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SPD und CDU kritisieren Änderungsvorschläge der Verwaltung für Schuleinzugsbereiche / Güssau: "Wahrscheinlich gut gemeint, aber schlecht gemacht"

Von Reinhard Opitz 15.01.2011, 04:26

Die Beschlussvorlage, die am Dienstag im Kultur-, Schul- und Sportausschuss erstmalig debattiert wird, birgt Zündstoff. Die Stadtverwaltung will die Einzugsbereiche der Grundschulen ab dem Schuljahr 2012/13 ändern. Dagegen regt sich schon vor dem ersten Beratungstermin Widerstand.

Stendal. Die SPD fordert eine Überarbeitung der Pläne. "Herr Schmotz, halten Sie Wort!", wendet sich Fraktionsvorsitzender Reiner Instenberg in einer öffentlichen Stellungnahme an den Oberbürgermeister. "Keine nachteiligen Änderungen für die bisherigen Einzugsbereichsbewohner!"

Gravierende Nachteile sieht Instenberg zum Beispiel auf die Kinder von Dahlen und Buchholz mit ihren Ortsteilen Dahrenstedt, Welle und Gohre zukommen. Sie sollen nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung ab 2012/13 nicht mehr in die Ganztagsgrundschule in Stendal gehen, sondern zur Grundschule Börgitz gefahren werden. Ihr Schulweg würde sich von acht auf 23 Kilometer verlängern, hat Instenberg ausgerechnet. Auch die angedachten Veränderungen in der Kernstadt müssten nach Meinung der SPD noch auf den Prüfstand.

Damit haben die Autoren des neuen Einzugsbereichsplans in der Stadtverwaltung bereits gerechnet. Wegen der weitreichenden Bedeutung der Vorlage sehe die Verwaltung zwei Lesungen vor, kündigt OB Klaus Schmotz in der Begründung der Beschlussvorlage an. Das heißt: Ausschüsse und Stadtrat haben in zwei Sitzungsperioden die Möglichkeit, über das Papier zu streiten und Veränderungen vorzuschlagen.

Die Verwaltung begründet die Änderung der Einzugsbereiche vor allem mit "gravierenden Bevölkerungswanderungen", etwa von Süd und Stadtsee in den Stadtkern, in die Bahnhofsvorstadt und die Oststadt. Dadurch würden die Ganztagsgrundschule und die Grundschule Nord an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, während die sanierten Stadtseeschulen Gagarin und Am Stadtsee bei weitem nicht ausgelastet seien.

Die SPD steht mit ihrer Kritik jedoch nicht allein. Die Stadträte der Union einigten sich auf ihrer Fraktionssitzung am Dienstag auf vier Punkte, die auf Veränderungen abzielen, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Hardy Güssau auf Anfrage berichtete. Zum einen wird die Fraktion beantragen, dass die Kinder der Roon- und Seestraße, die quasi in Sichtweite der Ganztagsgrundschule leben, auch dort bleiben. Zudem möchte die CDU künftig an dieser Schule, der einzigen Ganztagsgrundschule der Stadt, eine Art Reserve freihalten für Familien, die beruflich auf Ganztagsbetreuung angewiesen, aber wegen ihres Wohnorts keine Chance dazu haben. "Wir müssen auch überlegen", so Güssau, "ob wir nicht eine zweite Ganztagsgrundschule anbieten sollten." Abgelehnt wird auch von der CDU die Verlegung der Buchholzer und Dahlener Kinder nach Börgitz. "Aber", sagt Güssau, "wir sehen auch, dass der Bestand der Börgitzer Schule gefährdet ist. Dann wird das Problem der weiten Wege nur auf andere verlagert."

Die Vorlage der Verwaltung bezeichnet er als "sehr unglücklich": "Wahrscheinlich gut gemeint, aber schlecht gemacht, mit wenig Fingerspitzengefühl."