Nicht immer finden sich durchgängig Betreuer für alle Jugendclubs. Der Jugendclub Glöthe erlebte zwischen Herbst 2013 und Frühjahr 2014 eine Durchstrecke. Seit einem knappen Jahr geht es wieder aufwärts mit der Einrichtung.

Glöthe l Es ist kurz nach 14 Uhr. Kerstin Vollmer hat gerade den Jugendclub Glöthe geöffnet und hat als Betreuerin der Jugendlichen in der Küche alle Hände voll zu tun. "Leon, deine Pizza ist fertig" ruft sie. "Wenn sie hier ankommen, müssen sie erstmal alle etwas essen", erklärt die Landjugendpflegerin der Volksstimme.

Am Tisch sitzen schon vier Jungs und ein Mädchen, etwa zwölf Jahre alt. Sie gehen in die Sekundarschule Förderstedt, aber jetzt sind ja zum Glück Ferien. "Es ist gut, dass der Club wieder offen ist. Sonst könnten wir ja nicht herkommen", meint Justin Schulze, der genüsslich an seiner Pizza kaut. Im Club sei zwischen Herbst 2013 und Frühjahr 2014 gar nichts los gewesen, erzählt er. Der Club hatte zwar eine Maßnahmekraft bekommen, die war aber lange krank. Irgendwann ließ sich keiner mehr von den Jungs und Mädchen im Club blicken.

Als alle Jugendlichen mit Pizza - manche wünschen sich auch Toast und Kakao - bedient sind, erklärt Kerstin Vollmer: "Ich bin im März 2014 Landjugendpflegerin der Stadt geworden". Als Landjugendpflegerin hat sie die organisatorische Leitung der Clubs Brumby, Glöthe und Förderstedt inne. Die Vor-Ort-Betreuung von Jugendlichen ist eigentlich nicht ihre Hauptaufgabe. Vor allem soll sie die Maßnahmekräfte, die oft nur ein halbes Jahr in den Clubs eingesetzt werden, anleiten und einarbeiten, den Veranstaltungsplan erstellen, ein pädagogisches Konzept für die Arbeit mit den Jugendlichen aufstellen, Aktionen organisieren und Inventur machen.

"Aber als ich diesen Club kennenlernte, da lief hier ja gar nichts. Es waren nie Besucher hier", sagt Kerstin Vollmer. Also fasste sie sich ein Herz und öffnet den Club nun schon seit Mai 2014 selbst, montags bis mittwochs von 14 bis 18 Uhr.

Schnell sprach sich das bei der Dorfjugend von Glöthe herum. "Die Jungs haben mir erzählt, dass da wieder jemand im Club ist", erklärt Lucienne Schulze (12) wie es kommt, dass sie regelmäßig im Club ist.

"Kaum hatte ich ein Schild an die Tür gehangen, dass ich da bin, klopfte schon der erste an die Tür", erinnert sich Kerstin Vollmer. Heute haben sich die Besucherzahlen erholt und liegen bei rund zehn Jugendlichen pro Tag, vor allem Jungs und vor allem im Alter zwischen elf und 16 Jahren.

Während alle ihre Pizza essen, kommt noch ein Mädchen rein. Sie ist mit dem Rad aus Förderstedt gekommen. "Ach, ich wollte nur mal kurz reinschauen", sagt sie. "Sie melden sich sogar bei mir ab, wenn sie mal nicht in den Club kommen, obwohl sie das gar nicht müssten", erzählt Kerstin Vollmer. Offenbar ist der Club mit der Landjugendpflegerin ein fester Bezugspunkt für die Jugendlichen geworden.

Auch Lucienne Schulze wendet sich vertrauensvoll an sie und erzählt ihr, was es zuhause Neues gibt. "Ich finde sie nett, ja", sagt sie über Kerstin Vollmer. "Das Basteln macht Spaß und wenn sie mit uns in die Turnhalle geht", sagt das Mädchen, das gern Fußball spielt. Am Mittwoch ist nämlich immer Sporttag in der Turnhalle, die direkt neben dem Club liegt. Über den Kreissportbund konnten Bälle und Schläger besorgt und viele Veranstaltungen organisiert werden. Kerstin Vollmer weiß: "Der Sport ist das, womit ich die Jungs gekriegt habe".

Neben Basteln, Kochen und besonderen Veranstaltungen wie Fußballturnier, Halloweenparty, Herbstprojektwoche oder Aktionen mit der Kita Glöthe, scheint es Kerstin Vollmer vor allem wichtig zu sein, dass jemand für die Jugendlichen da ist. Sie hört sich ihre Sorgen an, kommt mit den Eltern der Kinder ins Gespräch und hat auch versucht, das Hausaufgabenmachen im Club anzubieten, was allerdings auf wenig Begeisterung bei den Clubgängern stieß.

Aktuelle Themen werden in Gesprächsrunden besprochen. "Die Zeugnisse waren ein ganz großes Thema", sagt Kerstin Vollmer.

Außerdem gibt es sogar einen Clubrat. "Wir bleiben in Kontakt per WhatsApp und besprechen, ob und wie lange jemand Clubverbot bekommen soll", erläutert Justin Schulze, was der Clubrat macht. "Wenn jemand etwas demoliert, dann kriegt er Clubverbot", fügt er als Erklärung hinzu.

Denn zur Arbeit der Pädagogin gehört nicht nur Zuneigung und gegenseitiger Respekt, sondern auch das Aufzeigen von Grenzen. Deswegen gibt es auch eine Sparbüchse im Club: Fünf Cent bei jedem Schimpfwort. Aber die "Kasse klingelt" schon lange nicht mehr. "Jetzt sind sie vorzeigbar", sagt Kerstin Vollmer und lacht.