Drei Schönebecker Stadträte haben den in der Elbestadt umstrittenen Architekten Karl-Friedrich Gehse für den Schönebecker Rathauspreis 2009 vorgeschlagen. Der 71-Jährige war unter anderem an der Gestaltung der Salinesalzschuppen an der Elbe beteiligt. Auch an anderer Stelle taucht Gehse unverhofft auf. In Breitenhagen ( Elbe-Saale ) wird ein Kahn mit Gehses stählerner Silhouette aufgestellt.

Breitenhagen / Schönebeck. In den höchsten Tönen schwärmt Christian Jung, sobald es um den Bochumer Architekten geht. " Er hat eine Riesenleistung vollbracht. "

Die Rede ist vom Architekten Karl-Friedrich Gehse. " Mit seiner Architektur prägt er wesentlich das Stadtbild der Elbestadt, seine Leistung ist überdurchschnittlich kreativ ", sind die drei Schönebecker Stadträte Christian Jung, Wolfgang Jacob und Manfred Pöschke von der Bürgerinitative " Rettet die Altstadt " überzeugt. " Daher schlagen wir Herrn Gehse für den Rathauspreis 2009 vor ", sagt Jung. Ein entsprechender Vorschlag liege der Stadtverwaltung vor.

Unter anderem Salzschuppen umgebaut

Zu den Bauprojekten, für die der 71-J ährige in den 90 er Jahren verantwortlich zeichnet, zählen neben dem Umbau der Salinesalzschuppen am Elbufer unter anderem neue Häuser in der Elbstraße, Steinstraße Grabenstraße und der Neubau des Hotel- und Geschäftskomplexes Elmener Hof. " Gehse schwebte damals eine starke Belebung der Altstadt vort ", sagt Jung, der sich eben dies als politisches Ziel auf die Fahnen geschrieben hat.

Viel Wirbel war im Januar 2009 in Schönebeck entstanden, als Christian Jung als Privatanlieger am Elbufer auf eigene Faust eine Kahnskulptur im öffentlichen Raum aufstellen ließ. Als stählerne Silhouette trug der Kahn einen Fährmann, der für Eingeweihte jedoch eindeutig die Züge des Bochumer Architekten trug. Selten erreichten die Volksstimme sov iele Reaktionen von Lesern, die entweder dafür oder dagegen waren.

Die Stadtverwaltung Schönebeck hatte Jung daraufhin aufgefordert, die Skulptur zu entfernen, weil keine Genehmigung erteilt worden war. Denn die Rolle des Architekten wird in der Elbestadt durchaus kontrovers beurteilt. Jung ließ den Kahn inklusive Gehses Konterfei nur wenige Meter weiter auf sein privates Grundstück versetzen.

Ausgerechnet in diesen Tagen taucht an anderer Stelle ein zweites stählernes Antlitz des Bochumer Planers auf. So wird am 24. und 25. Oktober das erste Breitenhagener Kahnfest stattfinden. Dort soll auch ein Kunstwerk an der Deichüberfahrt zwischen Alt Tochheim und Fährstelle eingeweiht werden. Der Kahn zeigt drei Stahlschnitte, die typische Vertreter Breitenhagens symbolisieren : Schiffer, Biber und Fährmann. Wobei letztere Figur wiederum deutlich die Züge Gehes trägt.

Bürgermeister Kurt " Bodo " Kotzur holte sämtliche Genehmigungen ein, um sein " Denkmal " dort Ende Oktober aufstellen zu dürfen. Zuvor machte der Ortschef seine Schularbeiten : " Ich habe in der Chronik entdeckt, dass zwischen 1896 und 1927 die meisten Schifferfamilien in Breitenhagen lebten. " Vor rund 80 Jahren fand man unter den rund 450 Einwohnern 120 Schifferfamilien, die die meiste Zeit des Jahres auf Fahrt waren.

Christian Jung :

" Das ist ein Zufall. "

Auch der Biber auf dem Kahn hat Symbolkraft. Kotzur : " Bei uns überlebten die letzten 200 Elbbiber die katastrophalen Flussverschmutzungen, bis sich ihr Bestand in den 90 er Jahren wieder erholte. " Angeblich steht der vorschlag, Gehse den Rathaus-Preis zu verleihen, in keinem Zusammanhang mit der Aufstellung des neuen Kahn-Kunstwerk in Breitenhagen. Christian Jung : " Das ist ein Zufall. "