Hecklingen/Brandenburg l Seit knapp einer Woche ist der junge Hecklinger Matthias Hätsch aus seinem Kurzurlaub wieder in der Heimat. Über Pfingsten wollte sich der Dauercamper entspannte Tage auf seinem Stammzeltplatz "Malge" bei Brandenburg gönnen. Daran, dass er am Ende auf einem Foto in der dort erscheinenden Tageszeitung abgelichtet wird, hätte er zuvor nicht im Traum gedacht.

Der Hecklinger berichtet vom Anlass. Er erinnert sich an das Ereignis und erzählt, dass er mit dem Fahrrad in der Nähe des Zeltplatzes am dort gelegenen Fluss Plane unterwegs war. Matthias Hätsch denkt zurück, dass ihm eine Rentnerin schon beim Fahren auffiel. Der Campinggast kennt die Frau, die wegen einer Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen ist und in der Nähe der Unglücksstelle wohnt. Denn fast jeden Tag ist sie mit ihrem großen Hund unterwegs in der Gegend.

Das Tier hatte sie an diesem Tag an ihren Rollstuhl geleint, erzählt der junge Mann. Kurze Zeit später dann lautes Gebell und Platschen. "Die Frau rief um Hilfe." Intuitiv eilte der Camper zum nahegelegenen Ufer der Plane, von wo aus die Schreie kamen.

Mit Rollstuhl und Hund in die Plane gestürzt

Was war geschehen? Irgend etwas muss den Hund aufgeschreckt haben, jedenfalls lief er den Abhang hinab zur Plane. Dabei riss er den Rollstuhl mit. Samt Rentnerin und Hund landete er im Wasser. Wegen ihrer schweren Krankheit konnte sich die Frau nicht selbst befreien. Sie lag, eingeklemmt im Rollstuhl, mit dem Gesicht im Wasser und drohte zu ertrinken.

Die Hundeleine hatte sich um den Rollstuhl gewickelt, so dass auch das Tier sich nicht befreien konnte. Doch der große Kerl bellte was das Zeug hielt. Und dieses Bellen hörte zum Glück Matthias Hätsch, der nun mit dem Fahrrad auf der Planebrücke stand und zurück zu seinem Campingplatz an der Malge wollte. Ohne zu zögern lief er knietief ins Wasser, packte sich die Frau und zog ihren Kopf aus dem Wasser.

In dem Moment schaute Thorsten Blanke, aufgeschreckt durch das Hundegebell und das dumpfe Platschgeräusch, über den Campingplatzzaun und begriff sofort was los war. "Matze ich komme", schrie er, stürzte sich aufs Fahrrad, zog die Schuhe aus und stand flugs mit in der schlammigen Plane. Seine Frau Ines eilte nach, gemeinsam zogen die drei die heftig hustende Rentnerin ans Ufer. Ines Blanke verständigte sofort die Rettung und dann auch den Mann des Opfers.

Der Rettungshubschrauber kam und brachte die Rollstuhlfahrerin ins Städtische Klinikum. Inzwischen hatte Thorsten Blanke auch den Hund vom Rollstuhl losgewickelt und ans rettende Ufer gebracht. Auch er überstand die Strapazen.

Wie die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) berichtet, ging es der Frau, die Mitte 60 ist, schon einen Tag nach dem Unglück deutlich besser. Danach habe sie von der Intensiv- auf eine normale Innere Krankenstation verlegt werden können "Die Patientin ist ihren Rettern sehr dankbar", sagte Oberarzt Stefan Hiller der MAZ. Alle beteiligten Ärzte lobten die schnelle und umsichtige Hilfe der Retter. "Ich finde es stark, dass die Leute geholfen und nicht weggeguckt haben", so der Internist. Für den Hecklinger Matthias Hätsch ist das eine Selbstverständlichkeit.

Wie ist das, plötzlich Lebensretter zu sein? Darauf angesprochen, antwortet er: "Das kann ich gar nicht sagen. Darüber denkt man auch nicht nach, das macht man einfach."

Und wie ging es dem Hecklinger danach? Konnte er schlafen? "Ich konnte schlafen. Sonderlich aufgeregt war ich danach nicht. Wir drei konnten helfen und damit ist es auch gut."