Unseburg l Als es die Raubritter zu bunt trieben, musste Magdeburgs Herrscher reagieren. Er schickte Soldaten, um die Burg im heutigen Unseburg dem Erdboden gleich zu machen. Das war im Jahr 1218. Erzbischof Albrecht von Magdeburg schaffte sich so die lästigen Raubritter in der Nachbarschaft vom Hals.

Knapp 800 Jahre später sprechen die Unseburger noch immer von der Burg, wenn sie die sanften Hügel am Ortsrand meinen. Hier hat sich unter der Erde in den vergangenen Jahrhunderten viel von der einstigen Burg erhalten.

Im einen Projekt der Bürgerarbeit legten Mitarbeiter den unteren Teil eines ehemaligen Turms der Burg frei. Einige Meter gruben sich die Männer in die Tiefe. Ohne die Sorgfalt der Denkmalschützer wäre es sicherlich schneller gegangen. Die Fachleute bestanden aber darauf, den Erdaushub aufwändig zu sieben. Anja Kolditz, gelernte Grabungstechnikerin und ehrenamtliche Beauftragte für den Denkmalschutz, vermutet noch viel mehr im Boden. "Wir haben noch nicht einmal die Fundamente freigelegt", sagt sie. Die Aufarbeitung der Unseburger Burg steht noch ganz am Anfang. Noch nicht einmal vermessen konnte sie das Burggelände, weil es sich auch über Privatgelände erstreckt. Die Unseburger wollten den Vermessungstrupp nicht auf ihre Grundstücke lassen, schildert sie. Offenbar befürchten sie weitere Ausgrabungen.

Anhand von weiteren Grabungen ließe sich aber zweifelsfrei noch mehr über die Bedeutung der Burg in Erfahrung bringen, ist Anja Kolditz überzeugt. Auch die Größe des Burggeländes sei wichtig zu ermitteln. Denn sie kann Aufschluss darüber geben, wie viele Menschen einst hinter den Mauern lebten.

Und vielleicht finden sich auch noch Zeichen, wie es die Soldaten des Magdeburger Erzbischofs anstellten, die Burg zu zerstören. Ganz so einfach kann dies nicht gewesen sein. Denn ein breiter Wassergraben bildete im 13. Jahrhundert ein ernst zu nehmendes Hindernis. Die Reichweite der verfügbaren Waffen war zu der Zeit ebenfalls begrenzt. Auf den ersten Blick klingt es jedenfalls zu simpel, dass die Raubritter so schnell ihr Heim verloren.

Weitere Forschungen würden helfen, etwas mehr Licht in das Dunkel zu bringen, meint Anja Kolditz. Bei der kürzlichen 1075-Jahrfeier in Unseburg hat sie erlebt, dass die Bürger das Thema fasziniert. Sehr viele Besucher hätten sich an dem Festwochenende für die Burg interessiert. Welche Bedeutung die Burg einst hatte, lässt sich aber nur durch weitere Forschungen ermitteln. Um die Bürger mehr auf die wechselvolle Geschichte der Region aufmerksam zu machen, könnte die Verbandsgemeinde einen Geschichtspfad anlegen, schlug sie vor. Mit dem Fahrrad könnten die Bürger dann die Historie umweltfreundlich erkunden.