Ein Gebüsch nimmt einem Unseburger die Sicht auf die Straße an seiner Ausfahrt. Doch bislang reagiert die Verbandsgemeinde nicht auf die Bitten des Anwohners, das Wachstum der Pflanze zu begrenzen.

Unseburg l Seit 38 Jahren hat Rüdiger Rodenbeck nun schon seinen Führerschein. Die jahrzehntelange Erfahrung nutzt dem Unseburger zurzeit nicht viel, wenn er sein Grundstück in der Breiten Straße verlassen will. Direkt links neben dem Straßenzugang ist in den vergangenen Jahren ein prächtiger Busch gewachsen. Die Lebensbedingungen für das rotblättrige Gesträuch sind so gut, dass sich die Pflanze sehr gut entwickelte, zeigt Rüdiger Rodenbeck.

So sehr sich der Unseburger über den Bewuchs an der Ortsdurchfahrt freut, so sehr stört ihn der Strauch, wenn er auf die Straße fahren will. Denn die Pflanze nimmt ihm die Sicht. Vor einigen Wochen hatte er Besuch, schildert er. Als die Gäste mit dem Auto abfuhren, wäre es fast zum Unfall gekommen. Nach der Beinahe-Kollision schaltete er die Verwaltung der Verbandsgemeinde ein. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung besuchte ihn auch vor Kurzem. Nur habe sie sich dagegen ausgesprochen, den Busch zu versetzen oder zu entfernen. "Ich bin fassungslos", sagt Rüdiger Rodenbeck. "Was ist denn hier wichtiger? Die Pflanzen oder die Menschen", fragt er. Es könne doch nicht sein, dass die Verbandsgemeinde nicht reagiere. Außerdem befinden sich hinter dem rotblättrigen Strauch auch noch öffentliche Parkplätze. Sind hier Fahrzeuge geparkt, sei von der Straße kaum noch etwas zu sehen, weiß Rüdiger Rodenbeck. Er kann nicht verstehen, wie bei einer Begrünung der Straße neben einer Ausfahrt ein Strauch gepflanzt werden kann. "Das hätte der Planer doch erkennen müssen, dass das nicht geht", wundert er sich.

Gestern hat die Verbandsgemeinde reagiert, bestätigt Hauptamtsleiterin Dagmar Witzke auf Nachfrage der Volksstimme. Der Gemeindearbeiter der Gemeinde Bördeaue habe sich des Gewächses angenommen und die unteren Triebe entfernt, sagte sie. Damit sollen die Autofahrer nun wieder freie Sicht auf die Straße haben. Der Gemeindearbeiter habe früher nicht reagieren können, weil er nicht einsatzfähig gewesen sei, meinte sie weiter.

Das Ordnungsamt habe sich den Schnitt an der Pflanze noch einmal angesehen und die Aktion für beendet erklärt, schilderte die Amtsleiterin.

Im Zuge des Straßenneubaus wurde die Pflanze einst als begleitendes Grün gepflanzt. Am Anfang war der rotblättrige Strauch noch klein und unscheinbar. Doch mit den Jahren entwickelte sich das Gewächs offenbar etwas besser, als der damalige Straßenplaner beabsichtigte.

Regelmäßig müssen die Gemeinden nach der gültigen Gefahrenabwehrverordnung darauf achten, dass Pflanzen nicht die Sicht im öffentlichen Straßenverkehr nehmen. In der Gemeindesatzung gibt es konkrete Vorschriften, was den Abstand und die Höhe von Hecken an Straßenkreuzungen angeht. Im Zweifel misst das Ordnungsamt nach, meint die Amtsleiterin weiter.

Wichtig sei aber auch, dass die Bürger sich in der Verwaltung melden und mitteilen, wenn Pflanzen die Sicht nehmen oder sich zu gut entwickelt haben. Dann müssten die Gemeindearbeiter eingreifen und die Begrünung entsprechend kürzen.

Warum in der Breiten Straße in Unseburg nun ausgerechnet neben der Ausfahrt bei dem früher erfolgten Ausbau ein Strauch gepflanzt wurde, sei ihr nicht bekannt. Dennoch dürfe die Pflanze dort nur in die Höhe aber nicht in die Breite wachsen, bestätigt sie.

Sie zeigte sich dankbar für den Hinweis des Anwohners. Nicht alles können die Mitarbeiter der Verwaltung sehen. Dazu komme, dass die Verwaltungswege mitunter lang seien. Um Verständnis bat sie deshalb den Unseburger, dass es mitunter einige Zeit dauere, bis die entsprechende Reaktion erfolge.