Schönebeck. " Und droht der Winter noch so sehr, mit trotzigen Gebärden, und streut er Schnee und Eis umher, es muss doch Frühling werden ", heißt es in einem Vers von Emanuel Geibel ( 1815-1884 ). Eduard Mörike ( 1804-1875 ) dichtete über den März : " Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, wollen balde kommen. Horch, von fern ein leiser Harfenton ! Frühling, ja du bist ‘ s ! Dich hab ich vernommen !" Diese lyrische Erkenntnis über das Wetter im März trifft auch noch heute nach weit über 150 Jahren bei uns zu.

Erinnern wir uns, vor drei Wochen war es noch richtig winterlich. Der Schnee lag bis zum 12. März. Ein außerordentlich langer Winter, der bis in den ersten Frühlingsmonat hinein reichte, liegt nun hinter uns. Dr. Thoralf Winkler aus Elbenau bemerkte dazu : " Die Alte Elbe war vom Frosteinbruch am 20. Dezember bis Mitte März, also ein Vierteljahr, zugefroren. Am 11. März konnte er auf einem Abschnitt der Alten Elbe noch eine 22 Zentimeter dicke Eisdecke messen, so dass man darauf Schlittschuhlaufen konnte. "

Doch wir wollen uns nun nicht mehr beim Winter aufhalten, denn in der schönsten Jahreszeit befinden wir uns nun, fehlt nur noch die Baumblüte. Die Menschen erfreuen sich daran, arbeiten emsig im Garten und die Landwirte können nun endlich ihre Felder bestellen. Letztere sind zwei bis drei Wochen mit ihren Feldarbeiten im Rückstand. Dagegen sind die Wintersaaten durch die schützende Schneedecke im Winter in einem guten Zustand, was Horst Osterloth aus Hohenerxleben für besonders wichtig erachtet.

Paul Grebarsche aus Eickendorf erinnert daran, dass er vor zwanzig Jahren mit den Bestellarbeiten erst am 14. April beginnen konnte, was er dick in seinen Aufzeichnungen vermerkt hatte. Weiterhin hatte er im März 1980 nur acht Millimeter Niederschlag, dagegen im März 1994 hohe 87 Millimeter pro Quadratmeter gemessen. Betrachtet man die Werte in der Niederschlagskarte, so erkennt man deutliche Unterschiede, die aber vor allem aus der letzten Märzdekade resultieren.

Der vergangene März war in der ersten Monatshälfte ein verlängerter Spätwinter, woran sich gleich eine geballte Ladung Vollfrühling anschloss, jedoch die pflanzlichen Aktivitäten nicht hinterher kamen. Erst in der letzten Woche pegelte sich alles wieder auf ein " normales " März-Niveau ein. Insgesamt war der Monat etwas kälter als der März im vorigen Jahr. Mark Schröder hatte folgende Temperaturen mit seiner Wetterstation gemessen : Minus 8, 7 Grad Celsius am Morgen des 7. März und 21, 3 Grad Celsius am Nachmittag des 26. März, was immerhin einen Unterschied von 30 Grad Celsius zwischen dem wärmsten Tag und der kältesten Nacht entspricht. Andere Wetterphänomene waren Sturm und Gewitter am 26. März mit Windböen von 85 Kilometer die Stunde, was eine Windstärke von 10 nach Beaufort gleichkommt. In den frühen Vormittagsstunden des 30. März war es recht nebelig.

Klaus Adler aus Hakeborn berichtet vom Brocken : Monatsniederschlag 120, 4 Millimeter pro Quadratmeter ; sechs Gewittertage ; 27 Nebeltage ; höchste Windspitze am 1. März von 145 Kilometer in der Stunde oder Windstärke über 12. Anfang April lagen immerhin noch 83 Zentimeter Schnee.

Wie war der März vor 100 Jahren ? Der März 1910 war ein ganz normaler und durch und durch " durchwachsener " Frühlingsmonat. Er begann statistisch exakt mit mildem und regnerischem Wetter. Am 4. März kam Hochdruckwetter mit Frühnebel, Nachtfrösten und Sonnenschein. Allmählich wurde es tagsüber wärmer. Am 12. März begann ein Hin und Her zwischen mild-regnerischem und kühl-heiterem Wetter. Seit dem 20. März stabilisierte sich das Wetter wieder. Ein Hochdruckgebiet brachte nachts Kälte und tagsüber Sonnenschein und milde Temperaturen. Der März 1910 und der März 2010 ähnelten sich – besonders in der ersten Hälfte – nicht. ( Temperaturangaben wurden damals im " Stadt- und Landboten " Calbe noch nicht gemacht ).