Die Volksstimme hat den vier Ortsbürgermeistern der Stadt Hecklingen drei Fragen gestellt. Anlass ist das zehnjährige Bestehen der Einheitsgemeinde am 27. Februar. Heute lesen Sie, was Cochstedts Ortsbürgermeister Wolfgang Weißbart, denkt.

Volksstimme: Wie bewerten Sie die Gründung der Einheitsgemeinde aus heutiger Sicht?

Wolfgang Weißbart: Ich persönlich bin und war immer der Meinung, Cochstedt hat bei Hecklingen nichts zu suchen. Vor zehn Jahren nicht und heute erst recht nicht. Ich stehe mit dieser Meinung nicht allein. Ich bin mir sicher, die Mehrheit der Cochstedter Herzen schlägt nicht für Hecklingen. Das war vor fünf Jahren schon so und hat sich bis heute eher noch verstärkt. Auch der Ortschaftsrat war vor fünf Jahren schon zu dieser Einschätzung gekommen.

Ich bin mir sicher, die Mehrheit der Cochstedter Herzen schlägt nicht für Hecklingen.

Volksstimme: Was hat die Bildung der Einheitsgemeinde den Orten gebracht?

Wolfgang Weißbart: Wenn wir uns an den Ist-Stand von vor 10 Jahren erinnern, so hat sich in Cochstedt bei der Verbesserung der Infrastruktur nicht viel getan. Die Leuchttürme der letzten vier Jahre, Erneuerung der Böklingerstraße, Neugestaltung des Goetheplatzes, der Breitbandausbau oder die Befestigung des Fußweges Lindenstraße zur Friedensstraße ändern an dieser Aussage auch nichts. Nach meiner Kenntnis klappt bisher nur bei den Feuerwehren eine gute Zusammenarbeit. Selbst die jährlich durchgeführten Familiensportfeste in den einzelnen Ortsteile konnten einem nicht das Gefühl des Zusammenwachsens der Ortsteile vermitteln. Ein vorgesehener Bau eines Radweges zwischen Cochstedt und Schneidlingen wurde als wichtig und richtig anerkannt. Seit zehn Jahren befindet sich dieser Radweg in der Diskussion. Es gibt noch nicht einmal eine festgelegte Streckenführung, die sich als machbar herausgestellt hat. Bei der Bildung der Einheitsgemeinde wurden den Ortsteilen nur allgemeine Zusagen gegeben in der Hoffnung, dass man sie wenigstens ein paar Jahre halten kann. (Beispiel Schulstandorte, Jugend- und Vereinsarbeit) Die "Mütter und Väter" der Einheitsgemeinde hatten sicher nur die besten Absichten bei der Bildung im Sinn. Wie die bisherigen Erfahrungen und die Praxis gezeigt haben, kann es im Leben auch anders kommen und es ist anders gekommen. Der "Pleitegeier" schwebt ständig über der Stadt Hecklingen, die Stadt befindet sich permanent in der vorläufigen Haushaltsführung, ist jedes Jahr auf Zuweisungen vom Land angewiesen, die wiederum mit harten Auflagen verbunden sind und vom Stadtrat umgesetzt werden müssen.

Der ¿Pleitegeier\' schwebt ständig über Stadt. ... Ohne Entschuldung vom Land in Millionenhöhe gibt es keinen Befreiungsschlag.

Ich kann mir gut vorstellen, diese ständige Situation macht auch den Mitarbeitern in der Verwaltung keinen Spaß mehr. Es wurde schon mehrfach festgestellt, Hecklingen drückt eine zu große Schuldenlast aus der Vergangenheit. Ohne Entschuldung vom Land in Millionenhöhe gibt es keinen Befreiungsschlag. Das gesellschaftliche, sportliche und kulturelle Leben in den Ortsteilen hängt nun einmal auch von den finanziellen Zuschüssen der Stadt ab. Für diese sogenannten freiwilligen Aufgaben ist aber auf Grund der hohen Schuldenlast kein Geld mehr da, die Zuschüsse wurden Jahr für Jahr weniger. In Cochstedt muss noch viel saniert und gebaut werden. Die Mehrzahl der Straßen und Gehwege, soweit vorhanden, ist immer noch in einem schlechten Zustand. Eine Verbesserung der Situation ist dringend geboten, aber nur mit viel Geld kann hier Abhilfe geschaffen werden. Geld für Investitionen ist aber eine Mangelware in Hecklingen.

Volksstimme: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Stadt?

Wolfgang Weißbart: Ich bleibe dabei. Die Stadt Hecklingen in der jetzigen Form hat keine Zukunft. Die Flickschusterei wird weiter gehen. Es fehlt der Mut, sich der Situation zu stellen und die Stadt wieder zu teilen. Die Frage bleibt aber. Wohin soll Cochstedt gehen? Egal in welche Richtung man schaut, wir liegen immer weit weg vom Schuss.