Im Salzlandkreis hat die Ernte begonnen. Niedrige Preise und Regenschauer zur besten Erntezeit vermiesen den Landwirten aktuell etwas die Stimmung.

Schönebeck. Michael Redeker und Astrid Luther warten vor den Toren Schönebecks auf den Traktor. Die beiden sollen Kartoffeln ernten. Auf rund 40 Hektar hat die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Bördeland die Feldfrüchte angebaut. Allerdings wird jeden Tag nur die Menge vom Feld geholt, die auch verarbeitet werden kann. Die Frühkartoffeln der Sorte Impala wurden vorgekeimt und sind deswegen bereits reif, erzählt Vorstandsvorsitzender Joachim Beutler.

Mit dem Traktor beliefert der Landwirt die Feldfrüchte an die verarbeitende Industrie. Dort werden die " Erdäpfel " nach einer strengen Qualitätskontrolle gereinigt und in handelsübliche Mengen geteilt und verpackt. " Einen Tag später können die Schönebecker Kartoffeln schon in den Supermarktregalen liegen ", schildert Joachim Beutler.

Riesige Staubwolken wirbelt die Erntemaschine zwischen den Reihen auf, wenn sich die Stahlscheiben in den Boden fressen. Oben steht Erntehelferin Astrid Luther und sortiert mit ihren flinken Händen Steine und Kraut vom Band. " Manchmal staubt es dermaßen, dass ich eine Maske tragen muss ", erzählt sie. Bei leichtem Wind sei die Arbeit viel angenehmer, wenn die kleinen Sandkörner weggeblasen werden.

Mit der Kartoffelernte beginnt die Erntesaison für die LPG Bördeland traditionell. Auf 2800 Hektar baut das Unternehmen vor allem Getreide, Mais und Kartoffeln an. Am Dienstag ließ Chef Joachim Beutler schon mal die Wintergerste zur Probe ernten. Das Getreide ist allerdings noch zu feucht. " Wir haben aktuell 17 Prozent Feuchtigkeit im Korn. Es dürfen aber nur 14 Prozent sein ", erklärt er. Deswegen heißt es für ihn und seine Mitarbeiter zunächst auf besseres Wetter warten. Grundsätzlich könnten die Bauern auch feuchtes Getreide ernten. Die maschinelle Trocknung ist aber teuer und würde den mageren Gewinn in ein Defizit verwandeln.

" Vor dem Wochenende werden wir wahrscheinlich nicht mehr rausfahren ", bestätigt ebenso Thomas Buch von der Agrargenossenschaft Mühlingen. Seine Genossenschaft bewirtschaftet 1800 Hektar. " Einige Schläge Wintergerste haben wir bereits abgeerntet. Eigentlich fehlt uns in der Wintergerste nur noch ein Tag ", schildert er. Vor dem Wochenende werde er die Mähdrescher aber wohl nicht mehr auf die Felder schicken, ist er sicher. Die Landwirte benötigen für die reibungslose Ernte vor allem Sonnenschein in den kommenden Wochen.

" Wir rechnen mit einem durchschnittlichen Ertrag ", schätzt Thomas Buch ein. Die Wetterbedingungen wären in den vergangenen Monaten nicht ganz optimal gewesen. Noch keine Zahlen hat sein Kollege Joachim Beutler von der LPG Bördeland. Dennoch rechnet er ebenso nicht mit überdurchschnittlichen Ergebnissen. " So gut wie im vergangenen Jahr wird es nicht ", meint er. Sorgen macht Joachim Beutler die Entwicklung der Preise für seine Feldfrüchte. Zurzeit stehen die Preise auf einem sehr niedrigen Niveau, bestätigt er. " Allein bei den Kartoffeln ist der Preis von der vergangenen Woche zu dieser Woche um neun Euro je Tonne gefallen ", sagt er.

Die Fachleute, schiebt er nach, rechnen kurz- und mittelfristig nicht mit einer Erholung der Preise. Insgesamt sei der Kartoffelanbau aber noch lohnend. Dennoch sei die Feldfrucht auch sehr pflegeintensiv, betont er.

Die Landwirte, die ihre Ernte nicht sofort verkaufen müssen, schauen gelassener in die Zukunft. So wie der Mühlinger Thomas Buch. " Wir können rund 11 000 Tonnen in unseren Silos einlagern ", beschreibt er. Damit sei seine Genossenschaft nicht gezwungen, die Ernte zu einem niedrigen Preis zu verkaufen. " Wir lagern die Ernte ein und pokern ", kündigt Thomas Buch an. Er hofft dabei auf steigende Rohstoffpreise für das Getreide. Das passiert in der Regel immer dann, wenn die Rohstoffe knapp werden. Natürlich, räumt er ein, könnten die Preise auch noch weiter sinken. Er rechne aber nicht damit.

Für Erntehelferin Astrid Luther zählen dagegen die Kartoffeln vor ihr auf dem Förderband. Seit Jahren macht die Frau bereits den Saisonjob. " Mein Mann sitzt normalerweise auf dem Traktor. Deswegen fahre ich immer mit. Zurzeit ist er aber krank ", sagt sie. An den vielen Staub habe sie sich längst gewöhnt, bestätigt sie. Den könne sie mit Wasser wieder entfernen. Außerdem sei der Feldeinsatz für sie überschaubar und mache ihr vor allem viel Spaß.