Der Bau- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrates ließ sich auch vom Rosenmontag, dem Höhepunkt des närrischen Treibens, nicht davon abbringen, eine umfangreiche Tagesordnung abzuarbeiten. Einem Paukenschlag gleich kam der einstimmig gefasste Beschluss gegen das neue Einkaufszentrum an der Lehrter Straße.

Staßfurt. Auf dem Gelände der Fleischerei am Neumarkt, die bald geschlossen werden soll, wollen private Investoren für rund 3,1 Millionen Euro ein neues Einkaufszentrum errichten. Dazu gehören ein neuer Netto-Supermarkt mit einer Verkaufsraumfläche von 800 Quadratmetern und Backshop sowie ein Textilmarkt mit einer Verkaufsraumfläche von 1000 Quadratmetern.

Das Projekt hatten der Wirtschaftsförderer der Stadt, Christian Schüler, der Zerbster Immobilienmakler Reinwald Bechler sowie Architekt Klaus-Dieter Brenner den Mitgliedern dieses Ausschusses in der Januar-Sitzung vorgestellt. Danach hagelte es in der Öffentlichkeit Kritik an diesem Vorhaben.

Am Montagabend nun sollte die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 49/11 "Einkaufszentrum Neumarkt" beschlossen werden. Doch in der Diskussion gab es dazu nur ablehnende Meinungen. Der Kreischef von Bündnis 90/Die Grünen, Roman Binder, bezeichnete dieses mit elf Voll- und zwölf Teilzeitarbeitsplätzen verbundene Projekt als "städtebaulich deplaziert." Zudem stelle es eine Konkurrenz für die Handelsunternehmen der Stadt dar, sagte Binder.

Dirk Faust (FDP) erinnerte die Abgeordneten daran, dass sie im Kommunalwahlkampf 2009 verkündet hatten, die Innenstadt zu beleben. Mit diesem Einkaufszentrum würde das Gegenteil passieren. "Wenn wir so weiter machen, tun wir dem Stadtzentrum keinen Gefallen", sagte der Liberale. Faust zweifelte auch die Gutachten an, mit der die Stadt und die Investoren die Sortimentsauswahl begründet hatten. Sie stützten sich auf das Einzelhandelsgutachten der Stadt von 1998, wonach in den Staßfurter Geschäften besonders Oberbekleidung, junge Mode und günstige Bekleidung vermisst werden. Die Regionalstudie der Volksstimme kam zu einem ähnlichen Schluss, so dass viele Staßfurter deshalb lieber nach Magdeburg zum Einkaufen fahren.

Ein neuer Textil-Discounter und ein neuer Netto-Markt würden den Innenstadthändlern das Leben schwer machen, befürchtet Faust.

"Wir hatten uns nach der Wende mit dem Neumarkt in Staßfurt beschäftigen müssen", berichtete Ausschusschef Günter Wetterling (CDU). Damals sei dieser Platz dreckig, unbefestigt und mit Schlaglöchern übersät gewesen. Das hintere Teilstück habe man dann bei der Verlegung des Pflasters frei gelassen, damit der Staßfurter Zirkus Probst dort problemlos auftreten könne. Das, das dahinter liegende Landschaftsschutzgebiet sowie die für die Jugendlichen gebaute Skaterbahn stehen dem Einkaufszentrum entgegen, meinte Wetterling. "Die Stadtmitte wird damit mit Sicherheit nicht belebt", fügte er hinzu.

Bei der anschließenden Abstimmung lehnten alle sieben anwesenden Ausschussmitglieder die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 49/11 "Einkaufszentrum Neumarkt" in Staßfurt ab. Das letzte Wort hat jetzt der Stadtrat. Er entscheidet in seiner nächsten Sitzung am 24. März abschließend über den B-Plan.

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