Von Wolfgang Biermann

Stendal l Im Prozess um einen großangelegten Drogenhandel durch drei Stendaler kasachischer Herkunft (alle 30 Jahre alt) vor dem Stendaler Landgericht scheinen alle Weichen für einen Deal gestellt. Wie berichtet sollen zwei Angeklagte des Trios Amphetamine (Kunst-droge) im großen Stil aus dem Raum Düsseldorf/Aachen nach Stendal "importiert" haben, um sie hier gewinnbringend weiterzuverkaufen. Der Dritte im Bunde soll die Drogen in zwei Garagen in Stendal-Stadtsee gelagert haben. Bei einer Razzia im Juli 2013 fand die Polizei in den Garagen etwa 19Kilo Rauschgift und dazu eine MPi Kalaschnikow.

Die Verteidiger hatten schon zum Prozessauftakt eine Verständigung, landläufig Deal genannt, angeboten: ein Geständnis gegen ein moderates Urteil. Voraussetzung ist, dass die beiden "Importeure" gerichtspsychiatrisch begutachtet werden, weil sie selbst offensichtlich drogenabhängig sind. In einer befristeten Unterbringung im Maßregelvollzug zur Drogentherapie sehen die Verteidiger eine Alternative zu einer hohen Haftstrafe.

Angeklagte haben selbst einen "Hang zu Drogen"

Ein Gerichtspsychiater kam erwartungsgemäß nun in der Vorwoche zu der Erkenntnis, dass bei beiden Angeklagten ein "Hang zu Drogen" besteht, sie mithin abhängig sind. Sie seien zur Therapie im Maßregelvollzug bereit. Nach der Gutachtenerstattung stellte das Gericht, das zuvor Zurückhaltung zu einem etwaigen Deal gewahrt hatte, den Verteidigern die im Urteil zu erwartenden Haftstrafen in Aussicht. Die Staatsanwaltschaft hatte schon zuvor Zustimmung zum Deal signalisiert.

Die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone Henze-von Staden zieht, ein umfassendes Geständnis vorausgesetzt, für die beiden "Importeure" bis zu sechseinhalb Jahre und für den Garagenbesitzer bis zu fünfeinhalb Jahre Gefängnis in Betracht. Dazu könnte eine Unterbringung im Maßregelvollzug zur Drogentherapie für zwei der Angeklagten erfolgen.

Vor Antritt der Therapie sollten zwei Jahre Freiheitsstrafe verbüßt werden, so das Gericht. Das sei höher als erwartet, monierten die Verteidiger. Sie wollen ihren Mandanten den Deal trotzdem schmackhaft machen. Wie weiter zu erfahren war, haben die Ermittler bei einem der Angeklagten in der Wohnung über 14000 Euro sichergestellt und im Bankschließfach eines zweiten mehr als 25000Euro. Das Geld soll nach der Verständigung der Staatskasse zufließen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei der Deal sinnvoll, weil dadurch Prozess- tage und Kosten gespart werden könnten. Allein schon das Abhören der Mitschnitte der monatelangen Telefonüberwachungen für den Fall, dass die Angeklagten sich nicht geständig zeigten, könnte den Prozess um Wochen verlängern. Ob in der Fortsetzung 3. Februar nun die Geständnisse zu hören sein werden, bleibt abzuwarten.