Der Mieterverein Staßfurt und Umgebung hat sich im vergangenen Jahr stabilisiert und steht finanziell gut da. Das schätzte der Vorsitzende, Professor Peter Kaufmann, in der jüngsten Mitgliederversammlung ein.

Staßfurt l Wie wichtig dieser Verein als Interessenvertreter für die Mieter der Stadt und der Umgebung ist, unterstreicht auch die Zahl von 350 persönlichen Beratungen, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurden. Damit nimmt jedes Mitglied faktisch zweimal im Jahr eine solche Dienstleistung in Anspruch.

Die dabei zur Sprache gekommenen Themenschwerpunkte hätten sich im Vergleich zu 2012 kaum verändert. Der Vorsitzende nannte im "Landhaus" in Staßfurt an erster Stelle die Betriebs- und Heizkostenabrechnungen mit einem Anteil von 45 Prozent, Mietmängel und -minderungen, Kündigungen und Wohnungswechsel, Kautionsfragen und Probleme mit der Höhe der Miete. Aber auch Vermieterinsolvenzen, Zwangsverwaltungen und die Versteigerung von Wohnhäusern bestimmten nicht selten die Beratungstätigkeit.

Kaufmann: "Die Betriebs- und Heizkostenabrechnungen werden immer undurchschaubarer für die Mieter, was aber nicht heißen muss, dass sie fehlerhaft sind. Viele neue Eigentümer und die Zwangsverwaltungen bringen auch eine Vielzahl von Abrechnungssystemen zum Vorschein, was von den Beratern ständige Qualifizierung erfordert. Nicht zuletzt ändert sich die Rechtssprechung."

"Die dem Mieterverein Staßfurt vorgelegten Nebenkostenabrechnungen waren bis zu 50 Prozent fehlerhaft", schätzte der Vorsitzende ein und fügte hinzu: "Es gibt immer wieder Versuche, Reparaturen, Verwaltungskosten und unberechtigte Mietforderungen einfach in diesen Abrechnungen zu verstecken. Eine Praxis, der sich der Mieterverein erfolgreich entgegenstellte, wobei vielen Mitgliedern Geld erspart blieb. Die durch Einwendungen des Mietervereins gewonnen Geldbeträge lagen pro Mietverhältnis zwischen 10 und 500 Euro und noch mehr."

Der Dachverband des Deutschen Mieterbundes erarbeitet seit einigen Jahren Betriebs- und Heizkostenspiegel auf Bundes- und Landesebene. Da gehen auch alle vorliegenden Abrechnungen aus Staßfurt ein. Diese Spiegel, die der Ascherslebener und der Bernburger Verein für ihre Mitglieder selbst anfertigen, dienen den Beratern als Hilfsmaterial.

"Die vorläufige Bernburger Auswertung der Nebenkostenabrechnungen für 2012 ergab wieder eine leichte Steigerung. Die Nebenkosten erreichen im Bernburger Vereinsgebiet durchschnittlich 2,85 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat, wenn in einer Wohnung alle Positionen anfallen. Davon betragen die Kosten für Heizung und Warmwasser 1,45 pro Quadratmeter und Monat. Das sind Zahlen, die wir auch für die Staßfurter Wohnungen ansetzen können und die oft zu beträchtlichen Nachzahlungen führen", sagte Kaufmann.

Aus seiner Sicht sei auch 2013 einmal mehr deutlich geworden, dass die Beratungstätigkeit des Mietervereins mehr denn je gebraucht werde. "Mieter sollten deshalb Mitglied in unserem Verein sein", warb Kaufmann. Zudem empfahl er den Betroffenen, jedes Schreiben vom Vermieter durch den Mieterverein prüfen zu lassen. "Einer Betriebs- und Heizkostenabrechnung sollte ohne Kontrolle durch uns nicht zugestimmt werden, auch wenn sich ein Guthaben ergibt", so der Vereinschef. Wie er in seinem Rechenschaftsbericht weiter mitteilte, mussten 2013 über 200 Briefe an Vermieter, Verwalter oder Rechtsanwälte verfasst werden. Den Rechtsberatern des Vereins seien dafür im vergangenen Jahr keine Honorare gezahlt worden.

"Betroffene Mitglieder zahlen für diese Leistungen eine vierteljährliche Schreibgebühr von zehn Euro, die aber niemals den ehrenamtlichen Aufwand der Vorstandsmitglieder deckt. Allein für die Prüfung einer Nebenkostenabrechnung benötigt man schnell Mal 60 Minuten und mehr", sagte Kaufmann.

"Wer Streit nicht sucht, sondern auf Konfliktlösung setzt, wie unser Verein, der benötigt auch eine sachdienliche, den Interessen der Mitglieder entsprechende Zusammenarbeit mit den Vermietern und hier vor allem auch mit dem Vermieterverein Haus Grund Staßfurt." So könne man zu gütlichen Einigungen kommen und nach Möglichkeit Gerichtsverfahren vermeiden. "Im Berichtszeitraum wurde lediglich ein Mitglied von seinem Vermieter verklagt. Ein Ergebnis gibt es noch nicht", so der Vorsitzende.

Auf die Mitgliederentwicklung eingehend, berichtete er, dass das Jahr 2012 mit 313 Mitgliedern geendet habe. Durch viele Austritte und nach einer Karteibereinigung habe sich diese Zahl vor allem bis Mai 2013 um zirka 60 Mitglieder reduziert. Nach Kündigungen, vor allem nach Eigentumserwerb und Wechsel in Pflegeheime stabilisierte sich die Zahl in der zweiten Jahreshälfte auf 210. Am 31. Dezember 2013 waren es 212. Als positiv gewertet wurde, dass im Jahr 2013 insgesamt 31 Neueintritte zu vermelden waren. "In den ersten Wochen des neuen Jahres setzte sich dieser erfreuliche Trend fort", sagte Kaufmann.

"Die Vereinsfinanzen", so fügte er an, "hat der Vorstand sparsam eingesetzt." Ende 2013 konnte er auf einen Überschuss von 1807 Euro verweisen.

Der Vorstand hatte aber auch gespürt, dass die Vereinsgröße aus verschiedener Sicht uneffektiv sei. "Wir sehen in einer stärkeren Zusammenarbeit mit anderen Vereinen deutliches Effektivitätspotential", sagte der Vorsitzende. Der daraufhin vorgeschlagenen Satzungsänderung stimmte die Mitgliederversammlung zu. Sie ermöglicht nun eine Kooperation oder sogar eine Fusion mit einem anderen Verein.

Darüber hinaus wurde der Vorstand für die Geschäftsjahre 2012 und 2013 von den Mitgliedern entlastet und der Mitgliedsbeitrag in Höhe von 43 Euro pro Jahr plus 23 Euro für eine Rechtsschutzversicherung bestätigt.