Nach fast 21 Jahren hat Rudolf Pötzsch sein 1989 geschaffenes Thomas-Müntzer-Gemälde wiedergesehen. Mit 24 weiteren Werken des Magdeburger Künstlers eröffnete der Kirchbauverein St. Petri am Sonnabend im Beisein zahlreicher Gäste und Künstlerkollegen die vierte Ausstellung in der Großmühlinger Kirche. Sowohl visuell als auch akustisch war die Vernissage rundum gelungen.

Großmühlingen. Rudolf Pötzsch war sichtlich erfreut, seinen "alten Bekannten", wie er in seiner Ansprache sagte, wiederzusehen. "Frisch wie vor rund 20 Jahren sieht er aus", sagte der Künstler. Gemeint ist sein Monumentalgemälde des revolutionären Theologen Thomas Müntzer, das seit 2007 in der St. Petri-Kirche seinen Platz gefunden hat.

Am 3. Februar 1990 wurde es im Großmühlinger Schloss feierlich enthüllt. Anlass war damals das im Schloss durchgeführte Symposium "Thomas Müntzer heute" im Rahmen des Thomas-Müntzer-Jahres. Dazu hatte die Bezirksleitung des Kulturbundes, Kommission Wissenschaft, nach Großmühlingen eingeladen. In diesem Rahmen wurde das Gemälde der Kulturbundgruppe für ihre Verdienste übergeben.

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Thomas Lütgert hieß auch Ellen Kralisch die Gäste willkommen. "Es ist mir eine besondere Ehre, Sie als Nachfolgerin von Frau Gödeke zum Saisonauftakt zu begrüßen ", sagte die neue Vorsitzende des Kirchbauvereins.

"Alle diese Ausstellungen vereint eins: Sie haben indirekt etwas mit dem Schloss zu tun, in dem einst viele Ausstellungen zu sehen waren. Entweder hatten die Maler bereits dort ausgestellt oder aber kamen auf andere Weise ins Schloss", erklärte Gerald Gödeke, der die Ausstellung mit seiner Frau initiierte. Er zeichnete den Weg nach, den das Bild nach dem Verkauf des Schlosses genommen hatte. Über viele Jahre hing es in der Aula der Großmühlinger Schule. Er sprach sowohl über den Inhalt des Bildes mit seinen vielen christlichen Symbolen als auch über die Ausstellung mit Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken. Nach seinen Ausführungen bat er den Magdeburger Künstler selbst ans Mikrofon.

"Für mich ist es eine Premiere, in einer Kirche sprechen zu können", leitete Pötzsch ein. Er erinnerte an den Anruf der damaligen Kirchbauvereinsvorsitzenden Gabriele Gödeke im November vergangenen Jahres. Erst zu diesem Zeitpunkt sei ihm klar geworden, wo sein Werk nach dem Verkauf des Großmühlinger Schlosses verblieben ist. Das Bild habe seine künstlerische Botschaft beibehalten. "Thomas Müntzer stellte sich auf die Seite von Unterdrückten. Ihm ging es um Gerechtigkeit. Ein Thema, das damals wie heute seine Berechtigung hat", sagte Pötzsch.

Zwischen den Redebeiträgen sorgte die Gruppe "Febbraio" aus Barby mit ihrem Gesang für Gänsehaut. Das Spektrum reichte von Opernarien bis zu bekannten populären Hits wie "Monday Monday". Im Anschluss kam es bei der Besichtigung der Ausstellung zu vielen Gesprächen mit dem Künstler und der gut 100 Besucher untereinander. Malerkollegen wie Hans Both aus Calbe, Günter Zenker aus Barby, Klaus Dieter Schmidt aus Eggersdorf, die bereits in der Kirche ausgestellt hatten, waren ebenso darunter wie die Keramikerin Bärbel Feldbach aus Zens sowie auch Schüler von Pötzschs Malzirkel aus Magdeburg. Zu sehen sind in der Ausstellung unter anderem Aquarelle einer Israelreise, Bleistiftzeichnungen von Portraits seiner drei Enkel, ein Entwurf zum Müntzerbild und weitere von höchster Präzision gekennzeichnete Grafiken.

Die Ausstellung ist zu sehen während Gottesdiensten und Veranstaltungen oder nach telefonischer Absprache unter (039297)20429 (Gödeke) oder (039297)20305 (Lütgert).

 

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