Hecklingen. Müsste man zwei Attribute fnden, die das Wirken Charlotte Freists aus Hecklingen in vielen Bereichen des öffentlichen und sozialen Lebens, der Politk und der Jugendarbeit zusammenfassen, würden große Umtriebigkeit und Konsequenz vorderste Plätze belegen. Die 77-Jährige lebt im Unruhestand, nicht für sich selbst, sondern zuerst für andere. Dieses Engagement wurde jetzt geehrt. Charlotte Freist ist in der Kategorie Politik " Salzland-Frau des Jahres 2009 ". Es spricht für ihre Bescheidenheit, dass die Hecklingerin nicht mit dieser Auszeichnung gerechnet hat, als sie zum diesjährigen Festakt in den Schönebecker Kurpark geladen wurde. " Erst bei der Laudatio von Staßfurts Oberbürgermeister René Zok wurde mir allmählich bewusst, dass es um mich selbst ging. "

Charlotte Freits ehrenamtliche Tätigkeit ist unmittelbar mit ihrem Heimatort Hecklingen verbunden, beschränkt sich aber bei weitem nicht allein auf ihn. 40 Jahre lang unterrichtete sie als Lehrerin der Schule. Aus dieser Tätigkeit erklärt sich der Einsatz für den Jugendclub im Ort und für die Vereine, deren Bedeutung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht zu unterschätzen sei. " Jungen Menschen muss die Teilhabe an der Gesellschaft gegeben sein. Sie müssen sich ernst genommen fühlen in ihren Ansichten ", meint die Ausgezeichnete.

Ermutigendes Zeichen für Solidarität setzen

Als Lehrerin sei ihr das niemals schwer gefallen. " Mich selbst hält der Kontakt zu jungen Menschen jung ", kann Charlotte Freist nicht zuletzt als Nutzen für sich ziehen. Denn Agilität ist gefragt bei ihren Tätigkeiten, die mit der Jugenarbeit längst nicht erschöpft sind. Vor drei Jahren rief sie die Hecklinger Tafeln mit ins Leben. Bis heute unterstützt Charlotte Freist die Versorgung der Bedürftigsten bei der Organisation von lebensmitteln und bei der Verteilung. " Die Tafeln setzen ein ermutigendes Zeichen für Solidarität in unserem Land. Sie machen unsere Gesellschaft menschlicher und freundlicher. Sie sind Ausdruck des Bürgersinns, der gebraucht wird, damit unsere Gesellschaft funktioniert ", fasst René Zok in seiner Laudatio zusammen.

Charlotte Freist will ihre Arbeit als genau das verstanden wissen. Sie will Beispiel dafür sein, dass Hilfe überall möglich ist und man sich auch vor Ort, oft im Kleinen und nicht selten unbemerkt, für Großes einsetzen kann. Hürden sieht Freist dabei immer als Herausforderung an, denn es sei nicht immer einfach, den Durchblick bei Vorschriften und Gesetzen zu bewahren oder ausreichend Lebensmittel zusammen zu tragen. Aber : " Man wächst mit seinen Erfahrungen ", sagt die Seniorin.

Um die Sache geht es ihr auch als Politikerin. 35 Jahre ist Charlotte Freist in der Kommunalpolitik ihres Heimatortes tätig. " Von den ersten Tagen an habe ich dieser Arbeit in das Interesse der Stadt gestellt. " Dabei kam es ihr auf Bürgernähe, Politikverständlichkeit, sachliche Diskussion und die richtige Umsetzung guter Ideen an. Nur ein Beispiel zeigt ihren unermütlichen aber auch mutigen Einsatz. Geboren 1932 musste sie die Diktatur der nationalsozialisten in ihrer Kindheit noch miterleben. Prägende Erfahrungen, die hier heute die Kraft geben, sich gemeinsam mit anderen immer wieder politisch mit dem Faschismus in Deutschland auseinander zu setzen. Als Alt-Bundespräsident Roman Herzog 1996 den 27. Januar zum " Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialmus " erklärte, stand Charlotte Freist mit an vorderster Stelle und suchte mit anderen demokratischen Kräften der Region nach einer würdigen Form, das Gedenken in Hecklingen zu begehen. Seitdem gehört sie jährlich zum Team der Initiatoren einer Gedenkveranstaltung unter dem Motto " Hinguckien ! Hinhören ! Handeln !". Charlotte Freist geht in ihren Tätigkeiten auf, spürbar wird das, wenn sie darüber berichtet. Was macht sie privat aus ? " Freizeit habe ich nicht. Ich empfinde aber auch das, was ich tue, nicht als belastend. " Bleiben doch mal einige Stunden für die ganz private Charlotte Freist, erholt sie sich gern im Garten ihres Sohnes. Auch Reisen haben es der Hecklingerin angetan, vor allem in nordische Gef lde. Ihren Vorsitz in einem Ausschuss des Hecklinger Stadtrates hat sie abgegeben, viel zu tun bleibt aber noch.

Frauen müssen stärker einbezogen werden

Blickt Charlotte Freist auf die Gesellschaft, ist die " Salzland-Frau " überzeugt : " Frauen müssen in allen Bereichen noch stärker mit einbezogen werden – im Berufsleben, in Führungspositionen aber auch im ehrenamt. " Dafür wolle sie weiter entstehen.

Staßfurts Stadtchef René Zok zitiert in seiner Festrede den Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl : " Was du sagst verweht im Wind, nur was du tust schlägt Wurzeln " und ergänzt auf Charlotte Freist gemünzt : " Diese Worte sind Charlotte Freist wohl in die Wiege gelegt worden. Ihr über viele Jahrzehnte nicht nachlassendes ehrenamtliches Engagement hat Wurzeln geschlagen und zu Pfanzen heranwachsen lassen. "