Großmühlingen l Zugegeben, ein Presslufthammer klingt schlimmer. Wenn in der Aula der Grundschule Großmühlingen die schrillen Töne der Piccolo-Flöte erklingen, müssen sich einige Kinder trotzdem die Ohren zuhalten. Der Dirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Gerard Oskamp hat sich etwas Besonderes einfallen lassen und hat kurzerhand aus der Aula eine Baustelle gemacht. Orangefarbene Pylone, Flatterband und ein Schild mit der Aufschrift "Kinder haften für ihre Eltern" machen deutlich, dass hier etwas im Entstehen begriffen ist. Was? Ein Orchester natürlich.

Nach und nach betreten die von Oskamp als Bauarbeiter vorgestellten Musiker den Saal, bahnen sich über das Flatterband hinweg den Weg zu ihren Stühlen, in Händen halten sie glücklicherweise keine Presslufthämmer oder Bohrmaschinen, dafür ein Fagott, Geigen oder eine Trompete. "Musik ist Spaß", sagt Gerard Oskamp. In der Aula der Großmühlinger Grundschule erklingt heute der "Karneval in Venedig". Den Gesichtern der Schüler sieht man an, dass ihnen das sichtlich Freude bereitet. Der Dirigent weiter: "Musik heißt `Zuhören` - mal ist das traurig, mal fröhlich. Die Schüler sollen behutsam an die Musik herangeführt werden, das ist der Grundgedanke des Projekts."

Der Niederländer Oskamp lenkt seit zwei Jahren die Geschicke des Orchesters. In dieser Spielzeit sind noch weitere Auftritte dieser Art geplant. Violinist Alexander Apolzah freut sich bereits darauf: "Wir haben schon häufiger für Kinder gespielt. Das kommt immer gut an."

Musiklehrerin Undine Wolf erläutert, wie wichtig es ist, Kinder möglichst frühzeitig mit Musik vertraut zu machen: "Es beginnt meistens schon in der ersten Klasse mit `Peter und der Wolf`, in der vierten Klasse wagen wir uns dann an die Instrumentenkunde heran." Hornbläser Stanislaw Poswiatowski ist von den Kindern begeistert: "Es ist eine große Freude, Kinder mit der Musik anzustecken. Wenn sie die Instrumente live erleben, sehen sie das erste Mal richtig, wie Musik funktioniert." Genau das bezweckt Oskamp mit dem Bild der Baustelle. Einzeln kommen die Musiker in die Aula, als Erste Xiao Qing Shang. "Eine Chinesin mit dem Kontrabass", scherzt Oskamp. Es bereichern die Baustelle nach und nach zwei Musikerinnen mit Cello, die Streicher, schlussendlich die Bläser. Das Streichorchester ist mittlerweile zum Pflückorchester mutiert, die Schüler schnalzen im Rhythmus mit. Schlagzeuger Olaf Bartels freut sich: "Kinder sind immer ein dankbares Publikum."

   

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