Die Bürgerarbeit in der Egelner Mulde läuft in den kommenden Wochen und Monaten aus. Dabei lohnte es sich, die Projekte fortzusetzen. Denn untätig waren die Bürgerarbeiter zwischen Unseburg und Westeregeln nicht.

EgelnerMulde l Wer einen Beweis für die Ergebnisse der Bürgerarbeit in der Egelner Mulde sucht, muss sich nur mit offenen Augen umsehen. Das Bundesprojekt Bürgerarbeit hat in der Egelner Mulde nicht nur zu mehr Beschäftigung geführt. Es hat der Verbandsgemeinde die Möglichkeit gegeben, Projekte zu verwirklichen, für die sonst kein Geld vorhanden ist.

92 Frauen und Männer aus der Egelner Mulde sind seit Juli 2011 in öffentlichen Projekten tätig. Die Vielfalt der Projekte ist dabei groß. In Wolmirsleben sägen, hobeln und schrauben die Bürgerarbeiter seit Jahren an Spielgeräten für die öffentlichen Spielplätze. Spieltürme haben die Bürgerarbeiter hier entworfen und gebaut. Überall sind die Spieltürme auf den Spielplätzen in der Egelner Mulde zum beliebten Objekt der Kinder geworden. In Westeregeln sind Uwe Kohnert und René Wokon in dieser Woche damit beschäftigt gewesen, die Fundamente für einen neuen Spielturm herzustellen.

Auf dem großen Spielplatz inmitten Westeregelns haben sie das Gerüst für den Turm bereits aufgebaut. Auf Stützen steht der Turm, um die Fundamente passgenau gießen zu können. Der Turm soll den 1941 anlässlich der geplanten 1000-Jahrfeier der Gemeinde angelegten Platz noch verbessern.

Auf der Egelner Wasserburg läuft die Bürgerarbeit Ende des Monats zuerst aus. Die anderen Projekte folgen dann im Abstand einiger Wochen. Auf der Wasserburg haben sich die Bürgerarbeiter vielfältig beschäftigt. Inhaltlich ging es um neue Spiele und Beschäftigungsmöglichkeiten für Besucher. Baulich ist eine neue Bühne entstanden. Sie soll die Möglichkeiten der Wasserburg noch erweitern, sagt Hauptamtsleiterin Dagmar Witzke. Am Wassergraben hat Christine Kneisel den Kräutergarten wiederbelebt. Auf rund 100 Arten kommt sie zusammen mit den Wildkräutern in der Region.

In den vergangenen Jahren ist sie zu einem wandelnden Lexikon geworden. Schon vor der Bürgerarbeit hat sie sich für die Nutzung der verschiedenen Pflanzen interessiert. Aus ihrem Hobby ist durch die Bürgerarbeit eine Beschäftigung geworden. Wenn die Bürgerarbeit in einigen Tagen für sie endet, geht sie in den Ruhestand. Als Kräuterfee wolle sie aber auch danach noch ehrenamtlich tätig werden, hat sie schon versprochen.

Doch wer sich dann um den Kräutergarten kümmert, ist noch offen. Offen ist ebenfalls, wie es im wenige Kilometer entfernten Unseburg weitergeht. In den vergangenen Jahren gruben sich hier Olaf Eichstädt und Frank Mertke durch den Untergrund. In einem Überrest der einst Unseburg beherrschenden Burg entfernten sie unter fachkundiger Anleitung von Anja Kolditz die Erde. Mühevoll wurde der Aushub unter Anleitung der ehrenamtlichen Beauftragten für Denkmalschutz gesiebt, um Fragmente aus den vorherigen Jahrhunderten zu finden.

Die Burg war im Mittelalter praktisch uneinnehmbar. Umgeben von Wasser verschanzten sich hier Raubritter. Sie betrieben das Raubrittergeschäft aber offenbar zu intensiv. Denn 1218 schickte der Erzbischof Albrecht von Magdeburg Soldaten, um die Burg zu zerstören. Seit nahezu 800 Jahren liegen die Reste der Burg unter einer ständig wachsenden Erdschicht begraben. Es war ein Projekt der Bürgerarbeit, die Fragmente eines der Burgtürme wieder auszugraben. Der Boden am Ortsrand von Unseburg dürfte aber noch viel mehr Geschichte verbergen. Auf jedem Quadratmeter warten vielleicht Fragmente aus vorigen Jahrhunderten, meint Anja Kolditz.

Den ehemaligen Burggraben haben sie wieder sichtbar gemacht. Noch nicht einmal richtig vermessen ist das gesamte Gelände. "Wir hätten hier noch für Jahre Arbeit", ist Anja Kolditz überzeugt. Die gelernte Grabungstechnikerin will sich auch weiterhin darum bemühen, dass die Geschichtsforschung an der Burg nicht abrupt endet. Im Boden vermutet sie noch zahlreiche Fragmente aus der Vergangenheit. Vielleicht finden sich auch noch Zeugnisse früherer Besiedlungen. Schließlich gibt es Belege, dass die Region bereits vor 8000 Jahren von Menschen bewohnt war.

Doch nun endet die Bürgerarbeit erst einmal. Anschlussprojekte sind ungewiss. Dabei sei die Bürgerarbeit für die Region und die Orte sehr positiv gewesen, unterstreicht Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr. Er würde sich schon ein Anschlussprojekt wünschen. Offen sei bislang auch, wie angefangene Projekte fortgesetzt werden können, sagte er.

 

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