Einen ungewöhnlich lebendigen und spannenden Geschichtsunterricht erlebten gestern 20 Schüler der Klasse 9 b der Sekundarschule " Hermann-Kasten " in Staßfurt. Auf Einladung des stellvertretenden SPDFraktionschefs des Bundestages, Klaas Hübner, las der Erfolgsautor Niklas Frank dort aus seinen Büchern " Der Vater " und " Meine Deutsche Mutter ".

Staßfurt. " Das haben Sie sehr gut geschrieben, sehr direkt. Das fnde ich gut. " Ein besseres Lob als von Christopher Klose hätte sich Niklas Frank am Ende seiner Lesung in Staßfurt nicht wünschen können. Die Schüler hatten seinen Erzählungen die ganze Zeit über gebannt gelauscht, ein Zeichen dafür, dass sie dieser interessante Zeitzeugenbericht gefesselt hat.

Darin beschrieb der 1939 geborene Niklas Frank seine Zeit als Kind des ehemaligen Reichsministers und späteren Generalgouverneurs der Nazis in Polen Hans Frank und seiner Frau Brigitte, die in besonderer Weise in die Verbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Denn Hans Frank war einer der maßgeblichen Organisatoren des Holocaust. Unter seiner Ägide kam es in Polen zu Massendeportationen und -erschießungen von Juden.

In seinen Büchern arbeitete Niklas Frank die eigene Familiengeschichte schonungslos auf und dokumentierte die grausamen Verbrechen der Nazis.

Er sei zwar absolut gegen die Todesstrafe, aber seinem Vater habe er sie mit vollem Herzen gegönnt, damit er wenigstens ein paar Minuten lang die Todesangst spürt, die er anderen Menschen bereitet hatte, sagte Frank. Damit reagierte er auf die Frage von Vivian Waschow, ob er es als richtig gefunden habe, dass sein Vater im Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt wurde.

Dieses harte Urteil fällte Frank wohl auch deshalb, weil sein Vater in seinem letzten Brief an Niklas älteren Bruder erkennen lassen hatte, " dass er nichts kapiert hat. " Auch seine Mutter habe nie ein Unrechtsbewusstsein empfunden. " Sie hatte aber auch nie geklagt, über die schönen Jahre. Ich glaube, dahinter steckte ein schlechtes Gewissen ", sagte Frank.

Mit seinen beiden Büchern über seine Eltern, so fügte er hinzu, wollte er einen Beitrag zur Aufklärung leisten, denn in vielen Familien ist damals über die Verstrickung mit dem NSRegime geschwiegen worden und das werde es auch heute noch. " Es hat einen reinigenden Effekt, wenn es ausgesprochen wird ", sagte der Schriftsteller, der einst als Redakteur beim Magazin " Stern " gearbeitet hatte.

" Die Bilder vom KZ habe ich bis heute vor Augen "

Beeindruckt von Niklas Franks Schilderungen zeigten sich auch der Bundestagsabgeordnete Klaas Hübner und Schulleiter Bernhard Polewka.

" Niklas Frank ist ein wichtiger Zeitzeuge, der ganz nah dran war. Er hat gnadenlos mit seinem Vater abgerechnet ", sagte Hübner. Da er sich dem Kampf gegen den Rechtsextremismus verschrieben habe, finde er es interessant, die Sichtweise eines Kindes einer einstigen Nazigröße zu erfahren, so der SPD-Politiker.

" Es ist sehr beeindruckend, wie Sie geschildert haben, dass die damaligen Erlebnisse Sie verändert haben ", sagte Polewka. Er selbst sei damals in Polen geboren worden, direkt in der Nähe von Auschwitz. " Die Bilder von dem dortigen Konzentrationslager habe ich bis heute vor Augen. Sie gehen mir nicht aus dem Kopf ", sagte der Schulleiter, der 1958 mit seinen Eltern in die ehemalige DDR übergesiedelt war.

Die Buchlesung von Niklas Frank werde den Schülern der Sekundarschule helfen, bestimmte Geschehnisse der Vergangenheit besser einordnen zu können. " Es lohnt sich darüber nachzudenken, wohin die Geschichte geht ", so Polewkas Fazit.