein paar Häuser weiter ist bereits der nächste Bautrupp zu hören. Hier tüfteln Michael Duschek, Andreas Fischer und Andreas Schüßler gerade noch, wie sie ihr Thema am besten baulich umsetzen. "Zuerst wollten wir so eine Art Bundeswehr-Casting darstellen", verrät Andreas Schüßler. Davon sei die Ulkgruppe, zu der zudem der Fahrer Rüdiger Schulz und die weibliche Unterstützung durch Anett Fischer gehören, wieder abgekommen. Nun soll es etwas ganz anderes werden. Selbstverständlich wird das nicht so offensiv preisgegeben wie die inzwischen verworfene Idee. Lustig soll es aber in jedem Fall werden, versichern die drei Männer einstimmig. Und dass es bei dieser Gruppe, die sich vor sieben Jahren zusammengerauft hat, vorrangig um den Humor geht, bestätigen sie mit ihren ehemaligen Themen: Bundestagskantine, Mobiler Nacktscanner oder die knuffigen Eisbären, die auf der letzten verbliebenen Eisscholle verweilen. Man kann und muss also gespannt sein.

Zu den ganz alten Eisen des Ranieser Rosenmontagsumzuges gehören Uwe Tauchert, Frank Bauer, Ingo Krakau und Bernd Koch. "Wir bilden schon seit Jahrzehnten einen Bautrupp, das ist noch aus der Jugend heraus", erzählt Bernd Koch. So könne man sich auf seine Baukollegen verlassen. "Andererseits", geben die Männer zu, "wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, ein geeignetes Thema zu finden." Schließlich wolle man nicht nur die anderen Bautrupps übertrumpfen, sondern auch die eigenen Ideen aus den Vorjahren. Und da haben die vier Männer, die sich zusätzlich ihren Fahrer Werner Pfanne "leisten", schon gut vorgelegt. Ob der Konjunkturexpress als Rennauto oder der Lauschangriff in Form eines großen Ohrs, die Männerbande will sich selbst immer wieder toppen. "Das, was wir dieses Jahr bauen, hat es ähnlich schon einmal gegeben, aber noch nie in unserer Größe", schüren sie die Neugier des heimlichen Besuchers. Schnell kommt man ins Grübeln. Doch bevor überhaupt weitere Fragen gestellt werden können, wiegeln die Herren ab. "Mehr wird nicht verraten, sonst erraten Sie es noch." Und eine Sekunde später steht man schon wieder vor verschlossenen Türen.

Einzig ein Bautrupp hat in dieser Zeit offenbar Tag der offenen Tür. Melanie Kujath, Franco Lichtenberg, Antje Koch, Pierre Michel Fischer, Michael Tauchert und Fabian Herrler, eine Gruppe, die aus Ü-20- und U-25-Leuten besteht, werkeln gerade an ihrem Wagen herum. Zu erkennen ist noch nichts. Die beiden Mädels Antje und Melanie überprüfen den Reifendruck. Die schlechte Nachricht: Einer der vier Reifen ist definitiv nicht mehr zu gebrauchen. Ein erstes trauriges Stöhnen. Das Lachen vergeht der jungen Truppe trotzdem nicht. Schließlich muss ein richtiger Ranieser ein sonniges Gemüt haben. Da lässt man sich von so etwas nicht unterkriegen. Und als sie sich an ihre einstigen Themen wie das Partyboot, einen Saloon und die Legowelt erinnern, zaubert die Zuversicht ein Lachen zurück in die jungen Gesichter. Vielleicht verwandeln sie ihren Wagen in ein überdimensionales Dreirad.

   

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