Die Zukunft des Kreismuseums im Schönebecker Stadtteil Bad Salzelmen hängt in der Schwebe. Ein von der Kreisverwaltung im Auftrag des Kreistages erarbeitetes Nutzungskonzept soll das Haus nicht nur retten, sondern vielmehr zu einer modernen Einrichtung ausbauen helfen. Geld aus der Kulturförderung des Landes ist nach Volksstimme-Informationen verfügbar. Doch die Stadt Schönebeck will nicht mitziehen.

Schönebeck-Bad Salzelmen. " Wir treten seit einiger Zeit ein bisschen zurück, um der Verwaltung nicht zu sehr auf die Füße zu treten ", sagt der Vorsitzende des Fördervereins des Kreismuseums, Sven Schumann. Doch ob diese Gangart optimal ist, mag er nicht beschwören. Denn die Zukunft des Kreismuseums scheint jetzt mehr denn je in den Sternen zu stehen. Es liegt zwar ein Nutzungskonzept vor, das erstens interessant klingt und zweitens finanziell untermauert ist : es fehlt jedoch ein Baustein. Die Stadt Schönebeck sieht sich außerstande, einen jährlichen Zuschuss von rund 20 000 Euro einzubringen. " Dabei partizipiert die Stadt ganz eindeutig vom Kreismuseum ", ärgert sich Sven Schumann. Der Förderverein, auch das war bereits im Gespräch, könne das Haus auf keinen Fall alleine führen. Immerhin fallen jährlich Kosten in Höhe von 140 000 Euro an. " Wir können es nur mit Hilfe des Landkreises und der Stadt Schönebeck ", betont Schumann. Ansonsten würde alles den Bach herunter gehen. Aber selbst bei einem Aus würden weiterhin Unterhaltungskosten in vergleichbarer Höhe zum status quo anfallen, hebt der Mann vom Förderverein hervor. Ein Verkauf des Hauses wäre aus Denkmalschutzgründen gar nicht möglich. Schumann vermisst ein gutes Stück weit die Unterstützung von Kreispolitikern aus den Bereichen Bernburg und Aschersleben. Er ist sich sicher, dass viele Kreistagsmitglieder noch nie im Kreismuseum waren. " Wahrscheinlich glauben die, wir sind eine Heimatstube mit vier Zimmern. " Deshalb lädt Schumann alle Entscheidungsträger zu einem Besuch des einstigen Rathauses von Groß Salze ein, um sich ein realistisches Bild zu verschaffen.

" Einige Kollegen sind wohl angefressen "

Zu den Unterstützern des altehrwürdigen Hauses gehört seit vielen Jahren die Sozialdemokratin und Mitglied des Kreistages Petra Grimm-Benne ( MdL ). Sie bestätigt die Vermutung von Sven Schumann. " Ich habe den Eindruck, dass einige Kollegen im Kreistag etwas angefressen sind, weil andere Kommunen anstelle des Kreises die Verantwortung übernommen haben oder übernehmen sollen, während das Kreismuseum in Hoheit des Kreises bleiben soll. Allerdings muss man hier aus der Geschichte heraus betrachten, dass unser Museum das Kreismuseum war. " Petra Grimm-Benne bedauert, dass auf der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses des Salzlandkreises am 22. April angeregt wurde, die Vorlage des Nutzungskonzeptes zurück an die Verwaltung zu überweisen, bis sich die Stadt Schönebeck positioniert hat. Damit würde man nur Zeit verlieren, warnt die Landtagsabgeordnete. Sie regt an, die fehlenden 20 000 Euro über Dritte, also über Sponsoren einzuwerben, wenn die Stadt Schönebeck nicht mitzieht.

Schönebecks zuständiger Dezernent Joachim Schulke reagiert auf die Frage, ob die Stadt das Kreismuseum denn einfach so sterben lassen will, abwägend. " Der Kultur- und Schulausschusses des Stadtrates hat sich zum Nutzungskonzept eindeutig positiv positioniert, jedoch vorbehaltlich der Haushaltsplanung ", sagt er.

" Ohne Haushalt sind wir nicht im Boot "

Sämtliche freiwilligen Leistungen der Stadt würden angesichts einer Schuldenlast im aktuellen Haushalt von knapp fünf Millionen Euro zur Diskussion, würden auf dem Prüfstand stehen. " Deshalb sind wir natürlich bemüht, erst einmal unsere eigenen Einrichtungen am Leben zu erhalten. " Ohne eine eigene Einrichtung zu schließen – Schulke nennt Jugendeinrichtungen, das Freibad, die Schwimmhalle – könne die Stadt nicht ins Boot kommen. " Wir haben keinen ausgeglichenen Haushalt. Der ist aber Bedingung für einen städtischen Zuschuss ", unterstreicht Schulke. Er begrüßt ausdrücklich das vorliegende Konzept. Es sei " endlich " die Chance für das Kreismuseum, sich mehr zu öffnen. " Es tut weh. Aber das sind die Zwänge, in denen wir stecken. " Der Dezernent ist guten Mutes, Unternehmen der Stadt für ein Sponsoring zu gewinnen. " Wir sind diesbezüglich in Gesprächen ", sagt Schulke.

Viele Gespräche hat der Landtagsabgeordnete Dr. Gunnar Schellenberger in den vergangenen Jahren zur Zukunft des Kreismuseums geführt. Er setzte sich zum Beispiel mit Vertretern des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, des Kultusministeriums in Magdeburg, des Landesverwaltungsamtes in Halle auseinander. Das Kreismuseum samt Konzept werde aus fachlicher Sicht überall hoch bewertet, stehe in der Prioritätenliste ganz oben, so Schellenberger. Er selbst führt das Wort " überregionaler Leuchtturm " im Munde. Die Konzeption setze sogar Maßstäbe. Lob habe es auch vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle gegeben. Von fachlicher Seite sei eine 100-prozentige Zustimmung gewiss. Der Christdemokrat Schellenberger, der auch Mitglied im Kreistag ist, sagt für seine Fraktion : " Wir werden am Mittwoch das Nutzungskonzept im Kreistag beschließen, damit ein Antrag auf Fördermittel gestellt werden kann. " Denn dieser Schritt sei jetzt dringend notwendig. Schellenberger sagt auch : " Wir werden als CDU auf einer Beteiligung der Stadt Schönebeck bestehen. " Er sei bereit, der Stadt bei der Einwerbung von Sponsorengeldern behilflich zu sein.

" Wir kriegen das in den Griff "

" Wir müssen trotz prekärer Haushaltslage diesen attraktiven Standort erhalten. Zumal das Kreismuseum Teil des geplantes Konzeptes Pömmelter Kultstätte sein soll ", macht Schellenberger auf die europaweit beachteten archäologischen Ausgrabungen bei Pömmelte aufmerksam. Die hatte der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Professor Harald Meller, als das " deutsche Stonehenge " bezeichnet. Hier soll nun ein ehrgeiziges Tourismuskonzept umgesetzt werden.

Doch zurück zum Kreismuseum. Gunnar Schellenberger sieht die Zukunft des Hauses trotz der von der Stadt Schönebeck hervorgerufenen Hängepartie als gesichert an. " Wir kriegen das in den Griff ", sagt er optimistisch.