Stöbert man in den Magazinen und im Lager des Kreismusems Schönebeck, stolpert man schon einmal über die ein oder anderen Kuriositäten, welche die Zeit hervorgebracht hat. Ein Besuch bei Rüdiger Radicke, dem Museumsleiter.

Schönebeck-Bad Salzelmen. " Um zu schonen Deinen schönen Bart, dient diese Tasse eigener Art. Das tut der Hausfrau wohl gefallen, Dir Tropfen nicht auf ´ s Vorhemd fallen. "

Dieser schöne Spruch ziert eine Barttasse, die Rüdiger Radicke, Leiter des Kreismuseums in Schönebeck, aus einem der Schränke hervorzaubert. Auf den ersten Blick eine ganz normale Tasse.

Auf den zweiten Blick, der in das Innere der Tasse geht, wird eine Art Einsatz sichtbar. Ein Vorsatz, ähnlich einer Schnabeltasse, nur nach innen gekehrt.

Fragende Augen ist Radicke bereits gewöhnt, wenn er die seltene Barttasse Besuchern zeigt.

Und ein Kichern geht durch die Reihen, wenn der Museumsleiter die Erklärung folgen lässt : " Diese Tassen stammen aus der Zeit um 1850, als Schnauzbärte für Männer modisch noch unentbehrlich waren.

Eisen an der

Zeitung erprobt

Um zu verhindern, das beim Trinken Tropfen im Barthaar bleiben und später herunterfallen und möglicherweise dann auch noch das Hemd treffen und beschmutzen, wurden diese Tassen gefertigt. Mit dem kleinen Einsatz gelangte das Getränk nur zur Mundöffnung und schonte so den Bart. "

Auch die Frauen wollten um 1900 mit der Mode gehen. Um schön zu sein, waren Locken und Wellen im Haar von vielen Frauen gewünscht, aber kaum eine konnte sich den Besuch beim Friseur leisten.

Die kostengünstige Alternative war damals das Lockenbrenneisen, mit dem frau einfach zu Hause sich selbst die gewünschte Krause in das Haar brachte.

Das Eisen wurde in Feuer oder Glut erhitzt. An einer Zeitung wurde der Hitzegrad erprobt – blieb die Zeitung ganz, würde auch das Haar geformt und nicht verschmort werden, hieß es.

Mit dieser Lockenbrenneisen-Methode gestalteten sich Frauen noch ihr Frisuren bis in die 1920 er Jahre.