Roman Grafes Artikel in der "Zeit" bleibt nicht ohne Reaktionen. Der Sender Deutschlandradio Kultur befasste sich am Wochenende mit dem Thema und interviewte Jens Hüttmann, Leiter des Arbeitsbereiches schulische Bildungsarbeit bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. "Das ist schon ein ganz schöner Knaller", kommentiert er Grafes Schilderungen aus der Comenius-Schule.

Hüttmann rät indes, "dass man sich davor hüten sollte, das sozusagen zu pauschalisieren". Es gebe "zum Teil Verklärung, übrigens nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in Westdeutschland". Eine Ursache sieht er darin, "dass auch bei den Lehrerinnen und Lehrern häufig so etwas da ist, wie man auch bei den Schülern beklagt, nämlich dass eigentlich wichtiges Grundwissen fehlt". In Ostdeutschland gebe es zudem "häufig auch eine biografisch begründete Scheu bei Lehrerinnen und Lehrern".

Der Bildungsexperte berichtete auch von Beispielen an Schulen, "wo man merkt, Aufklärung wirkt tatsächlich und die Leute können auch ihr eigenes Handeln 20 Jahre später zum Teil auch durchaus selbstkritisch reflektieren".

Widersprüche zwischen positiven DDR-Geschichten am Abendbrottisch und einem kritischen DDR-Bild hält Hüttmann für "gut geeignet, um Fragen zu stellen im Unterricht. Und dann müssen sich natürlich auch Lehrerinnen und Lehrer dazu positionieren." Roman Grafe mache "tolle Lesungen" durch die "produktive Atmosphäre" entstehe und "womöglich überzeugt man Leute auch durch die besseren Argumente".

Das komplette Interview mit Jens Hüttmann ist als Skript nachzulesen im Internet unter der Adresse www.deutschlandradiokultur.de. (mr)