Segler, Dampfer, Dieselmotorenschiffe – auf der Elbe gibt es eine 1200-jährige Tradition der Binnenschifffahrt. In der neuen Serie " Elbschiffe " präsentiert die Volksstimme, welche historischen Schiffstypen auf dem Elbstrom unterwegs waren. Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit dem Katzenbuckelkahn um 1800.

Schönebeck. Die erste Erwähnung der Elbeschifffahrt in unserer Region datiert aus dem Jahr 805 und berichtet von einer Heerfahrt Kaisers Karl dem Großen gegen die Sachsen. Dabei wurden Heeresabteilungen per Schiff elbaufwärts bis in den Magdeburger Raum gefahren. Bis zur Einführung der Dampfschifffahrt wurden die Elbeschiffe gesegelt und getreidelt. Treideln bedeutet, dass die Schiffe wurden durch Menschen oder Tiere gezogen wurden.

Kommt vom Treideln :

" Hau ab – zieh Leine !"

Die Elbe bot sich aufgrund ihrer geographischen Lage und der damit verbundenen vorherrschenden Windrichtung an, die Schiffe auch Stromauf zu segeln. Bei zuwenig Wind und zu schwer beladenem Schiff wurden die Fahrzeuge getreidelt. Zu diesem Zweck waren an den Ufern Treidelwege angelegt. Die Schiffer mieteten sich die Treidelknechte für den jeweiligen Streckenabschnitt an, so dass nach Übergabe an die nächste Treidlerkolonne, die vorherige wieder zum Heimatort zurücklaufen konnte.

Für manches Elbdorf war, gerade in Dürrezeiten, der chiffszug der einzige Broterwerb. Übrigens, die abfällige Bemerkung : " Hau ab – zieh Leine ", stammt genau daher.

Die Einführung der Dampfschifffahrt ab 1816 brachte der Elbeschifffahrt im Bereich des Personen- und Stückgutverkehr einen wesentlichen Technologieschub. Im Bereich des Massengutverkehres dauerte es aber noch bis 1866, um kostengünstige Transporte auf der Elbe zu gestalten.

Als Konkurrenz

die Eisenbahn

Gerade im Hinblick auf den sich entwickelnden Eisenbahnverkehr war die Elbeschifffahrt nicht mehr konkurrenzfähig. Erst mit Einführung der Kettenschifffahrt auf der Elbe ab 1866 änderten sich die Ertragslage und die Effi zienz der Schifffahrt.

Die weitere Entwicklung der Schiffstypen und der Schifffahrtstechnologien passte sich den folgenden Jahren immer wieder den Erfordernissen der verladenden Wirtschaft an.

Frei fahrende große Raddampfer mit ihren endlosen Schleppzügen prägten das Bild auf dem Strom bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Moderne Schubschiffe und Motorschiffe mit Dieselantrieb lösten ab den sechziger Jahren des die Dampfschiffe ab. Heutzutage erleichtern Radargerät, Autopilot, Echolot und Bugstrahlruder dem Elbeschiffer das navigieren auf dem Strom.

Die nachfolgende Artikelserie " Elbschiffe " beleuchtet die Entwicklung der Schifffahrt und Technik im Elbegebiet und begleitet den Leser auf einer Reise mit Segelschiff und Schubverband.

Zur Gruppe der gesegelten und geschleppten Schiffe zählt der Katzenbuckelkahn. Um 1800 tauchten auf der Elbe die ersten gedeckten Schiffe auf. Die eigenwillige Form der Laderaumabdeckung gab dem Schiffstyp seinen Namen. Mittschiffs erhielt diese Laderaumabdeckung eine in Schiffslängsrichtung liegende Öffnung, welche das Einstellen eines Mastes ermöglichte. Am Mast konnte ein großes Rahsegel aufgezogen werden.

König schrieb

Flaggenpfl icht vor

Im Topp ( beim Schiff alles oberhalb der letzten Rah ) wurde ein roter Fahrtwimpel gesetzt. Dieses Signal zeigte an, das dass Schiff in Fahrt befi ndlich ist. Still liegende Schiffe holten den Wimpel ein. Am Flaggenstock, am Heck des Schiffes, ist die preußische Flagge gesetzt. Eine Kabinettsorder des preußischen Königs von 1817 schrieb den Schiffern die Flaggenpflicht am Heck vor. Gesteuert wurde das Schiff über eine Pinne mit dem sogenannten Helmholzruder.

Das Schiff wurde komplett aus Holz gebaut. Große Schiffe erreichten eine Länge von 180 Fuß ( 56 Meter ) und eine Breite von 20 Fuß ( 6, 20 Meter ) und konnten bis 150 Tonnen an Ladung aufnehmen.

Sylvio Süßenbach, Kapitän aus Schönebeck, unterrichtet Nautik

und Navigationslehre.