Bei Schönebecks zweiter "Wasser-Baustelle" neben Dräng- und Grundwasser, den durchnässten Kellern in der Dr.-Tolberg-Straße, gibt es neue Entwicklungen. Das vom Kommunalen Schadensausgleich (KSA) in Auftrag gegebene Gutachten ist da und macht den Betroffenen wenig Hoffnung auf Entschädigung. Die Anwohner sind enttäuscht, wollen mit dem Oberbürgermeister reden. Das Rathaus kündigt ein Gespräch für die kommende Woche an. Allerdings intern.

Schönebeck. Heike Lorenz aus der Dr.-Tolberg-Straße ist enttäuscht. Das lang erwartete Gutachten des KSA war ein Lichblick für die Schönebeckerin und drei ihrer Nachbarn. In ihrem über 200 Jahre alten Haus steht seit Kanalarbeiten Wasser im Keller. Hilfe von der Stadt gab es bisher mit Verweis auf Zuständigkeiten nicht. Denn die Arbeiten im Untergrund wurden 2008/2009 im Auftrag der Abwasserentsorgung Schönebeck GmbH (AbS) durchgeführt. Doch die Hoffnungen der Anwohner auf eine mögliche Entschädigung für die entstandenen Schäden an den Häusern wurden durch das Ergebnis des Gutachtens geschmälert. Die im KSA beauftragten Untersuchungen haben ihr Ende gefunden. Das ernüchternde Fazit für die Tolberg-Leute: "Eine Haftung des Versicherungsnehmers (das ist die AbS, Anm. d. Redaktion) ist nicht eindeutig zu erkennen." Ein Aufschließen von Grundwasser infolge der von der AbS veranlassten Baumaßnahme erscheine als unwahrscheinlich, heißt es weiter. "Inwieweit die alte Kanalleitung mit ihren Unzulänglichkeiten unfreiwillig als Vorfluter gedient hat und somit eine Entwässerung für die betroffenen Grundstücke erzielte, ist nicht nachweisbar", stellt das Gutachten klar. "Wir sind keinen Schritt weiter", muss Heike Lorenz resigniert feststellen.

Allerdings hegt sie auch Zweifel. Allein der Briefkopf des Gutachtens sorgt für Ärger bei der Schönebeckerin. Als Gutachter ist ein Düsseldorfer Diplom-Bauingenieur und Diplom-Kaufmann benannt, der von der Industrie- und Handelskammer der rheinischen Stadt als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Brand- , Explosions-, Sturm- und Leitungswasserschäden an Gebäuden benannt ist. "Alles", so Heike Lorenz, "trifft in der Tolberg-Straße nicht zu." Hier sei nämlich offensichtlich, dass bei den Tiefenarbeiten ein Grundwasseranschnitt erfolgte.

Darüber hinaus hat Heike Lorenz ihrer Ansicht nach gravierende Fehler oder Falschdarstellungen im Untersuchungsbericht gefunden. "Kein gutes Zeichen für die Gründlichkeit des Gutachters." So ist zum Beispiel von der Stadt "Schöneberg" die Rede. Ein Schnitzer. Gravierender sind Behauptungen, Lorenz Haus würde an der tiefsten Stelle liegen. Die ist aber am neuen Parkplatz nahe der ehemaligen Schule. Das Gutachten sagt auch, dass Niederschlagswasser eingedrungen sein könnte. Heike Lorenz behauptet, die Keller seien alle abgeschottet. Auch hätte man nie detaillierte Forderungen gestellt, will das Papier wissen. Dass aber Heike Lorenz und Nachbarn ständig am Rathaus klopften, ging sogar in den Medien hoch und runter. Das Gutachten sagt zudem, dass die Häuser über Tauchpumpen verfügen. "Logisch, die haben wir uns nach dem Wassereinbruch angeschafft."

"Wir wollen eine Lösung. Außergerichtlich und nachhaltig"

Schließlich will der Prüfer festgestellt haben, dass kein Grundwassernachfluss zu bemerken war, nachdem die Baugrube einmal total vollgelaufen gewesen ist. "Die Grube wurde mit Kies und Sand verfüllt. Damit war kein Wasser mehr zu sehen." Heike Lorenz weist vehement darauf hin, dass das Wasser in den Kellern der Häuser sulfathaltiges Tiefengrundwasser sei. Die Keller zuzuschütten bringe nichts, denn das Nass ziehe durch Bodenplatten und Wände, verursache vielfältige Schäden. Und das Wasser steht nach wie vor in den Kellern der vier Tolberg-Straßen-Bewohner, auch wenn die vergangenen Tage sehr warm waren, könne von Entspannung keine Rede sein, so die Schönebeckerin.

Vom KSA gibt es für Unbeteiligte keine Auskunft, so die Antwort auf die Presseanfrage. Die Stadt hält sich nach dem Gutachten-Erscheinen auch zurück. Fragen bleiben offen, obwohl selbst das Rauthaus 2010 auch ein eigenes Gutachten beauftragte. "Wir wollen eine Lösung. Außergerichtlich und nachhaltig", sagt Heike Lorenz. Sie hat einen Brief an Ministerpräsident Reiner Haseloff geschickt und hofft endlich auf ein Gespräch mit OB Hans-Jürgen Haase.

Dessen Pressestelle ließ am Donnerstag auf Nachfrage der Volksstimme mitteilen, dass Hans-Jürgen Haase und seine Stellvertreterin Gisela Schröder, in ihrer Funktion auch AbS-Geschäftsführerin, sich am Montag mit Heike Lorenz zu einem internen Gespräch treffen wollen.

Offen lässt der OB allerdings die Fragen der Volksstimme-Redaktion, wie er mit dem Wasserschaden an der Tolberg-Straße, dem Eigentum der Kommune, umgehen will. Die Stadt will in der kommenden Woche in einer Pressemitteilung über den aktuellen Stand der Dinge informieren.