Staßfurts Oberbürgermeister René Zok ( parteilos ) hat gestern Nachmittag anlässlich der Eröffnung der Internationalen Bauausstellung IBA 2010 in Staßfurt eine positive Bilanz des Stadtumbaus gezogen. Das vom Bergbau geschundene Stadtzentrum konnte in den vergangenen Jahren mit Hilfe von rund 6, 5 Millionen Euro Fördermitteln des Bundes und des Landes spürbar aufgewertet werden.

Staßfurt. " Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Damit haben wir gemeinsam wieder eine Perspektive für den Stadtkern entwickelt ", sagte der Oberbürgermeister nicht ohne Stolz. Er hofft, dass die Bürger die neue Identität der Stadt, die man damit stiften wollte, annehmen.

In der kleinen Feierstunde an den ältesten Kalischachtanlagen der Welt erinnerte das Stadtoberhaupt an die Anstrengungen, die die Stadtväter seit 1990 unternommen hatten, um die vom Bergbau schwer geschädigte Altstadt zu revitalisieren. Dort hemmte ein rund 230 Hektar großes Bergschadensgebiet jegliche architektonische Aktivitäten. Bis zum Ende der DDR mussten in diesem Bereich rund 800 Häuser abgerissen werden, darunter des Bahnhofsempfangsgebäude, die Kirche und das Rathaus.

Erst nach der Wende konnte der Untergrund der Stadt gründlich untersucht und stabilisiert werden, so dass sich dann wieder eine Entwicklungsperspektive eröffnete. Das sei nur durch die Unterstützung des Bau- und des Wirtschaftsministeriums, des Landesverwaltungsamtes, des Landesamtes für Geologie und Bergwesen sowie durch die von ihnen eingesetzten Firmen möglich gewesen, betonte der Oberbürgermeister.

2003 habe sich Staßfurt dann als eine von 19 Städten in Sachsen-Anhalt für die Teilnahme an der Internationalen Bauausstellung IBA 2010 beworben. Das Thema lautete hier " Aufheben der Mitte – Stadtentwicklung unter Bergbaufolgen ". Dieses Projekt habe dem Stadtumbauprozess erhebliche Impulse gegeben, so Zok.

Es sei zeitaufwändig und nicht immer einfach gewesen, die Bürger in den Planungsprozess aktiv mit einzubeziehen. " Das Ergebnis spricht aber dafür, dass es richtig war ", sagte der Oberbürgermeister in Anspielung auf die vier Architektursalons, in denen die Bürger den zwölf Teams, die aus 35 Büros hervorgegangen waren, beim Planen über die Schultern sehen konnten.

Wie IBA-Geschäftsführer Rüdiger Schulz ist auch Zok der Meinung, dass es sich hier um die größte Bürgerbewegung in Ostdeutschland seit 1990 handelte. " Das kann man auch für Staßfurt bestätigen ", sagte der Oberbürgermeister.

Einer der Glanzpunkte des IBA-Prozesses in Staßfurt ist der 2005 und 2006 auf dem Wendelitz entstandene Stadtsee, dessen Umfeld heute von einer Kirschbaumwiese und viel Grün gesäumt wird, wo sich einst ein häßlicher, ungepflegter Platz befand. Das neue Gewässer sei ein Symbol dafür, dass die einstige Altstadt buchstäblich im Grundwasser versunken sei, sagte Zok unter Hinweis auf die Umstellung auf eine dezentrale Wasserhaltung.

Nach der Umgestaltung des Kaligartens einschließlich der ehemaligen Kaliverwaltung, die gestern offiziell wieder ihrer Bestimmung übergeben wurden, folge nun der Neubau einer Brücke über den Stadtsee, kündigte Zok an. Über die Gestaltung dieses bei den Bürgern nicht unumstrittenen Vorhabens habe man im Bauausschuss des Stadtrates beraten. Derzeit befinde man sich in der Ausschreibungsphase. Er hoffe, dass dieses Projekt im September fertiggestellt werden kann, sagte der Oberbürgermeister.

Den Abschluss werde der über vier Millionen Euro teure Neubau des Hauses am See bilden, den die Wohnungs- und Baugesellschaft errichten werde. Dort sollen auch das Stadtarchiv und die Bibliothek einziehen. " Wir wollen damit ein Zeichen für die Innenstadtbelebung setzen ", sagte Zok und dankte allen, die zum Gelingen des IBA-Prozesses beigetragen haben, besonders aber seinem Vorgänger Martin Kriesel.

Der Leiter des IBA-Referates des Bauministeriums, Joachim Stappenbeck, der die Grüße und Glückwünsche des terminlich verhinderten Bauministers Karl-Heinz Daehre ( CDU ) überbrachte, sagte : " Das war hier kein schöner Ort. Um so mehr freuen wir uns, dass die Staßfurter die neue Mitte wieder in Besitz genommen haben. "

" Man ist froh, dass die Stadt ihre geschundene Mitte wieder gefunden hat ", meinte auch der Geschäftsführer des IBA-Büros

Rüdiger Schulz. Als besonders bemerkenswert hob er die in Staßfurt erstmals erprobte Bürgerbeteiligung hervor. " In einem leerstehenden Warenhaus ist unter öffentlicher Aufsicht die Stadt gestaltet worden. Damit wurde hier zum ersten Mal öffentlich geplant ", sagte Schulz.