Am 19. Dezember hatte der Kreistag den Schulentwicklungsplan für die Jahre 2014-2019 beschlossen. Damit zusammen hängen voraussichtlich sechs Schulschließungen. Edith Braun kündigt an, noch einmal beim Landrat sowie der Landesregierung aktiv zu werden.

Stendal l Die Schulentwicklungsplanung, die im Dezember vom Stendaler Kreistag beschlossen worden ist, habe ihr über die Feiertage ein "richtig schlechtes Gewissen" bereitet, sagte die Schulausschussvorsitzende Edith Braun (SPD) gestern der Volksstimme. "Das Ganze hat mir das Weihnachtsfest versaut."

Was ihr so schwere Sorgen bereitet, ist insbesondere die geplante Schließung der Grundschule Werben. Das Gebäude war in den vergangenen Jahren für mehrere Hundertausend Euro saniert worden und soll nach den Sommerferien geschlossen werden. "Mich haben sehr viele Eltern und verantwortliche Lokalpolitiker angerufen", sagte Braun. Für sie habe sich in der Zwischenzeit ein neuer Kenntnisstand ergeben. So sei derzeit die Hortunterbringung für die Werbener Kinder nicht gesichert. "Es ist fraglich, ob an der Schule in Iden, wohin die Werbener Kinder gehen werden, überhaupt genügend Hortkapazitäten vorhanden sind", sagte Braun.

Mindestzahlen werden vom Land festgelegt

"Im Mai werden die Anmeldungen laufen, dann sehen wir klarer", sagt die Schulausschussvorsitzende. Sie sei immer davon ausgegangen, dass die Unterbringung im Hort parallel mit der in der jeweiligen Schule ablaufe. "Wenn sich nun herausstellt, dass die Werbener Kinder nach dem täglichen Schulschluss erst einmal an einen anderen Ort gebracht werden müssen, dann haut das alles nicht mehr hin."

Ohnehin sei ihr in ihrer 23-jährigen kommunalpolitischen Tätigkeit noch nie eine Entscheidung so schwer gefallen, wie diejenige im Dezember im Kreistag. Zumal sie nach eigenen Angaben bei zurückliegenden Schulentwicklungsplänen, die immer auch Schulschließungen beinhaltet hatten, stets dagegen gestimmt hatte.

"Wenn eine Entscheidung fehlerhaft zustande gekommen ist, dann bin ich die Letzte, die dies nicht zugibt", sagte Braun. Sie werde in Kürze noch einmal das Gespräch mit dem Landrat und dem Landesverwaltungsamt suchen. Mit dem jetzigen Wissenstand hätte sie dafür plädiert, die Grundschule Werben genauso wie die beiden Einrichtungen in Sandau und Rochau weiterzuführen, auch wenn man sich damit über die Beschlüsse der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck hinwegsetzen müsse. In Rochau wird die Schule für zwei Jahre als Außenstelle weitergeführt, in Sandau sollen Kinder aus den Havelberger Ortsteilen Warnau, Kuhlhausen und Garz das Überleben der Schule sichern.

Der Verdruss über die Schulentwicklungsplanung sei durch die Vorgaben der Landesregierung entstanden, sagte Braun. Diese seien allerdings in einem demokratischen Prozess zustande gekommen, sagte die Schulausschussvorsitzende. "Damals hätten die Landtagsabgeordneten sich mal zu Wort melden sollen, als jetzt irgendwelche Resolutionen loszulassen."

Der Kreistag hatte auf Vorschlag von Edith Braun der Schulentwicklungsplanung des Kreises Stendal einen Forderungskatalog an die Landesregierung beigefügt. Insbesondere solle bei den beantragten Ausnahmeregelungen und Übergangslösungen die Situation der dünn besiedelten Altmark berücksichtigt werden. Außerdem sollte Stendal "als Modellregion zur Aktivierung alternativer Schulmodelle wie klassenübergreifender Unterricht" zugelassen werden.

Beim Landkreis wird für Ende Februar mit einer Entscheidung des Landes zur Schulentwicklungsplanung gerechnet.

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