Seit rund einem Dreiviertel Jahr befindet sich das Fahrzeugmuseum Staßfurt in einer Halle auf dem Berlepsch-Schachtgelände in der alten Salzstadt. Über die Auswirkungen und die weiteren Pläne sprach Volksstimme-Redakteur René Kiel mit dem Museumschef Ingo Schramm.

Volksstimme: Hat sich der Umzug vom ehemaligen Rittergut in Glöthe nach Staßfurt gelohnt?

Ingo Schramm: Lohnen ist der falsche Begriff. Es war der richtige Schritt. Wenn wir das nicht gemacht hätten, würden wir in eine traurige Zukunft schauen. Wir haben damit im Jahr 2014 den Grundstein gelegt für eine bessere Entwicklung in den nächsten Jahren.

Merkt man das auch an den Besucherzahlen?

An der Wahrnehmung und aus betriebswirtschaftlichen Gründen auch an den Besucherzahlen. Das hätte in Glöthe nicht mehr funktioniert dieses Gesamtpaket, das dazu gehört.

Konnten Sie in Staßfurt mehr Gäste begrüßen?

Mehr oder weniger kann man nicht sagen. Wenn die gleiche Anzahl geblieben wäre, wäre das komisch. Nach einem Umzug geht das nie. Wir wussten, dass wir eine gewisse Zeit brauchen werden. In Glöthe hatte die Anfangszeit viereinhalb bis fünf Jahre gedauert, ehe man wahrgenommen wurde. An diesem Standort waren wir insgesamt acht Jahre.

Wir fangen in Staßfurt neu an. Wenn das erste Halbjahr schon okay war, dass wir positiv in die Zukunft schauen, dann geht das schon. Das war der richtige Schritt, die richtige Marschrichtung und der richtige Zeitpunkt. In zwei Jah- ren wäre das nicht mehr gegangen.

Am Sonntag, 28. Dezember war der letzte Öffnungstag des Fahrzeugmuseums in diesem Jahr. Wann öffnen sich die Türen wieder für die Besucher?

Wir öffnen wieder zu Ostern am 5. April.

Was geschieht bis dahin hinter den verschlossenen Türen? Sie machen doch nicht so lange Urlaub?

In dieser Zeit nimmt das Fahrzeugmuseum viele Außenveranstaltungen, wie zum Beispiel die Teile-, Tourismus- oder Motorrad-Messen unter anderem in Magdeburg und Leipzig, wahr. Diese finden alle in den Wintermonaten statt.

Welche Vorhaben planen Sie für das neue Jahr nach der Wiedereröffnung?

Am 19. April fangen wir an mit einem Ja-Treffen. Am 14. Mai ist Herrentag, unser Trabantfest ist am 5. Juli und dann folgt ein MZ- und Simsonfest am 2. August und schließlich am 3. Oktober das Wohngebietsfest.

Dieser Riesenbestand an den unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln, über die das Fahrzeugmuseum heute verfügt, fällt ja nicht vom Himmel. Auf wessen Sammlerleidenschaft ist die heutige Exposition zurück zu führen?

Wir haben nie gesammelt, sondern wir haben immer aufgehoben. Das Aufheben von Teilen ist eine spannende Geschichte. Und es war einmal so viel, das wir uns sagten: Wir können damit eine ganze Halle füllen. Dann haben wir uns auf dem ehemaligen Rittergut in Glöthe weiter entwickelt und weiterhin auch Fahrzeuge finden oder bringen lassen können.

Jeder Sammler träumt davon, ein ganz gewisses und schönes Exponat sein eigen nennen zu dürfen. Was hätten Sie denn gern noch in Ihrem Bestand?

Das gibt es nicht bei uns als Fahrzeugmuseum, weil fast die Hälfte unserer Exponate Sonderbauteile sind, die es nur ganz wenig oder nur als Einzelteil gibt. Deswegen gibt es kein Teil, von dem wir sagen würden, das muss es unbedingt noch sein. Wir freuen uns darüber, dass so etwas immer noch passiert. Wir finden immer noch Einzelteile oder Prototypen.

Sie schicken also niemanden weg, der Ihnen etwas Besonders, wie zum Beispiel einen Hubschrauber, schenken will. Dafür ist im Museum immer noch ein Plätzchen frei?

Richtig. Wir hatten kurz vor Weinnachten einen Anruf erhalten mit dem Angebot von historischen Polizei-Maschinen. Die Leute können damit nicht mehr umgehen und das auch nicht mehr aufheben, weil die Garagen gekündigt werden. Da ist es schön, dass es dann zu uns kommt.

Ich habe mir sagen lassen, dass auch schon Filmteams auf Ihren Bestand aufmerksam geworden sind. Stimmt das?

Ja, für einen neuen Film, der jetzt im Februar in den Kinos in Deutschland anläuft, haben wir Kinderfahrzeuge, Fahrräder und Untensilien zur Verfügung gestellt, die im Hintergrund zu sehen sind. Das ist ein Film über die Wendezeit. Die Zeit zwischen 1990 und 1995 war sehr spannend, weil kaum jemand wahrgenommen hat, dass verschiedene Dinge anders geworden sind.

So gibt es zum Beispiel heute keine Karten mehr von der DDR, die einst in jeder Schule hingen.