Ob Schokolade, Märchen oder Fahrzeuge – die Produkte aus der DDR sind heute beliebter denn je. Ein wahre Ostalgie-Welle ist ausgebrochen. Und diese macht auch um Etgersleben keinen Bogen. Dort wurde zum 1. Mai genauso gefeiert, wie man es vor über 20 Jahren schon tat. Erbsensuppe, Fischbrötchen und die gute alte Rennpappe durften dabei natürlich nicht fehlen.

Etgersleben. Die rote Nelke am Knopfloch, dazu der bekannte Geruch aus Trabant-Abgasen und die legendäre Erbsensuppe auf dem Tisch. Ja, in Etgersleben stand für einen Tag die Zeit still. Wie am 1. Mai vor über 20 Jahren kamen auch am Feiertag im Jahr 2010 wieder die Etgerslebener zusammen. Denn der Schützenverein hatte zur Feier auf das Gelände des Gartenhauses eingeladen. Und es fehlte nichts.

Ausstellung alter Fahrzeuge

Vor den Gartenhaus knatterten die Motoren von ifa, Simson und Trabant, drinnen gab es Soljanka und Fischbrötchen. Eben genau so, wie es zu DDR-Zeiten war. "Nur, dass man heute das Fischbrötchen nicht mehr für 25 Pfennig kriegt", sagte Gerd Robitzsch vom Schützenverein Etgersleben, während er gespannt einem Videofilm zu-sah.

Ja, an das vergangene Jahr erinnern sich die Etgerslebener noch ganz genau. Und bewunderten in dem Film noch einmal den tollen Umzug, den es im vergangenen Jahr zum 1. Mai gegeben hat. Den wird so schnell keiner mehr vergessen. Und obwohl dieser ein voller Erfolg war und sich sogar bis nach Magdeburg herum gesprochen hat, wollte man zum 1. Mai in diesem Jahr nicht schon wieder einen Umzug machen. Daher entschieden sich die Mitglieder dafür, die DDR-Technik auf dem Gelände des Gartenhauses auszustellen.

Viele Etgerslebener holten dafür ihr "Schätzchen" aus der Garage. Und auch der MZ- und Simson-Club aus Egeln war wieder mit von der Partie und stellte Zwei- und Vierradfahrzeuge aus. 35 Mitglieder zählt der Verein. Und alle haben nur ein Interesse: Fahrzeuge aus DDR-Zeiten. Und wie sehr sie ihr Hobby lieben, zeigte der gute Zustand der ausgestellten Fahrzeuge. Ob himmelblaue "Pappe" oder W50, sprechen die Mitglieder um den Vereinsvorsitzenden Matthias Hund von ihren Fahrzeugen, beginnen ihre Augen zu strahlen. Und so ergeht es allen auch bei dem noch originalen Robur, der dem Grenzbatailon Ursleben gehörte. Alle Fahrzeuge, darunter allein 15 Lkw, sind fahrtüchtig. Dafür sorgen die Mitglieder des Vereins in ihrer Freizeit. Und damit sich die Arbeit auch lohnt, präsentiert man sich auf zahlreichen Treffen, die im Jahr stattfinden. "Und dazu gehört natürlich auch immer die passende Kleidung", sagte Matthias Hund. In Etgersleben trugen er und sein Vereinskollege Benjamin Elsner Uniformen.

Erbsensuppe ist besser als im Harz

Und auch sonst wurde den Besuchern des Festes allerhand geboten. Für Kinder gab es eine Hüpfeburg, und wer seine Treffsicherheit unter Beweis stellen wollte, konnte das am Schießstand mit ganz besonderen Laser-Gewehren tun.

Doch als die Gulaschkanone auf den Hof rollte, bildete sich dort schnell eine lange Schlange. "Achim Kreisler und Siegbert Rieck kochen diese immer noch nach dem alten Ossi-Rezept. Und das wissen die Leute ganz genau. Die schmeckt allen immer noch am Besten", so Robitzsch. Ja, und schon der Geruch verriet alles. "Die ist besser als die Harzer Suppe", sagte Achim Kreisler und kellte die ersten Teller voll. Seit über 30 Jahren hält er sich an das Rezept.

 

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