Vor einem Malheur ist die Aktionsgruppe Stolpersteine bewahrt worden. Fast hätten sie eine Erinnerungsplatte für einen Mann verlegt, der in Wirklichkeit gar kein Jude gewesen ist. Dank einer aufmerksamen Volksstimme-Leserin ist die Verwechslung rechtzeitig entdeckt worden. Demnach werden am kommenden Mittwoch nur 20 der zuvor geplanten 22 Stolpersteine in Bad Salzelmen verlegt.

Schönebeck. Es hätte alles so schön sein können. Endlich haben die Akteure, die sich für die Verlegung von Stolpersteinen als Erinnerung an einstige jüdische Mitbürger in Schönebeck einsetzten, genügend Geld in ihrem Spendentopf, um die ersten 22 von insgesamt 70 Stolpersteinen zu verlegen. Der Termin steht auch seit geraumer Zeit fest: Am Mittwoch, 16. März, um 13 Uhr wird der renommierte Künstler Gunter Demnig höchstpersönlich in die Elbestadt kommen und die Erinnerungsplatten an ausgewählten Orten in den Boden lassen. Durch eine aufmerksame Volksstimme-Leserin wurde jetzt gerade noch rechtzeitig eine Verwechslung aufgedeckt, die im Nachhinein peinlich gewesen wäre und sicher zusätzliche Kosten verursacht hätte.

"Es ist bitter für uns", sagt Reinhard Banse. Die Enttäuschung klingt deutlich in seinen Worten mit. Grund für die leichte Verstimmung: Es muss in Schönebeck in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei Männer mit dem Namen Hans Salomon gegeben haben. Und die Aktionsgruppe Stolpersteine war in ihren Recherchen - natürlich so wie es das Schicksal offenbar wollte - nur auf den einen gestoßen. Der, der in der Dr.-Tolberg-Straße 12 a gelebt hatte. Aus diesem Grund sollten am kommenden Mittwoch für Hans Salomon und seine Frau zwei Stolpersteine verlegt werden.

Als die Volksstimme kürzlich diesen Termin für die Öffentlichkeit ankündigte, meldete sich tagsdrauf Sigrid Bodenburg aus Bad Salzelmen in der Redaktion. Die aufmerksame Volksstimme-Leserin machte darauf aufmerksam, dass der Hans Salomon aus ihrer Straße ihrer Meinung nach definitiv kein Jude gewesen sei. Ein erschütternder Moment für die Ehrenamtlichen, die sich seit über einem Jahr mit Herzblut für ihr Anliegen engagieren.

"Wir werden beide Namen aus unserer Liste entfernen", stellt jetzt, einige Tage nach der ernüchternden Nachricht, Reinhard Banse klar. "Wir haben uns sofort gekümmert und Nachforschungen angestellt", berichtet Banse weiter. Das Ergebnis: Hans Salomon aus der Dr.-Tolberg-Straße war kein Jude, sondern evangelisch-reformiert. "Über das Archiv Braunschweig haben wir das erfahren", informiert Dr. Hans-Joachim Geffert auf Volksstimme-Nachfrage. Jedoch stellt sich die Frage: Wer war der Hans Salomon, der in der Namensliste am Holocaustdenkmal am Schönebecker Nicolaiplatz versehen ist?

"Man unterliegt leider auch Täuschungen"

"In Schönebeck, in der Salzer Straße, wurde ein Bankhaus von ihm geleitet", weiß Geffert. Jedoch, das haben die jetzt noch tieferen Recherchen ergeben, hatte der Jude Salomon offenbar nicht seinen Wohnsitz in der Elbestadt. Da dieser in Magdeburg ebenfalls ein Kreditinstitut führte, vermutet der Historiker nun, dass dieser in der heutigen Landeshauptstadt gelebt hatte.

"Man unterliegt leider auch Täuschungen", stellt Hans-Joachim Geffert nüchtern fest. Ärgerlich ist es trotzdem für die Akteure. Im Schönebecker Stadtarchiv, beim Durchforsten von Geburts- und Heiratsurkunden sowie anderen Akten, hat er weiterhin herausgefunden, dass der evangelische Salomon in der Elbestadt gestorben und auf dem Gertraudenfriedhof in Bad Salzelmen beerdigt worden ist. "Dort steht noch heute ein Grabstein", berichtet der Historiker. Weiterhin Bestätigung fand er in Unterlagen, die zeigen, dass der Christ Salomon zwei Kinder gehabt hat, die den Holocaust offensichtlich überlebt haben. "Das hat mich stutzig gemacht", gibt Geffert zu. Demnach wären nur die Eltern im KZ gestorben, was eher ungewöhnlich sei.

"Wir haben ganz schön rotiert", umschreibt der Historiker die Recherche aufgrund des Hinweises der Volksstimme-Leserin. Einen falschen Stolperstein wollte die Aktionsgruppe selbstverständlich nicht verlegen. Daher werden am Mittwoch, 16. März, 20 Stolpersteine in Schönebeck verlegt. Inzwischen kann auch Reinhard Banse wieder lächeln. Der erste Schreck ist überwunden. Er freut sich gemeinsam mit seinen Kollegen der Aktionsgruppe Stolpersteine auf Mittwoch. Dann werden nicht nur die ersten Erinnerungsplatten in den Boden in Bad Salzelmen gelassen. Um 19.30 Uhr wird der Künstler Gunter Demnig außerdem einen Vortrag zum Thema "Stolpersteine" halten. Veranstaltungsort ist Beth Shalom, Reitbahnstraße 2 c.