Deutschlands größte noch in Betrieb befindliche Güterzugdampflok kommt aus Staßfurt. Am 9. Mai ging der Jumbo 44 1486 auf die letzte Fahrt. Grund: Der " TÜV " der betagten Lok läuft ab. Zahlreiche Eisenbahnfans begleiteten die Abschiedsfahrt.

Schönebeck / Staßfurt. " Sie strahlt Kraft aus, sie lebt ", meint Jürgen Krebs. Der Verkehrsingenieur, Mitglied bei den Eisenbahnfreunden Staßfurt, ist begeistert von der mächtigen Maschine. Die Rede ist vom Jumbo 44 1486. Am vergangenen Sonnabend bewältigte Deutschlands größte noch in Betrieb befindliche Güterzugsdampflok ihre letzte Fahrt.

Dabei sorgten die Staßfurter Eisenbahnfreunde dafür, dass es sich um eine waschechte Güterfahrt handelte. Und organisierten echte Ladung. Die war schnell gefunden. Bei der Norddeutschen Naturstein GmbH in Flechtingen lagen noch etliche hundert Tonnen Schotter für die Anschlussbahn des Traditionsbahnbetriebswerkes in Staßfurt. Nun musste nur noch alles unter einen Hut gebracht werden und die Fahrpläne bestellt werden. Hier war nun doch Eile geboten. Denn der Tag der Fahrt sollte und musste der 9. Mai sein – am 8. Mai wurde die Lok 66 Jahre alt, am 10. Mai musste sie sozusagen aufs Altenteil geschickt werden.

Beim Auto würde man sagen: der TÜV lief ab. Da die Sicherheitsanforderungen im Eisenbahnbetrieb um ein vielfaches höher sind als auf der Straße, ist es entsprechend komplizierter und teurer, einen " neuen TÜV " zu bekommen. Die Hauptuntersuchung ist zwar bei Eisenbahnfahrzeugen nur alle 8 Jahre fällig, aber mit einem erheblichen Aufwand verbunden, da die Lokomotive dabei je nach Zustand und anfallenden Arbeiten in ihre Einzelteile zerlegt werden muss. " Die Kosten für die gesamte Lokomotive liegen im Bereich von einer halben Million Euro ", schätzt Jürgen Krebs. Ob das Gefährt noch einmal " f t " gemacht werden kann, ist derzeit offen. Krebs: Das können die Eisenbahnfreunde nicht allein schultern. Wir sind auf Spenden und Geldgeber angewiesen. "

Die letzte Fahrt von Jumbo 44 1486 führte früh mit einem Leergüterzug von Staßfurt über Schönebeck, Magdeburg und Haldensleben nach Flechtingen. Dort wurde der Zug in den Vormittagsstunden mit Schotter beladen. Zur Durchführung der dort notwendigen Rangierarbeiten wurde eine zweite, etwas kleinere Dampflok, die Güterzugdampflok 52 8184 der Staßfurter Eisenbahnfreunde mitgenommen. Nach der Beladung ging es dann auf dem gleichen Weg zurück nach Staßfurt. Der Fahrplan des Zuges wurde so gestaltet, dass in fast allen Bahnhöfen der Strecke gehalten wurde. Die Fotofreunde aus allen Teilen Deutschlands konnten so den Zug mit dem Auto begleiten und bequem von einem Fotostandpunkt zum anderen wechseln.

Mit dem nun erfolgten Abstellen dieses eigentlich betriebsfähigen Denkmals der Verkehrsgeschichte verlieren Sachsen-Anhalt und der Salzlandkreis einen weiteren Tourismusmagneten, der in der Vergangenheit Heerscharen von Eisenbahnfreunden aus allen Teilen Europas und auch aus Übersee nach Sachsen-Anhalt und ins Salzland brachte. " Und damit auch den Tourismus ankurbelte " betont Jürgen Krebs.

So wünschen sich die Eisenbahnfreunde sich nichts sehnlicher als eine Menge von Förderern, die daran interessiert sind, dass die Lok als ein Aushängeschild des Sachsen-Anhalt- und Salzland-Tourismus auch vor dem vereinseigenen Salzland-Express wieder dampfen kann. Der Appell, dieses Vorhaben finanziell tatkräftig zu unterstützen, richtet sich an alle. Noch eine betriebsfähige Lok dieser Klasse gibt es nunmehr noch in den Niederlanden. Übrigens ist auch das eine Lok die vorher

im Salzland beheimatet war.

Daten zur Lok :

Gewicht : 110 Tonnen, inklusive beladenem Tender etwa 170 Tonnen ; 80 Stundenkilometer Geschwindigkeit ; Leistung : 2000 bis 2500 PS, zieht bis 3000 Tonnen in der Ebene, das Modell wurde tausendfach gebaut und bis in die 70 er / 80 er Jahre in beiden deutschen Staaten gefahren, www.eisenbahnfreundestassfurt.de